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Der „Prototyp Märtyrer”

Der selige Jesuit Thomas Woodhouse wurde unter Elisabeth I. als Verräter hingerichtet. Sein Verbrechen: die Treue zum katholischen Glauben und zum Papst in Rom.
Seliger Jesuit Thomas Woodhouse
Foto: Imago/Heritage Art | Der selige Thomas weigerte sich gegen die religiösen Reformen von Königin Elisabeth I.. Im Jahr 1561 wurde er verhaftet, weil er die Messe feierte und für den Rest seines Lebens inhaftiert.

Am 25. Oktober 1970 sprach Papst Paul VI. 40 Märtyrer selig, die im 16. und 17. Jahrhundert im Konflikt mit der britischen Krone in England und Wales hingerichtet worden waren, darunter zahlreiche Kartäuser und Jesuiten. Sie waren nicht die ersten: Bereits 1886 hatte Leo XIII. Thomas Woodhouse seliggesprochen, den „Protomärtyrer“ der Gesellschaft Jesu auf britischem Boden. Im Martyrologium Romanum ist er unter dem Datum des 19. Juni verzeichnet, wo es über ihn heißt: „Unter Königin Maria der Katholischen wurde er zum Priester geweiht. In der Verfolgung durch Königin Elisabeth I. wurde er mehr als zwölf Jahre lang um des Glaubens willen eingekerkert. Dort setzte er sich tatkräftig ein, um die Mitgefangenen wieder mit der katholischen Kirche zu versöhnen, bis er zu Tyburn am Galgen mit dem Martyrium gekrönt worden ist.“

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Als Thomas Woodhouse um 1535 geboren wurde, stand die anglikanische Kirche am Beginn ihrer Abspaltung von Rom. Ein Jahr zuvor hatte das englische Parlament die Suprematsakte erlassen, durch die der regierende König Heinrich VIII. anstelle des Papstes zum Oberhaupt der Kirche von England erklärt worden war. Neben theologischen Disputen der Reformationszeit war der Hauptauslöser die Weigerung Papst Clemens’ VII., die Ehe Heinrichs VIII. mit Katharina von Aragon zu annullieren, um dem König eine zweite Eheschließung zu ermöglichen.

1553 schien sich das Blatt zu wenden: Nach dem plötzlichen Tod von Heinrichs Nachfolger Eduard VI. bestieg dessen Halbschwester Maria Tudor, eine Tochter Heinrichs und der verstoßenen Katharina von Aragon, den englischen Thron. Diese setzte alles daran, den Katholizismus in England wieder zu etablieren, was ihr zwei Beinamen einbrachte: einerseits „die Katholische“, andererseits aber auch „die Blutige“, da zahlreiche Protestanten unter ihr hingerichtet wurden. Wahrscheinlich in Maria Tudors letztem Regierungsjahr – 1558 – wurde Thomas Woodhouse zum Priester geweiht und trat anschließend eine Stelle als Landpfarrer in der Grafschaft Lincolnshire an.

Mit missionarischem Überschwang

Marias Nachfolgerin Elisabeth I. schlug religionspolitisch wieder den entgegengesetzten Kurs ein. Sie bestätigte 1559 die Suprematsakte und ersetzte das katholische Messbuch durch das „Book of Common Prayer“ als verbindlichen Text für alle Gottesdienste im Vereinigten Königreich. Woodhouse legte daraufhin 1560 sein Pfarramt nieder, wurde Hauslehrer bei einer Familie in Wales und feierte weiterhin die katholische Messe. Am 14. Mai 1561 wurde er im Londoner „Fleet-Gefängnis“ inhaftiert. Seine über ein Jahrzehnt andauernde Haftzeit nutzte er zum Apostolat unter Mitgefangenen und Wärtern, von denen viele zum katholischen Glauben konvertierten.

1572 schrieb er einen Brief an den Provinzial der Jesuiten in Frankreich und bat ihn um Aufnahme in die Gesellschaft Jesu, deren Wappen oben abgebildet ist. Sie besaß damals noch keine Mission in England. Als er von der Gesellschaft Jesu die Zusage erhielt, war Thomas Woodhouse außer sich vor Freude. In missionarischem Überschwang schrieb er einen Brief an die Königin und forderte sie auf, zum katholischen Glauben zurückzukehren. Elisabeths erster Minister William Cecil betrachtete dies als Affront gegen die Krone. Er ließ Thomas Woodhouse am 16. Juni 1573 vor ein Gericht stellen, das ihn wegen Hochverrat zum Tode verurteilte. Drei Tage später wurde das Urteil in Tyburn, dem Londoner Galgenplatz, vollstreckt.

In Tyburn – damals ein Dorf, jetzt innerhalb von London gegenüber dem Hyde Park gelegen – steht heute ein Benediktinerinnenpriorat, in dem zahlreiche Reliquien der schätzungsweise etwa 350 – kanonisierten und nicht kanonisierten – katholischen Märtyrer aufbewahrt werden, die im 16. und 17. Jahrhundert sterben mussten, da sie dem Papst in Rom die Treue hielten. „Möge das Blut dieser Märtyrer die große Wunde heilen, die der Kirche Gottes durch die Trennung der anglikanischen von der katholischen Kirche zugefügt wurde“, sagte Paul VI. bei der Seligsprechung 1970. Denn „ist die von Christus gegründete Kirche nicht eins? Ist das nicht das Zeugnis der Märtyrer?“

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Claudia Kock Church of England Clemens VII. Elisabeth I. Jesus Christus Katholische Kirche Paul VI. Päpste

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