Es wurde gewählt, die Karten wurden neu gemischt – und der künftige Kanzler sieht dabei nicht gerade aus wie der große Gewinner. In der neuesten Folge ihres Podcasts nehmen die Journalisten Sigmund Gottlieb und Jan Fleischhauer die politische Lage unter die Lupe. Mit gewohnt spitzer Zunge analysieren sie, warum manche Wahlprognosen in die Irre führten und welche Folgen das Wahlergebnis für die Regierungsbildung hat.
„Vor nicht einmal zwei Wochen wurde gewählt, und eine Menge hat sich getan. Der künftige Kanzler wirkt nicht mehr sehr glücklich, an manchen Tagen sogar zerknautscht“, so Gottlieb. Eine Spitze in Richtung Fleischhauer konnte er sich dabei nicht verkneifen: Der hatte in der letzten Folge noch 34 Prozent für die CDU vorhergesagt – ein Wunschdenken, wie sich herausstellte.
Der Partner diktiert die Bedingungen
Fleischhauer räumte ein, dass seine Prognose eher von Hoffnung als von nüchterner Analyse geprägt war. „Ich habe das ernst genommen, als der Kanzlerkandidat der CDU sagte, dass es keine linke Mehrheit mehr gebe und keine linke Politik mehr gemacht werde. Da dachte ich, ein Ergebnis über 30 Prozent wäre möglich – am Ende wurden es 28,4.“
Auch die Koalitionsfrage sorgt für Diskussionen. Fleischhauer hatte darauf gesetzt, dass es mit den Grünen als eine von mehreren Optionen klappen könnte. „Das war Ihre Wunschkonstellation“, stichelte Gottlieb. Doch daraus wurde nichts. Nun bleibt dem Wahlsieger nur eine Option, denn die FDP wurde durch Friedrich Merz’ Strategie erheblich geschwächt. „Wenn man zwei Wochen vor der Wahl sagt, 4 Prozent für die FDP seien 4 Prozent zu viel, dann hat das eben einen Effekt, wenn eine kleine Partei ums Überleben kämpft. Jetzt hat er den Salat: Es gibt nur noch einen möglichen Partner – und der diktiert die Bedingungen.“
Gottlieb und Fleischhauer liefern eine gewohnt pointierte, scharfzüngige Analyse der aktuellen politischen Lage. Die vollständige Diskussion gibt es in der aktuellen Podcast-Folge zu hören. Außerdem erfahren Sie, welche Entscheidung von US-Präsident Donald Trump Sigmund Gottlieb besonders gefreut hat. (DT)
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