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Nachhilfestunde im Glauben

Vorbild heidnische Kanaanäerin: entscheidend ist ein existenziell gelebter Glaube an den Messias. Damit wird klar: Der Glaube ist die „demokratischste“ Sache der Welt.
Christus und das Kanaanäische Weib.
Foto: Hans-Joachim Bartsch / Kunstgewerbemuseum, Staatliche Museen zu Berlin, Lizenz: http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/ | URL: https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/O7Z6JHKBKBHGXUKBAX2EWDOIVC7OTIMC | Christus und das Kanaanäische Weib.

Was kann schon Gutes aus Tyrus und Sidon kommen – zwei phönizische Küstenstädte im Norden, die in der Bibel häufig Adressaten von Gerichtsworten waren? Sidon ist außerdem besonders schlecht in die Geschichte Israels eingegangen, und zwar aufgrund der Herkunft von Isebel, der Frau des Königs Ahab. Die von dort stammende Königin stand für die Verführung des erwählten Volkes zum Baal-Kult. Keine guten Startbedingungen für die namenlose Frau aus dem Evangelium, welche ebenfalls aus der Gegend stammt und deren Bezeichnung „Kanaanäerin“ keinerlei Zweifel an ihrem Heidentum lässt. Sie hat keinen Anspruch auf die Hilfe Gottes. Doch als Heidin erkennt und bekennt sie gerade Jesus als den Christus, indem sie ein hellenistisches „Herr“ und ein judenchristliches „Sohn Davids“ auf ihn bezieht. Dazu vollzieht sie den Akt der Anbetung Jesu.

Sie erkennt in ihm den Herrn, indem sie sich vor ihm niederwirft, obwohl er ihr erklärte, dass er zu den Schafen aus dem Haus Israel gesandt sei. Und mehr noch: Sie überwindet sogar noch eine von Jesus gestellte Hürde – die Allegorie mit kleinen Hunden, ein immerhin abgemildertes Stereotyp, das die Heiden in die Nähe dieser Tiere rückte. Am Ende bekommt sie, worum sie gebeten hat – nicht weil die Sendung Jesu zu seinem Volk aufgehört hätte, sondern weil sie auf die Heiden erweitert wurde. Die Herkunft spielt keine Rolle, entscheidend ist ein existenziell gelebter Glaube an den Messias.

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Damit wird klar: Der Glaube ist die „demokratischste“ Sache der Welt. Nicht dafür ist Christus in die Welt gekommen, damit jemand aus seinem Heil, aus der Erkenntnis seiner Liebe und aus der Chance, ihm bewusst Ja zu sagen, ausgeschlossen wird. Zumindest haben wir als Christen kein Recht, diese Begegnungen zu verhindern. Wenn immer mehr Menschen unter uns leben, für die Christus noch der große Unbekannte ist, warum sollten die Christen sich verstecken und ihnen die Einladung zu diesem Glauben verweigern, zumal es hier doch um das Höchste im Leben eines jeden Christus-Anhängers geht? „Dialog“ ist das Wort der Gegenwart und es hat seinen unaufgebbaren Wert.

Aber man würde das Christentum gründlich missverstehen, würde man die Sendung der Kirche damit für erfüllt ansehen. Was vor 2000 Jahren galt, ist auch heute gültig: Jeder ist eingeladen, die Liebe Gottes in seinem Sohn anzunehmen und zu bekennen. Und mancher Christ kann gerade von den „Kanaanäerinnen“ der heutigen Zeit, wenn sie Christus neu entdecken, den Eifer für die längst verloren geglaubte Sache lernen. Daher sollte man allen den Glauben an ihn aktiv ermöglichen. „Mission“ ist das Wort der Zukunft.


Jesaja 56,1.6–7
Römer 11,13–15.29–32
Matthäus 15, 21–28
Zu den Lesungen des 20. Sonntags im Jahreskreis (Lesejahr A)

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