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Väter sind im Rollenkonflikt

Die Väterstudie „VAPRO“ zeigt, dass es Vätern am wichtigsten ist, ihren Kindern Zuneigung zu zeigen. Ein Problem dabei ist mangelnde Zeit.
Väter und ihre Kinder
Foto: Marco Rauch (dpa) | Nur ein Drittel der befragten Väter ist mit der Menge an Zeit zufrieden, die sie für ihr Kind haben.

Ihren Kindern Zuneigung zu zeigen, ist Vätern in Deutschland am wichtigsten. Die zu 85 Prozent in Vollzeit berufstätigen Väter erleben dabei einen Rollenkonflikt zwischen Beruf, Familie und gesellschaftlichen Erwartungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine sozialwissenschaftliche Studie der Technischen Universität Braunschweig und der Fachhochschule Kiel, die am Montag vorgestellt wurde. Ihre Untersuchung betraf Themen wie Vaterschaftsverständnis, Gleichberechtigung zwischen den Eltern, die (Un-)Vereinbarkeit von Beruf, Familie und „Community“, sowie die Polarisierung von Vaterschaft in den sozialen Medien.

Freundschaftlicher Vater

„Die von uns befragten Väter haben angegeben, dass ihnen monetäre Werte nicht so wichtig seien wie soziale oder emotionale Werte“, erklärt Kai Marquardsen von der Fachhochschule Kiel. So ist es den Vätern milieuübergreifend wichtig, ihre Kinder „empathisch und verständnisvoll“ zu erziehen. Besonders Väter von Söhnen möchten ein „freundschaftlicher Vater“ sein. Für knapp 60 Prozent der Studienteilnehmer zeichnet sich ein guter Vater dadurch aus, dass er dem Kind Zuneigung zeigt und Zeit mit dem Kind verbringt (knapp 30 Prozent). Dem Kind finanzielle Sicherheit zu bieten, ist nur für 1,4 Prozent wichtig.

Die meisten Väter (48,2 Prozent) gehen bis zu zwei Monate, und damit kürzer als der andere Elternteil, in Elternzeit. Die Angaben zur Aufteilung der Elternzeit weisen auf eine gleichberechtigte Entscheidung der Paare hin, denn 58 Prozent der Väter sagen, dass sich beide Elternteile für die ungleiche Aufteilung entschieden hätten. Bei mehr als zwei Drittel der Befragten hat sich der andere Elternteil gewünscht, länger in Elternzeit zu gehen. Finanzielle Gründe dagegen standen bei mehr als jedem zweiten Vater (53,1 Prozent) nicht im Vordergrund.

Work-Family-Konflikt

Drei Viertel der Befragten geben an, der Beruf beeinflusse ihr Vatersein. Fast 80 Prozent davon nehmen dies als negativ wahr. Ihren eigenen Vorstellungen guter Vaterschaft können viele Väter nicht gerecht werden, denn nur ein Drittel der Väter ist mit der Menge an Zeit zufrieden, die sie für ihr Kind haben. „Hier zeigen sich Parallelen zur Mutter als Allrounderin, die im Job erfolgreich sein muss und gleichzeitig liebevoll die Kinder und ihre Verwandten umsorgt“, erklärt Projektleiterin Kim Bräuer von der TU Braunschweig. „Dabei erleben die Väter nicht nur einen Work-Family-Konflikt. Es scheint auch darum zu gehen, sich in ihrem Freundeskreis, in Vereinen oder bei der Versorgung der Eltern einzubringen und ihren Kindern auf diese Weise soziale Werte vorzuleben“, so Bräuer.

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Die Analyse der sieben reichweitestärksten deutschen Väterblogger auf Instagram zeigt auf, dass die Blogger zumeist ein Bild von aktiver Vaterschaft als Herausforderung und Ziel vermitteln. Homosexuelle Vaterschaft sei prominent vertreten, Väter mit Migrationserfahrung kämen kaum und von Armut betroffene Väter überhaupt nicht vor.

Väter sollen mehr in den Alltag miteinbezogen werden

Väterarbeit solle sich verstärkt auf deren alltägliches Handeln beziehen, lautet eine Empfehlung der Forscher. Es gehe weniger darum, ein neues Bild von Vaterschaft zu vermitteln, betont Bräuer. „Es wäre denkbar, Väter aktiv als Elternsprecher anzufragen, Väterschwimmkurse anzubieten oder sie aktiv zum Beispiel in Elternchats anzusprechen.“ Auch bei unterschiedlichen familienbezogenen Einstellungen wünschen sich die Wissenschaftler „Wege eines respektvollen Umgangs“ anstelle politischer Polarisierungstendenzen in Bezug auf Familie und Vaterschaft.

Die VAPRO-Studie mit einer Laufzeit von zweieinhalb Jahren stützt sich auf eine Onlinebefragung von 2.200 Vätern, 55 Interviews sowie die Analyse von sieben Instagram-Accounts von Väterbloggern. Dabei berücksichtigt sie neben rechtlichen und biologischen Vätern auch Pflegeväter, Väter in Co-Parenting-Konstellationen und homosexuelle Väterpaare.  DT/chu

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