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Wer den Leroy nicht ehrt…

Die Kritik am deutschen Flügelsprinter Sané nimmt übertriebene Ausmaße an. Das schadet dem Team und am Ende auch den Titelambitionen. Doch der Betroffene zeigt wahre Größe.
Leroy Sané und Deniz Undav
Foto: IMAGO/Bahho Kara (www.imago-images.de) | Mitten in der Traube deutscher Kicker, die Undav nach seinem Siegtreffer herzten: der ausgewechselte und dennoch ausgelassen jubelnde Leroy Sané. Das ist wahre Größe.

Samstagabend, irgendwo in Deutschland. Es ist nach 23 Uhr, also Fußball-Primetime nach den neuen Gesetzen der WM. Deutschland liegt gegen die Elfenbeinküste 0:1 zurück, als unter den Zuschauern, die sich zum öffentlichen Bestaunen der DFB-Kicker zufällig in derselben Freiluftlokalität zusammengefunden haben, frenetischer Jubel ausbricht. Ist der Ausgleich gefallen? Keineswegs.

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Als sich die zum Applaudieren hochgereckten Arme des Vordermannes wieder senken und den Blick auf die Leinwand freigeben, wird der Grund des kollektiven Glücksrauschs klar: Leroy Sané verlässt das Spielfeld. Eingewechselt wird der neue „Bomber der Nation“, Deniz Undav. Der Spätzünder vom VfB Stuttgart (er wird demnächst 30) wird in den nächsten 30 Minuten der deutschen Mannschaft mit zwei feinen Toren tatsächlich noch zum Sieg verhelfen. 

Das Land muss geschlossen hinter dem Team stehen

Warum spielt der glück- und torlose Sané immer von Anfang an, warum stellt der Bundestrainer nicht Undav in die Startelf? Diese Frage scheint Fußballdeutschland derzeit am meisten zu beschäftigen. Zweifellos, Undavs Torquote mag die vehementen Startplatzforderungen von 80 Millionen Hobby-Bundestrainern rechtfertigen, auch unter den „Tagespost“-Kolumnisten dürfte sich eine Mehrheit für diesen Wechsel in der Startformation finden.

Doch wird man den Eindruck nicht los, dass die Kritik an Sané den Boden des Vertretbaren allmählich verlassen hat. Konstante Pfiffe, wenn der Ex-Münchener am Ball ist, höhnische Sprüche über dessen ausbaufähige Leistung, von widerwärtigen Social-Media-Kommentaren, die auf Sanés Hautfarbe anspielen, ganz zu schweigen. Höchste Zeit, den Ball mal wieder flachzuhalten. Es mag vielleicht überraschen, aber hinter jedem Spieler steckt (zum Glück noch immer) ein Mensch, keine KI, der Beleidigungen am Arbeitsspeicher vorbeigehen.

Das DFB-Team wird immer mehr zu einer Einheit

Was war das Rezept des zum „Sommermärchen“ verklärten, erfolgreichen Turniers 2006? Was machte den Titelgewinn 2014 aus? Klar, am Ende immer die Mannschaft auf dem Platz. Aber in beiden Jahren hatte man das Gefühl, dass auch das Land geschlossen hinter dem Team stand, und zwar hinter jedem einzelnen Spieler. Und so seinen Teil zum Erfolg beitrug. Wer an den Fußballgott glaubt, sollte sich mäßigen. Sonst können beim Elfmeterschießen im Viertelfinale gegen Frankreich auch Felix Nmecha und Jonathan Tah nicht für ausreichend Beistand von oben sorgen. Wer den Leroy nicht ehrt, ist des Titels nicht wert!

Immerhin: Innerhalb der deutschen Mannschaft scheint die Chemie zu stimmen. Wie selbst die Ersatzspieler nach Undavs spielentscheidendem Treffer auf den Platz stürmten, um den Siegtreffer gemeinsam zu feiern, beweist: Das DFB-Team wird immer mehr zu einer Einheit. Mitten in der Traube deutscher Kicker, die Undav herzten: der ausgewechselte und dennoch ausgelassen jubelnde Leroy Sané. Das ist wahre Größe.


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