Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Künstliche Intelligenz

Den Heiligen eine Stimme geben? 

Chat GPT im Sanctus- Test. Wenn künstliche Intelligenz mit der Stimme von Padre Pio spricht.
Pater Pio Statue
Foto: germanopoli via imago-images.de (www.imago-images.de)

Der Programmierer eines Schweizer Start-up Unternehmens, Fabio Salvatore, hat die Fähigkeit von ChatGPT genutzt, um eine App zu kreieren, die mit der Stimme Pater Pios spricht. Dass Schüler, Studenten und Journalisten,  Arbeiten von ChatGPT schreiben lassen, hängt damit zusammen, dass die vermeintliche künstliche Intelligenz, die hinter dem System steckt, in der Lage ist, den Stil einer Person, sei es ein Komponist, ein Maler oder ein Autor, perfekt zu kopieren. Besucher der Seite prega.org erhalten virtuelle und - wie immer bei ChatGPT - verblüffend echt wirkende Antworten, die den Eindruck erwecken, man sei im Gespräch mit dem Heiligen. Dieser war für seine Fähigkeit, Menschen in der Beichte zur Umkehr zu führen, sie geistlich zu begleiten oder Kranke zu heilen bekannt.

Lesen Sie auch:

Die Programmierung verfeinert

Um die App zu programmieren, musste Salvatore das Grundprogramm von ChatGPT verfeinern. Denn auf die Frage: “Gibt es einen Gott”, reagierte die künstliche Intelligenz eher ausweichend mit: “Darauf gibt es verschiedene Antworten”. Auf die kritische Nachfrage, ob die künstliche Intelligenz nach dem Menschen nun auch Gott ersetzen wolle, antwortet der Programmierer. “Sie können ChatGPT bitten, wie Pater Pio zu antworten. Wir verbessern lediglich diese Erfahrung. Ich kann nicht sagen, ob es  eine gute oder schlechte Sache ist. Aber Sie können alles mit AI machen, also warum nicht etwas spirituelles?”

Die Firma ImpactOn, die die App promotet, verdiene damit kein Geld, fügt Salvatore hinzu. Journalisten der Times, die die App ausprobierten, fragten das System, ob es moralisch vertretbar sei, im Namen von Padre Pio zu sprechen. Das Programm räumte ein, dass es davon nicht überzeugt sei.  “Pater Pio ist eine inspirierende Gestalt und seine Botschaft der Liebe und Hoffnung kann nicht von einem Programm simuliert werden”, sagte der Chatbot. Auf den Einwand der Journalisten, aber dies genau sei es, was die App tue, antwortete der Chatbot ausweichend mit der Stimme von Pater Pio: “Wir versuchen, den Willen Gottes zu erfüllen und seinen Weisungen zu folgen.”

Grenzen des Programms ausgelotet

Außer den Journalisten der Times stellten offenbar auch Hunderte Nutzer dem Chatbot provokative Fragen, um seine Grenzen auszuloten. Sie liegt offenbar bei der Gottesfrage. Denn dass künstliche Intelligenz Gott ersetzen könnte verneint nicht nur der Programmierter, sondern auch der mit Pater Pios Stimme sprechende Chatbot mit großer Entschiedenheit. DT/bst

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Chatbots Künstliche Intelligenz Pater Pio von Pietrelcina

Weitere Artikel

Im Gespräch mit der „Tagespost“ erklärt der Erziehungswissenschaftler Klaus Zierer, warum „Magnifica humanitas“ ein Weckruf für die Bildungspolitik ist.
05.06.2026, 14 Uhr
Jakob Naser
Der Heilige Vater formuliert ein Plädoyer für eine Kirche der wahren Gemeinschaft. Für die Botschaft wählte er einen besonderen Ort.
03.11.2025, 17 Uhr
Henry C. Brinker
Die Anwendungsmöglichkeiten künstlicher Intelligenz in der Medizin sind Legion. Sie werfen allerdings auch Fragen auf.
11.10.2025, 07 Uhr
Thomas Rusche

Kirche

Spaniens Episkopat dankt der „Roten Furie“: Die Weltmeister liefern Steilvorlage für die Verkündigung.
21.07.2026, 15 Uhr
Regina Einig
Die Kunst der lässigen Beschäftigung ist gar nicht so einfach zu erlernen. Ausgewogenheit ist wichtig.
21.07.2026, 07 Uhr
Jonathan Prorok
Bei ihnen fand auch der spätere Papst Johannes Paul II. eine geistliche Heimat. Die neuen Seligen aus den Reihen der Salesianer Don Boscos.
21.07.2026, 05 Uhr
Claudia Kock
Konferenz in Castel Gandolfo: Nobelpreisträger, Politiker und Religionsvertreter machen sich für internationale Regeln für KI stark und betonen die Verantwortung des Menschen.
17.07.2026, 14 Uhr
Meldung