Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Sehenswert, weil künstlerisch wertvoll

Tipps für ein Film-Wochenende im Januar

Erst die Golden Globes, dann die Oscars: Diese Filmempfehlungen der Redaktion sind künstlerisch wertvolle Produktionen und lohnen eine nähere inhaltliche Auseinandersetzung.
Rezi „September 5" Garcia
Foto: IMAGO/Jürgen Olczyk (www.imago-images.de) | Eigentlich wollten sie über Sport berichten: Der Film „September 5" rekapituliert den Münchener Olympia-Terror von 1972.

September 5 – The Day Terror went live (USA 2024, Regie: Tim Fehlbaum, 95 Min.)

Das Münchner Olympia-Attentat vom September 1972 aus der Sicht eines US-Fernsehteams. Der Film ist in erster Linie eine Hommage an den Journalismus, wirft aber auch ethische Fragen im Zusammenhang mit der Berichterstattung von Terroranschlägen auf.

A Real Pain (USA 2024, Regie: Jesse Eisenberg, 90 Min.)

Zwei Cousins, die als Kinder unzertrennlich waren und sich inzwischen entfremdet haben, nehmen an einer „Heritage Tour“ in Polen teil, die ihre verstorbene Großmutter, eine polnische Jüdin und Holocaust-Überlebende, finanziert. Ein sensibler und intelligent inszenierter Film, der sich mit der Bewältigung seelischer Wunden und innerer Abgründe auseinandersetzt.

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Die Wärterin (Dänemark 2024, Regie: Gustav Möller, 100 Min.)

Eine Gefängniswärterin, die ihren Job mit Professionalität und kühler Distanz verrichtet, verändert sich, als ein neuer Häftling in den Hochsicherheitsbereich verlegt wird. Eine vielschichtige Geschichte, die weit über das klassische Gefängnisdrama hinausgeht und eine psychologische Studie in einem klaustrophobischen Ambiente bietet.

Heldin (Schweiz-Deutschland 2025, Regie: Petra Biondina Volpe, 92 Min.)

Eine Spätschicht im Leben einer jungen Pflegerin in einem großen Schweizer Kantonsspital, die sich mit großem Engagement ihren Patienten widmet – und mit der harten Realität eines unberechenbaren Alltags konfrontiert wird. Eine präzise Inszenierung ohne Beschönigung, die aber stets das Menschliche im Blick behält – eine Hommage an den Pflegeberuf.

Flow (Lettland 2024, Regie: Gints Zilbalodis, 85 Min.)

Der dialoglose Animationsfilm, der 2025 den Oscar als bester Animationsfilm gewann, erzählt von einer Katze, die von einer gewaltigen Flut überrascht wird, die die Welt unter Wasser setzt. Auf einem Segelboot trifft sie auf andere Tiere – ein vielschichtiges Universum, in dem jede Figur eine unverwechselbare Persönlichkeit hat. Starke visuelle Kontraste prägen die eindrucksvolle Bildsprache.

Die Gesandte des Papstes (USA 2024, Regie: Alejandro Monteverde, 142 Min.)

Francesca Cabrini (1850–1917) stammte zwar aus Italien, aber die Gründerin der Missionarinnen vom Heiligsten Herzen Jesu wurde durch ihre soziale Arbeit in den Slums New Yorks bekannt, ehe sie in den USA 67 Einrichtungen gründete. Deshalb gilt sie als erste Heilige der Vereinigten Staaten. Die Filmbiografie sticht durch ein beeindruckendes Produktionsdesign hervor.

Miroirs No. 3 (Deutschland 2025, Regie: Christian Petzold, 86 Min.)

Nach einem Unfall wird die junge Paula in der brandenburgischen Provinz von Betty aufgenommen, die sich an ihre verstorbene Tochter erinnert fühlt. Bettys Mann und Sohn sind eher verstört. Wie in früheren Petzold-Filmen spielt die Handlung in einem fast märchenhaften Raum – einem aus der Zeit gefallenen Haus. In der entrückten Idylle entfaltet sich ein Drama um Verlust und die vergebliche Suche nach Heilung.

The Negotiator (USA 2024, Regie: David Mackenzie, 112 Min.)

Ash vermittelt zwischen Whistleblowern und deren (ehemaligen) Unternehmen. Dafür setzt er raffinierte Tricks ein, um anonym zu bleiben, und seinen Verfolgern zu entkommen – bis er sich persönlich involviert fühlt, und seine Präzision verliert. Ein Thriller über moralische Grauzonen und ausgeklügelte Taktiken, aber auch mit Hollywood-Klischees.

Das Geheimnis des Velázquez (Frankreich 2025, Regie: Stéphane Sorlat, 90 Min.) 

In seinem Dokumentarfilm liefert Sorlat keine gängige Künstlerbiografie. Stattdessen beschäftigt er sich mit der stillen Metaphysik des Pinsels und der subtilen Kraft der Bilder von Diego Velázquez. Sorlat führt den Zuschauer durch Jahrhunderte europäischer Kunstgeschichte. Historiker, Antiquitätenhändler, Restauratoren und zeitgenössische Künstler fügen ihre Perspektiven hinzu.

Lolita lesen in Teheran (Iran 2024, Regie: Eran Riklis, 108 Min.)

Die wahre Geschichte einer Literaturprofessorin, die sich im Iran der 1980er Jahre mit stiller Entschlossenheit für geistige Freiheit einsetzt – als zurückhaltend inszeniertes, dabei tief bewegendes Filmdrama. Ohne je pathetisch zu geraten, zeichnet Riklis das Porträt jener Frauen, die im revolutionären Iran um einen Freiraum für intellektuelles Leben ringen.

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