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Mit Scorsese und Coppola in den Filmolymp: Robert De Niro wird 80

Unvergessliche Rollen, zahlreiche Klassiker: Die oscarprämierte New Yorker Filmlegende dürfte der bedeutendste US-Charakterdarsteller der vergangenen Jahrzehnte sein.
Robert DeNiro
Foto: IMAGO/Alberto Terenghi/Pool Photo Even (www.imago-images.de) | Der genau vor 80 Jahren am 17. August 1943 in Manhattan, New York City, geborene De Niro entschied sich mit 16 Jahren dazu, die High School zu schmeißen und hauptberuflich Schauspieler zu werden.

„Der Pate - Teil 2“, „Taxi Driver“, „Wie ein wilder Stier“, „Es war einmal in Amerika“, „Goodfellas“ und und und…: Wer einen Blick auf die Filmografie von Robert Anthony De Niro Jr. wirft, dem springt nicht nur die unglaubliche Klassikerdichte ins Auge, die sich in De Niros Karriereportfolio angehäuft hat - sondern wird auch nicht um die Erkenntnis herumkommen, dass es oftmals De Niros ikonische schauspielerische Leistungen gewesen sind, die seine Filme erst zu dem gemacht haben, was diese in den Augen zahlreicher Filmkritiker und Kinofreunde sind.

Der größte US-Charakterdarsteller seit Marlon Brando

Der genau vor 80 Jahren am 17. August 1943 in Manhattan, New York City, geborene De Niro wuchs in einer Künstlerfamilie auf, in der nicht nur Autoren wie Tennessee Williams, Henry Miller und Anaïs Nin ein- und ausgingen, sondern die ihm auch keine Steine in den Weg legte, als er sich mit 16 Jahren dazu entschied, die High School zu schmeißen und hauptberuflich Schauspieler zu werden. Seine damaligen Vorbilder: Marlon Brando, Montgomery Clift und Robert Mitchum – jene Rebellen und begnadeten Schauspieler, die, beeinflusst durch das von Lee Strasberg  und Stella Adler (De Niros Schauspiellehrerin) verfochtene „Method Acting“, in den 1950er- und 1960er-Jahren einen neuen Ton in der Schauspielkunst anschlugen.

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Neben Off-Broadway-Stücken und Rollen in kleineren experimentellen Filmen waren es schließlich zwei Regisseure, die De Niros Karriere entscheidend voranbrachten. Der eine war Martin Scorsese: Zwischen Scorsese und De Niro – die erstmals bei dem von Kritik und Publikum gleichermaßen gelobten „Hexenkessel“ (1973) zusammenarbeiteten – entwickelte sich eine nunmehr über fünf Jahrzehnte währende Partnerschaft, aus der heraus sich im Laufe der Jahre Filmerfolge wie „Taxi Driver (1976), „Wie ein wilder Stier“ (1980), „Goodfellas“ (1990), „Kap der Angst“ (1991) oder „Casino“ (1995) entwickeln sollten. Zuletzt spielte De Niro unter der Regie des italoamerikanischen Meisterregisseurs im Netflix-Film „The Irishman“ (2019) – im Herbst kommt die von Apple TV+ auf den Weg gebrachte, mittlerweile zehnte Kollaboration zwischen De Niro und Scorsese, „Killers of the Flower Moon“, in die Kinos.

Der andere bedeutende Regisseur war Francis Ford Coppola, der De Niro, nachdem er ihn in „Hexenkessel“ gesehen hatte, in der Fortsetzung seines Meisterwerks „Der Pate“ in Nachfolge von Marlon Brando als jungen Vito Corleone besetzte. Eigentlich eine Hauptrolle – dennoch wurde De Niro für den Oscar für die beste Nebenrolle nominiert, den er dann auch gewann. Seinen zweiten und bislang letzten Oscar erhielt er 1981 für seine Rolle als alternder Boxer Jake LaMotta (1922-2017) in Martin Scorseses Biopic „Wie ein wilder Stier“, die vielen Kritikern als eine schauspielerische Jahrhundertleistung und Inbegriff des „Method Acting“ (De Niro nahm für seine Rolle 30 Kilo zu und lernte auf Profiniveau zu boxen) gilt. Insgesamt wurde De Niro bislang sieben Mal für den begehrtesten Filmpreis der Welt nominiert – zuletzt für die 2012 erschienene Komödie „Silver Linings“ mit Jennifer Lawrence und Bradley Cooper. 

Eine Ikone der Film- und Popkultur

Im Laufe der Jahrzehnte arbeitete De Niro mit einigen der wichtigsten Regisseuren der Welt zusammen, wie beispielsweise Bernardo Bertolucci („1900“, 1976), Sergio Leone („Es war einmal in Amerika“, 1984), Terry Gilliam („Brazil“, 1985), Michael Mann („Heat“, 1995) oder auch Quentin Tarantino („Jackie Brown“, 1997) – bei den Filmen „A Bronx Tale“ (1993) und „The Good Shepherd“ (2006) führte er zudem selbst Regie. 

Nicht immer hatte er in den vergangenen Jahrzehnten eine glückliche Hand bei der Auswahl seiner Filmrollen – doch weder seiner grundsätzlichen Reputation noch sicherlich seinem Bankkonto konnten Filme wie „Dirty Grandpa“ (2015) oder das Komödienfranchise „Meine Braut, ihr Vater und ich“ (2000 bis 2010) etwas anhaben. Dafür machte er sich beispielsweise mit der Gründung des Tribeca Filmfestivals im Jahr 2002 um seine Heimatstadt New York verdient, als diese nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 praktisch darnieder lag.

Man darf gespannt sein, wie De Niro, Vater von sieben Kindern (das jüngste kam erst im Mai dieses Jahres zur Welt) und zweimal verheiratet, seinen heutigen Ehrentag begeht. Möglicherweise bereitet ihm ja die Popband Bananarama mit ihrem 80er-Klassiker „Robert De Niro‘s Waiting“ ein Ständchen.

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