Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Feuilleton

Chemnitz: Das Versagen der Medien

Was in den letzten Tagen und Wochen in Chemnitz geschah, hat die Fliehkräfte der fragmentierten deutschen Gegenwartsgesellschaft deutlich gezeigt. Doch am Ende sind sich fast alle einig: die Medien haben versagt.
Chemnitz: Medienskandal: Wenn Bilder lügen
Foto: Ralf Hirschberger (dpa) | Die Medien haben in ihrer Berichterstattung über die Ereignisse in der sächsischen Stadt total versagt.

Die Ereignisse von Chemnitz wurden sehr bald zu einem medienethischen Thema. Dass von rechts der Vorwurf der „Lügenpresse“ kommt, sollte dabei nicht verwundern, schließlich ist das eines der zentralen Narrative vordergründiger Kulturkritik, mit dem um die Gunst der Wähler geworben wird. Sie sollen sich betrogen fühlen, vom „bösen System“ in die Irre geführt. Und die Rechte bietet sich sogleich als rettendes Ufer an, das der Bürger bloß erreichen muss, wenn er in der Flut angeblicher Desinformation zu ertrinken droht.

Medienskandal: Wenn Bilder lügen

Tatsächlich gab es Aspekte in der öffentlich-rechtlichen Berichterstattung zu Chemnitz, die als Wasser auf die ohnehin rotierenden Mühlen der Medienkritiker von rechts gelten müssen. Da wird in den „Tagesthemen“ über eine AfD-Demonstration berichtet und in den Bericht werden Bilder einer anderen, gewalttätigen Demonstration eingestreut. Dass es sich um ein Versehen handelt, mag man hinnehmen – auch bei Journalisten gilt es, zunächst die wohlwollendste aller Erklärungsvarianten anzusetzen –, doch handelt es sich um eine peinliche Fehlleistung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

"Hetzjagd": Wenn Formulierungen Fronten schaffen

Und dann war da noch die Sache mit der „Hetzjagd“, die Steffen Seibert in seiner Eigenschaft als Regierungssprecher ins Spiel brachte. Dagegen hat sich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer verwahrt. Es gab keinen Mob, es gab keine Hetzjagden, es gab keine Pogrome. Es sollten nicht diejenigen Menschen „an den Pranger“ gestellt werden, die aus Wut über das Tätungsdelikt in Chemnitz auf die Straße gegangen seien. „Die sind nicht rechtsextrem“, so der Landesvater Sachsens in einer offiziellen Erklärung der Staatsregierung.

DT

Was die Regionale Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie Sachsen e.V. (RAA) von  Kretschmers Äußerungen hält und was Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, zu Chemnitz meint und warum die linke „TAZ“ die feministische „Emma“ kritisiert, erfahren Sie in der Analyse von Josef Bordat, die Sie in der „Tagespost“ vom 13. September 2018 lesen können.

Themen & Autoren
Steffen Seibert

Weitere Artikel

Die Wahrscheinlichkeit, dass Friedrich Merz der nächste Bundeskanzler wird, ist hoch. Wie tickt er, was bedeutet ihm der Glaube? Ein Interview mit dem Merz-Biographen Volker Resing.
23.01.2025, 07 Uhr
Sebastian Sasse
In Brandenburg, Thüringen und Sachsen mühen sich die Parteien um eine Regierungsbildung. Dabei gehen sie konsequent am Wählerwillen vorbei.
06.12.2024, 09 Uhr
Eckhard Jesse
Unerlässlich für die Demokratie? Bessere Information als die verfemte Plattform „X“ bietet der ÖRR eher nicht. Gut, dass die Beitragserhöhung erstmal ausfällt.
27.10.2024, 11 Uhr
Jakob Ranke

Kirche

Positionspapier zur Rettung der Kirchenmusik, das es in sich hat: Der Deutsche Musikrat beschämt die Kirche mit Kritik an ihrem Musikleben. Zwischenruf einer Kirchenmusikerin.
23.01.2026, 16 Uhr
Barbara Stühlmeyer
Von Favoriten bis Kompromisskandidaten für den Posten des Vorsitzenden der deutschen Bischöfe: Ein Überblick über Chancen und Profile.
22.01.2026, 16 Uhr
Dorothea Schmidt
Der Journalist Franz Herre schrieb große Biografien. Einen besonderen Blick warf er auf Konrad Adenauer. Mit fast 100 Jahren ist der Katholik nun gestorben.
23.01.2026, 11 Uhr
Sebastian Sasse
Bei einer Grönland-Invasion wäre es „moralisch akzeptabel, diesen Befehl zu verweigern“, meint der ehemalige Vorsitzende der US-Bischofskonferenz. Sein Nachfolger hält sich noch bedeckt.
21.01.2026, 10 Uhr
Meldung