Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um "5vor12"

Die Namensgebung steht auf tönernen Füßen

Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) will ihr Mitgliedermagazin umbenennen. Der Name "Junia" hat eine Tendenz. Die These dahinter steht auf tönernen Füßen.
Proteste der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd)
Foto: Synodaler Weg | Am Rande ersten Synodalversammlung des Synodalen Weges protestierten Mitglieder der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) für ihre Anliegen.

Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) will ihr Mitgliedermagazin in „Junia“ umbenennen. „Frau und Mutter“ ist für Verbandskatholikinnen nicht mehr gut genug. Man will Apostelin sein. Das ist das Mindeste. Der Name „Junia“ bezieht sich auf das 16. Kapitel Vers 7 im Römerbrief. Paulus lässt dort Grüße an Andronikus und Junias ausrichten.

Mann oder Frau

Manche Exegeten nehmen an, dass Junias eine Junia und eine Apostelin war. Diese Theorie kann vertreten werden, doch sie ist schwach. In der Kommentarliteratur werden die Argumente gegeneinander abgewogen. Für und Wider dürfen hier nebeneinander stehen. Eine eindeutige Entscheidung gibt es nicht, damit muss man leben. Frühe griechische Texte des Römerbriefes sind nicht eindeutig, weil den Großbuchstaben die Akzente und damit die grammatikalische Eindeutigkeit fehlen. Aufgrund der frühen Texte kann es kein eindeutiges Urteil geben. Zahlreiche Kirchenväter sahen Junia durchaus als Frau. Spätere Interpreten lesen Junias als Mann. Kritische Editionen griechischer Texte, wie zum Beispiel der Nestle-Aland, haben sich für die männliche Variante entschieden und führen gute Gründe ins Feld. Zahlreiche moderne Bibelübersetzungen verwenden die weibliche Variante und betonen damit die historische Existenz einer Apostelin.

Dünne These

Doch die These der Existenz einer Apostelin Junia steht auf tönernen Füßen. Die Formulierung „angesehen unter den Aposteln“, die der Römerbrief verwendet, kann in der Tat heißen, die beiden seien angesehene Apostel gewesen. Genauso gut könnten die beiden als Gläubige einen guten Ruf bei den Aposteln genossen haben. Allein aufgrund des Textbefundes kann weder das eine, noch da andere entschieden werden.

Lesen Sie auch:

Ideologische Zwecke

Da nun die kfd hinlänglich bekannt dafür ist, für die Zulassung von Frauen für alle Ämter in der Kirche zu streiten, ist klar, welcher der Thesen der Frauenverband zugeneigt ist. Man will unbedingt eine Apostelin haben, damit man endlich Priesterinnen bekommt. Dazu bedient man sich einer sehr umstrittenen These und setzt sich dem berechtigten Verdacht aus, die Heilige Schrift für eigene Zwecke ideologisch zurecht biegen zu wollen. Weder die Existenz einer Junia, noch deren Amt in der Kirche sind eindeutig belegbar. Anerkennung unter den Aposteln unserer Tage dürfte die kfd mit solchen Aktionen nicht gewinnen.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Peter Winnemöller Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands Bundesverband

Weitere Artikel

Vor 50 Jahren trat die Zweite Reform des § 218 StGB in Kraft. Mit ihr gab der Gesetzgeber die Pflicht des Staates, das Leben ungeborener Menschen zu schützen, de facto auf.
22.06.2026, 07 Uhr
Stefan Rehder
Viel Meinung, wenig Ahnung: Was von dem Positionspapier zum § 218 StGB der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands zu halten ist.
12.06.2026, 11 Uhr
Stefan Rehder

Kirche

Was zeichnet den neuen Pontifex aus? Welche Akzente setzten Leos Vorgänger mit ihren jeweils ersten Lehrschreiben? Es zeigt sich die Kontinuität.
28.06.2026, 11 Uhr
Christoph Münch
In würdigem Rahmen und bei magerer Kost ein letztes Gespräch, bevor sich die Wege trennen.
28.06.2026, 05 Uhr
Mario Monte
Intrigen, Verleumdungen und Grabenkämpfe begleiteten das Panorthodoxe Konzil, das vor zehn Jahren auf Kreta stattfand.
27.06.2026, 11 Uhr
Stephan Baier