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„Transzendentale Verarmung der Gegenwart“

Wiener Arzt, Theologe und Bestsellerautor Johannes Huber in Heiligenkreuz mit dem „Thomas-Morus-Preis“ geehrt.
Johannes Huber
Foto: JH | Der Theologe und Mediziner Professor Johannes Huber war von 1992 bis 2011 Leiter der klinischen Abteilung für gynäkologische Endokrinologie im Wiener Allgemeinen Krankenhaus.

Der bekannte Wiener Arzt und Theologe Johannes Huber (80) ist am Freitagabend in Stift Heiligenkreuz für sein „mutiges wissenschaftliches Engagement“ mit dem Thomas-Morus-Preis ausgezeichnet worden. Der Preis wird vom „Alten Orden vom St. Georg“ an Personen vergeben, „die im öffentlichen Leben kompromisslos ihr Bekenntnis zur christlichen Werteordnung bezeugt haben und ihrem christlichen Gewissen gefolgt sind“. Huber betonte in seiner Dankesrede, dass Glaube und Wissenschaft einander nicht ausschließen, sondern bedingen. Er diagnostizierte eine „gewaltige transzendentale Verarmung der Gegenwart“ und die Erhebung des Konsums zum Maß aller Dinge.

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Huber verwies in diesem Zusammenhang auf den deutschen Philosophen Jürgen Habermas, der in einem seiner letzten Interviews vor einem „Wellness-Christentum“ gewarnt hatte, das die große Erzählung von Tod und Auferstehung „hinausetikettiere“. Der deutsche Philosoph Peter Sloterdijk habe betont, dass es ein großer Fehler wäre, „wenn die christliche Urbotschaft des Exilcharakters unseres Lebens allein in Charity umgemünzt würde“. Laut Huber geht es um die „intellektuelle Redlichkeit der Jenseitigkeit“. An dieser Front stellt sich für den Mediziner und Theologen die große Auseinandersetzung der Gegenwart dar, „denn man wehrt sich, zu dieser Grundfrage auch die Wissenschaft zuzulassen“. Es sei aber ein Alleinstellungsmerkmal des christlichen Glaubens, den Kontakt mit der Wissenschaft und mit der Vernunft zu suchen.

Der Glaube schreit nach Aufklärung

Als Laudator sagte der Arzt, Priester und Moraltheologe Matthias Beck, Huber stehe für einen christlichen Glauben, der reflektiert wird mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen. „Der christliche Glaube schreit geradezu nach Aufklärung, Erkenntnis und Reflexion.“ Huber habe sich diesbezüglich große Verdienste erworben, so Beck. Dies liege auch ganz auf der Linie von Papst Leo XIV., der immer wieder zum Dialog mit den Wissenschaften aufrufe.

Der 1946 geborene Johannes Huber studierte in Wien Theologie und Medizin und war von 1973 bis 1983 Sekretär des damaligen Wiener Erzbischofs, Kardinal Franz König. 1985 habilitierte er an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien und war von 1992 bis 2011 Leiter der klinischen Abteilung für gynäkologische Endokrinologie im Wiener AKH. Zu seinen wissenschaftlichen Schwerpunkten gehören die Frauen- und Altersforschung. Bis 2007 leitete er die Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt.  DT/KAP

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