Prequels, Sequels und Spin-off-Fieber: Ist „Der Teufel trägt Prada 2“ als späte Fortsetzung des Mode-Kultfilms von 2006 ein nostalgischer Höllentrip oder doch erneut ein himmlisches Highclass-Comedy-Vergnügen? Vor zwanzig Jahren spielte Anne Hathaway die naive junge Journalistin Andy Sachs, die zur neuen Assistentin der gefürchteten Chefredakteurin Miranda Priestley (Meryl Streep) wurde. Andys größte Konkurrentin war die übereifrige Emily Charlton (Emily Blunt), und Stanley Tucci vermittelte als Art Director Nigel Kipling zwischen den Fronten. Zwanzig Jahre später ist die legendäre Originalbesetzung zurück – ebenso Regisseur David Frankel und Drehbuchautorin Aline Brosh McKenna. Neu hinzugekommen sind Kenneth Branagh, Justin Theroux und Lucy Liu in Nebenrollen sowie Cameo-Auftritte von Lady Gaga, Heidi Klum und weiteren Ikonen der Fashionbranche.
Neue digitale Welt
Während Andy sich nach den Ereignissen des ersten Teils aus der Modebranche zurückgezogen hat und als erfolgreiche Journalistin arbeitet, kämpft Miranda mit den Herausforderungen der digitalen Welt und dem Rückgang der Printmedien. Als Andys gesamte Abteilung aufgelöst wird, heuert der Verlagsinhaber sie erneut als Assistentin von Miranda an – diesmal, um nach einem Social-Media-Skandal die Wogen zu glätten und das angeschlagene Image des Runway-Magazins zu retten. Zudem soll Emily als Investorin gewonnen werden. Als sich die Wege der drei Frauen wieder kreuzen, geraten alte Dynamiken und neue Konflikte in Bewegung.
Der Film führt zurück in die Mode-Hotspots von New York und zur Fashion Week in Mailand – inklusive eines luxuriösen Dinners vor Leonardo da Vincis berühmtem Wandgemälde des Abendmahls im Refektorium des Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie. Dabei versucht er nicht bloß, das Original zu kopieren, sondern geht erzählerisch neue, kritische Wege. Die Medienwelt hat sich durch Smartphones und soziale Medien grundlegend verändert, KI verdrängt Berufsfelder, und der Printjournalismus kämpft ums Überleben. Nicht umsonst hallt der an „Black Lives Matter“ erinnernde Ruf „Journalism Matters!“ bereits in den ersten Minuten durch den Kinosaal und gibt dem Film seinen gesellschaftskritischen Grundton. Die Figuren stehen an anderen Punkten in ihrem Leben als im ersten Teil und müssen sich sowohl karrieretechnisch wie privat neuen, existenziellen Herausforderungen stellen.
Vollgestopft mit Anspielungen
Die großen Modehäuser haben wieder atemberaubende Kostüme und Kreationen beigesteuert, an denen man sich kaum sattsehen kann. Das Ensemble harmoniert sichtlich, spielt mit spürbarer Freude an der Reunion und ist erneut perfekt aufeinander eingespielt. Besonders schön ist zu beobachten, wie Meryl Streep ihre Drachen-Rolle als Miranda Priestley weiterentwickeln darf: Die eiskalte Chefredakteurin zeigt diesmal nicht nur ihre Krallen, sondern auch eine verletzliche Seite.
Was man der Fortsetzung negativ ankreiden könnte: Sie ist stellenweise zu vollgestopft mit Anspielungen, alten und neuen Figuren sowie zu vielen Handlungssträngen, was den Film unnötig in die Länge zieht. Doch was man ihr definitiv zugutehalten muss: Sie kopiert ihren Vorgänger nicht einfach, sondern bietet bei aller Oberflächlichkeit der glamourösen Modewelt auch echte Substanz. Ihre stärksten Momente hat sie genau dort, wo sie als charmanter Unterhaltungsfilm mit Wohlfühlfaktor gesellschaftskritische Töne anschlägt – und Konzerne anklagt, die Jobs streichen, Inhalte kürzen und auf KI setzen statt auf Menschen.
„Der Teufel trägt Prada 2“, USA 2026, 119 Minuten. Regie: David Frankel. Seit dem 29. April im Kino.
Der Autor ist Priester im Erzbistum Köln.
Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.









