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„Wonka“: Zuckersüß und voller Magie

Die Roald-Dahl-Verfilmung ist ein Kino-Festschmaus für die ganze Familie.
Timothee Chalamet im Film "Wonka"
Foto: IMAGO/Supplied by LMK (www.imago-images.de) | Chalamet erweist sich als fähiger Tänzer und Sänger, der leichtfüßig steppt und mit kindlichem Pathos und mit viel Witz und Charme in den komödiantischen Passagen zu glänzen vermag.

Im Kino gibt es jetzt schon Bescherung – denn passend zum Nikolaustag und als zuckersüßer Adventsgenuss läuft seit dem 6. Dezember „Wonka“, die neueste Literaturverfilmung von „Paddington“-Regisseur Paul King, nach Roald Dahls beliebtem Kinderbuch „Charlie und die Schokoladenfabrik“, in unseren Kinos.

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Der Film behandelt die Vorgeschichte der exzentrischen Willy-Wonka-Figur aus Dahls Kinderbuch und erzählt als beschwingtes und farbenprächtiges Musical von den Träumen und Anfängen des 25-jährigen Wonka, gespielt von „Dune“-Star Timothée Chalamet und zahlreichen prominenten britischen Schauspielern. 

Die Vorgeschichte zu „Charlie und die Schokoladenfabrik“

Bereits zwei Kinofilme widmeten sich dem schrillen Schokoladenfabrikanten: Sein Leinwanddebüt feierte Willy Wonka im Jahr 1971 in dem Musical „Charlie und die Schokoladenfabrik“ mit Gene Wilder als verrücktem Wonka-Charakter. 2005 folgte ein Remake, indem schließlich Johnny Depp unter der Regie von Tim Burton in die Rolle von Wonka schlüpfte und ihm eine neurotische und zynische Note verlieh. Das Prequel von Paul King geht nun wiederum gänzlich andere Wege, sodass man dem Film problemlos folgen kann, ohne die anderen Filme gesehen zu haben. Denn der Film nimmt sich große Freiheiten heraus und wirft vieles von dem zugrundeliegenden Kinderbuchklassiker über Bord. 

„Wonka“ dreht den Spieß um, denn dem jungen und gutgläubigen Willy Wonka liegt jeglicher Zynismus fern. Er hat vielmehr, wie sein „Paddington“-Bruder im Geiste, das Herz am rechten Fleck und liebt die Welt und die Menschen auf kindliche und unschuldige Art und Weise. Mit staunenden Augen und einem großen Herzen singt und tanzt er sich durch das visuell prachtvolle Musical.

Es fällt positiv auf: „Wonka“ wirkt wie ein Film aus einer anderen Ära, voller Naivität, Leichtigkeit und Schönheit. Zwar liegt ihm eine traurige Waisenkindergeschichte zugrunde, doch diese dient nur dazu uns zu erzählen, dass Wonkas Wunsch, die Welt mit Schokolade zu beglücken und anderen Menschen Gutes zu tun, von seiner früh verstorbenen Mutter (Sally Hawkins) herrührt, die ihm die Liebe für Schokolade in die Wiege gelegt hat. 

Böse Buben machen Willy Wonka das Leben schwer

Und so trifft, der ebenso charmante wie liebenswürdige Lebenskünstler, Zauberer, Erfinder, Schokoladenmacher und Süßwarenverkäufer zu Beginn des Films voller Begeisterung in einer fremden Stadt ein. Von hier aus will er alle Menschen mit seinen köstlichen und wundersamen Schokoladen-Kreationen aus aller Welt verzaubern. Hier glaubt er endlich nach sieben Lehrjahren den perfekten Standort für seinen ersten Schokoladenladen gefunden zu haben.

Als naiver und optimistischer „Gutmensch“ gerät er jedoch schnell ins Visier eines Kartells von drei hinterhältigen Schokoladenfabrikanten, bestehend aus Slugworth (Paterson Joseph), Prodnose (Matt Lucas) und Fickelgruber (Mathew Baynton). Diese wollen sich der gefährlichen Konkurrenz mit unfairen Mitteln entledigen, denn die Gierigen sollen stets über die Bedürftigen herrschen und das soll auch so bleiben. 

Um ihre Marktmacht zu sichern, scheut das Trio sogar nicht davor zurück den örtlichen Polizeichef (Keegan-Michael Key) zu bestechen, der ihnen als unverbesserliche Naschkatze buchstäblich aus der Hand frisst. Zudem fällt der mittellose und verträumte Wonka direkt nach seiner Ankunft in die Hände der ausbeuterischen Wäschereibesitzerin Mrs. Scrubbit (Olivia Colman) und ihrem Gehilfen Bleacher (Tom Davis). Wonka muss bei ihr als Lohnsklave Schulden abarbeiten, in die sie ihn durch einen dreisten Trick getrieben hat.

Doch er hört nicht auf, daran zu glauben, dass sein Traum von einer eigenen Schokoladenfabrik, die Menschen glücklich macht, wahr werden kann und so setzt er alles daran, wieder aus dem Frondienst frei zu kommen. Mit viel kreativem Einfallsreichtum und unermüdlicher Herzensgüte macht er sich schließlich einen Plan. Das Waisenmädchen  Noodle (Calah Lane), der snobistische  Oompa Loompa Lofty (Hugh Grant) und weitere Komplizen kommen ihm dabei zur Hilfe.

Timothée Chalamet und Hugh Grant glänzen in ihren Rollen

Chalamet erweist sich als fähiger Tänzer und Sänger, der leichtfüßig steppt und mit kindlichem Pathos und mit viel Witz und Charme in den komödiantischen Passagen zu glänzen vermag. Der wahre Star des Films ist jedoch Hugh Grant als durchtriebener 20 Zentimeter großer Oompa Loompa: Ähnlich wie schon in „Paddington 2“ und „Dungeons & Dragons“ hat er sichtlich Spaß an seiner grimmigen Rolle, die zwar relativ klein ist, dafür aber durch jeden winzigen Auftritt den Film nachhaltig und köstlich aufwertet. 

Ein echter Glücksgriff für „Wonka“ ist aber auch Rowan Atkinson, besser bekannt als Mr. Bean, der nach „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ und „Mord im Pfarrhaus“, erneut einen anglikanischen Geistlichen spielen darf, der mit seinen Schokoholiker-Mönchen mit dem Schokoladenkartell gemeinsame Sache macht und unter seiner Kathedrale eine geheime Kommandozentrale zu konspirativen Zwecken eingerichtet hat. Dabei darf der Beichtstuhl in der Kirche auch schon mal als Aufzug in die Unterwelt zweckentfremdet werden. 

Höre nie auf, zu träumen und an das Gute zu glauben

Was Choreografie und Musik anbetrifft, wartet „Wonka“ mit sechs eigens komponierten Songs auf, die von King spektakulär als wahre Augenweide inszeniert und von Hauptdarsteller Chalamet und den anderen Darstellern lebhaft und einfallsreich interpretiert werden. Chalamet präsentiert den Song „Pure Imagination“ zwar nicht so melancholisch wie einst Gene Wilder, legt aber dafür umso mehr jugendliche Hoffnung in seinen Gesang hinein. Und auch der eingängige und lustige Oompa-Loompa-Gesang bleibt lange im Ohr hängen. 

„Wonka“ ist ein leichtfüßiger und warmherziger Wohlfühlfilm für Jung und Alt. Ein Festschmaus für die ganze Familie. Er ist audiovisuell beeindruckend und ein Paradebeispiel für gelungenen cineastischen Eskapismus. Vor allem aber will er uns zwei Wahrheiten mit auf den Weg geben: Hör nie auf, an Träume und an das Gute zu glauben – denn alles Gute auf dieser Welt, hat immer mit einem Traum begonnen. Und bedenke stets: Nicht die Schokolade ist wichtig, sondern die Menschen, mit denen du sie teilst.

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