Impulse des „Instituts für Ehe und Familie“ für Tagespost-Leser

Durch die Lupe

Es genügt ein kleiner Schritt vom Ich zum Du, damit die Wirklichkeit des Himmels spürbar wird.

Kleiner Schritt vom Ich zum Du - Familien-Tipp für die Corona-Zeit
Es genügt ein winzig kleiner Moment, in dem sich der Wille vom ICH zum DU wendet, um die kleinen Alltagsegoismen aufzugeben. Foto: Frank Leonhardt (dpa)

Eines der Bücher, die mein Leben am meisten geprägt haben, ist „Die große Scheidung“ von C.S. Lewis. Diese phantastische Geschichte beginnt in einer beklemmend heruntergekommenen Stadt mit gespenstisch leeren Straßen. Unermesslich groß, weil die Menschen größtmögliche Distanz zueinander halten wollen. Es ist ein Ort der verlorenen Seelen: die Hölle. Durch einen Bus besteht von Zeit zu Zeit für einzelne Seelen die Möglichkeit, in den Himmel zu kommen, der im Vergleich zur Hölle verschwindend klein erscheint. In Wirklichkeit ist es aber genau umgekehrt, wie der Erzähler bei seiner Ankunft oben erfährt. In der Hölle werde alles auf den kleinen Bereich des eigenen Egos und seiner Sorgen reduziert. Das Leben des Himmels bestimme jedoch die Liebe, sie definiere die Wirklichkeit. Die Hölle findet Platz in einem winzig kleinen Spalt zwischen Grashalmen.

Es genügt ein winziger Moment

Die einzelnen Passagiere treffen nacheinander auf Personen aus ihrem irdischen Leben und bekommen die Möglichkeit, aus ihrem verhärteten Egoismus herauszutreten und in den Himmel zu kommen. Es genügt ein winzig kleiner Moment, in dem sich ihr Wille vom ICH zum DU wendet. Manche aber kehren, blind vor Selbstsucht, in ihre Stadt zurück, in der Meinung, ihr Paradies bereits gefunden zu haben. Sie sind auf dem Weg zu ihrer Erlösung selbst das größte Hindernis.

Wie durch eine Lupe

Die Charakterfehler und Egoismen der Reisenden erlebt der Leser auf eine geradezu groteske Art konzentriert, wie durch eine Lupe. Gleichzeitig ertappt sich der Leser in fast jeder Person zumindest ein wenig selbst. Der Alltag im Umfeld der Corona-Pandemie wirkt ähnlich: Sowohl durch die ungewohnte Nähe als auch durch die ungewollte Einsamkeit treten unsere Eigenschaften und Egoismen wie durch eine Lupe vergrößert auf. Es fällt dann manchmal sehr schwer, einen kleinen Schritt vom Ich zum Du zu machen. Aber es ist dieser kleine Schritt, der notwendig ist, damit die Wirklichkeit des Himmels, die Liebe, in die Gegenwart hindurchbrechen kann.

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Ehe und Familie (IEF) in Wien, einer Einrichtung der Österreichischen Bischofskonferenz, bietet Ihnen „Die Tagespost“ für die Dauer der Corona-Krise täglich einen Tipp für Ehen und Familien. Weitergehende Hintergründe, Informationen und Analysen finden Sie in Ihrer jeden Donnerstag erscheinenden TAGESPOST sowie auf www.ief.at/coronahilfe

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