Elke Sommer, die jetzt mit 86 Jahren kurz nach dem Tod ihres Ehemanns in Kalifornien starb, war ein Weltstar. Sie gehörte zu den wenigen deutschen Schauspielerinnen, die das Fräuleinwunder der Nachkriegszeit in eine Künstlerpersönlichkeit übersetzten, die mehr war als billiges GI-Klischee. Die Filme, in denen sie zu sehen war, erhielten durch ihren Auftritt einen natürlichen Glanz, keinen Hollywood-Glamour. Es war diese unmittelbare Natürlichkeit, die sie sich bis ganz zum Schluss bewahrt hatte. Unprätentiös und bescheiden pflegte sie keinen Starkult. Auf der Theaterbühne stellte sie nach den großen Jahren des Films unter Beweis, dass sie auch im Kammerspiel überzeugen konnte, nicht nur vor der verklärenden Kamera mit den Kulissen einer falschen Welt im Hintergrund.
Elke Sommer hatte Humor – und ein freches Mundwerk. Als ich sie 1989 im Beerenwein-Ort Marloffstein bei Erlangen zum Interview traf, wo wir für den Frankensender „Radio Gong Nürnberg“ über ihr gerade erschienenes Buch „Unter uns Pfarrerstöchtern – oder?“ plaudern wollten, stellte sie mein Fränkisch auf die Probe. Als Münsterländer hatte ich gerade im „Bratwursthäusle“ vom Kult-Wirt Behringer einen entsprechenden Sprachkurs absolviert – mit bescheidenen Ergebnissen. Elke Sommer brachte mir bei, dass ich für ein Nürnberger „L“ wie in „Elke“ die Zunge etwas nach vorn schieben musste. Ich kenne kaum jemanden, der ein ähnlich reines Hochdeutsch, ein perfektes amerikanisches Englisch und ein ausgesprochen bodenständiges, bei Bedarf auch ordinäres Fränkisch so selbstverständlich über die Lippen bekam. Nach dem Interview konnte ich „Elke“ wie ein Nürnberger Turmwächter aussprechen. Das Interview hatte mein Journalistenkollege Leo Loy vom Nürnberger Abendblatt/8Uhr-Blatt vermittelt. Er war mit ihr und ihrem Lebensgefährten und dann auch Ehemann, dem Gastronomen Wolf Walther, befreundet. Aber auch die christliche Fernsehzeitung „Gong“ im Hintergrund des Radiosenders und meine freie Mitarbeit bei der „Tagespost“ verschafften mir das Entrée in die private Umgebung.

Der Glaube blieb ihr erhalten
Ihre fränkische Kindheit als Pfarrerstochter beschrieb sie als glücklich, wie die meisten Deutschen wuchs sie, 1940 in Berlin geboren, in materiell sehr bescheidenen Verhältnissen auf. Zu ihrer Mutter, die damals noch lebte, pflegte sie ein inniges Verhältnis. Keineswegs hatte die Mutter sie zu einer Filmkarriere gedrängt. Vielmehr wurde sie bei einem Italien-Urlaub in der Toskana zur „Miss Viareggio“ gewählt – und 1959 für den Film entdeckt. Elke Sommer ließ sich von Hollywood und seinem Starrummel nicht blenden. Vielmehr beeindruckten sie Begegnungen mit Persönlichkeiten der Zeitgeschichte. Englands Königin Elisabeth oder der Schah von Persien hinterließen einen nachhaltigen Eindruck. Die Ehe mit dem amerikanischen Journalisten Joe Hyams und ihre spätere Beziehung zu Tom Bohla: Das Privatleben nahm neben ihrer Karriere immer einen wichtigen Platz ein. Spät entdeckte sie die Malerei – und brachte es zu beachtlichen Werken, die jedoch ohne ihre Prominenz nur schwer Aufmerksamkeit gefunden hätten. Ihre Beziehungen blieben kinderlos – mit Empathie und medialer Begleitung widmete sie sich dem Schicksal gequälter Tiere und setzte sich aktiv für den Tierschutz ein.
Obwohl ihr Vater, der evangelische Pfarrer Peter Schletz, sie nie zu einer gelebten Glaubenspraxis drängte, blieb sie aus sich heraus dem christlichen Glauben treu. Sie war eine Betende und empfand das Leben als Geschenk, als Gnade. So seien ihre Gebete im Alter immer Danksagungen gewesen – für das ihr zuteil gewordene Leben. Will man sich heute noch einen Eindruck von ihrer Schauspielkunst verschaffen, so seien zwei Filme empfohlen: „The Prize“ mit Paul Newman und Edward G. Robinson, hier erhielt sie einen Golden Globe als beste Nachwuchsdarstellerin. Die andere Empfehlung: „Lisa und der Teufel“, ein Horror-Kultfilm mit Mario Bava.
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