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Wie steht Erzbischof Fernández zum Synodalen Weg?

Seit seiner Ernennung zum Präfekten des vatikanischen Dikasteriums für die Glaubenslehre hat der argentinische Erzbischof Victor Manuel Fernández (61), der Ende September zum Kardinal erhoben wird, eine ganze Reihe Interviews gegeben. Eins der Hauptthemen, die darin behandelt wurden: Der deutsche Synodale Weg. Nachfolgend eine Zusammenstellung seiner Äußerungen dazu.
Künftiger Kardinal Victor Manuel Fernández
Foto: Natacha Pisarenko (AP) | "Ich denke, es gibt berechtigte Bedenken, und ich möchte sie besser verstehen." Victor Manuel Fernandez nach einer Messe in der Kathedrale von La Plata.

Der am 18. Juli 1962 geborene Erzbischof Victor Manuel Fernández aus der argentinischen Stadt La Plata wurde am 1. Juli zum Präfekten des vatikanischen Dikasteriums für die Glaubenslehre ernannt. Bereits am 5. Juli gab er „Infovaticana“ ein erstes Interview. Als Erzbischof habe er sich wenig mit innerkirchlichen Streitfragen befasst, sagte Erzbischof Fernández, denn er habe seine Aufgabe in er Verkündigung des Evangeliums gesehen: „Ein ganzes Jahr lang habe ich jeden Tag eine Radiosendung gemacht, in der ich nur über Gott gesprochen habe“.

Die Deutschen wollten immer „die Aufmerksamkeit auf sich ziehen“. Er habe sich jedoch „mit der Weihe von Frauen oder Ähnlichem“ überhaupt nicht beschäftigt. Allerdings müsse er nun zuhören, reden und beraten. Der künftige Präfekt fügte hinzu: Diese „historische Geschichte“ werde auch „etwas Gutes hinterlassen, auch wenn es vielleicht notwendig sein wird, die Dinge zu glätten, zu präzisieren, reifen zu lassen.“ 

"Die Deutschen sind klug genug, keine Grenze zu überschreiten“

In einem am 7. Juli mit „katholisch.de“ geführten Gespräch äußerte sich der Erzbischof knapp und vorsichtig zum Synodalen Weg: „Ich interessiere mich sehr dafür, diese Forderungen besser kennenzulernen. Denn es wäre aus meiner Sicht unklug und schädlich, im Moment Bewertungen abzugeben. Schließlich habe ich 12.000 Kilometer entfernt gelebt und noch nicht mit den Verantwortlichen gesprochen.“

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Am nächsten Tag erschien ein Interview mit der spanischen Nachrichtenagentur EFE. Auf die Frage, ob die Forderungen des Synodalen Wegs zu einem „Bruch“ führen könnten, antwortete Erzbischof Fernandez: „Die Deutschen sind klug genug, keine Grenze zu überschreiten“, wenn es um die Einheit der Kirche gehe. „Andererseits haben viele von ihnen legitime Absichten und einen guten Willen.“ Er müsse sich mit dem Thema eingehender befassen.

Mit der italienischen Zeitung „La Repubblica“ sprach Víctor Manuel Fernández am 9. Juli. Auf die Frage, ob er die Kritik des Synodalen Weges teile, die die katholische Sexualmoral als „realitätsfernes Nein“ betrachte, sagte der Erzbischof: „Es besteht immer die Gefahr, die Moral in bloße Verbote zu verwandeln, und das macht sie sicher nicht attraktiv oder überzeugend. Es ist immer besser, zuerst die Schönheit des Vorschlags zu zeigen, das Ziel, das zu verwirklichende Ideal, das Festmahl, das Gott uns serviert.“

Berechtigte Bedenken, "und ich möchte sie besser verstehen"

In einem Interview mit „Rome Reports“ vom 13. Juli sagte Fernández, dass sein Ansatz für seinen Umgang mit dem Synodalen Weg darin bestehen werde, „zuzuhören, um die legitimen Absichten hinter den Vorschlägen zu verstehen und die verschiedenen alternativen Wege zu analysieren, die diesen Bedenken zumindest teilweise gerecht werden können.“

Die spanische Zeitschrift „Alfa y Omega“ fragte Erzbischof Fernández am 16. Juli: „Wie werden Sie den Dialog mit dem deutschen Synodalen Weg angehen, da frühere Versuche bereits gescheitert sind und der Prozess bereits abgeschlossen ist?“ Fernández antwortete: „Ich glaube, dass die Frage des deutschen Synodalen Weges noch nicht ganz abgeschlossen ist, solange es nicht eine Antwort für das Volk Gottes in Deutschland gibt, das mehr realen Raum für Frauen und andere Dinge fordert, denen es nicht schlecht wäre, mehr Aufmerksamkeit zu schenken.“

In einem am selben Tag veröffentlichten Interview mit der spanischen Online-Zeitung „La Gaceta de la Iberosfera“ wurde Fernández gefragt, wo er im Hinblick auf „neue theologische Herausforderungen“ mit „der deutschen Frage im Hintergrund“ seine „roten Linien“ ziehen würde. Der Erzbischof sagte dazu: „Ich denke, es gibt berechtigte Bedenken, und ich möchte sie besser verstehen. Der Versuch, ein synodales Gremium zu schaffen, das parallel zur deutschen Bischofskonferenzen agieren oder sich über die Diözesen stellen könnte, wäre nicht mit der Verfassung der Kirche vereinbar. Außerdem wissen wir, dass Franziskus keine übermäßigen Strukturen mag, und dass er sich immer dagegen gewehrt hat, dass alles zu einer kanonischen Norm wird. Vielleicht müssen sie den Geist von Franziskus noch besser verstehen. Wir alle müssen ihn besser verstehen.“

Legitime Absichten, etwa zur Rolle der Frau

Diese Äußerungen des künftigen Präfekten des Dikasteriums für die Glaubenslehre zum deutschen Synodalen Weg fasst die US-amerikanische katholische Online-Plattform „The Pillar“ in fünf Punkten zusammen: Erzbischof Fernández gebe zu, dass er nicht umfassend darüber informiert sei; er möchte den Synodalen Weg nach seinem Diensteintritt eingehend prüfen. Zweitens sei er der Meinung, dass der Synodale Weg „legitime“ Absichten vertrete, etwa in der Erweiterung der Rolle der Frau in der Kirche.

Allerdings meine er, dass die Agenda des Synodalen Weges Elemente enthalte, die im Widerspruch zum Selbstverständnis der Kirche stehen oder nicht zu einer echten Erneuerung führen würden. An vierter Stelle glaube der bisherige Erzbischof von La Plata, dass durch Zuhören er in der Lage sein könnte, zu erkennen, was in der deutschen Bewegung gut sei, und „verschiedene alternative Wege“ in Betracht zu ziehen, um die Bedenken zumindest teilweise auszuräumen. Fünftens sei der ernannte Präfekt zuversichtlich, dass die Verantwortlichen des Synodalen Wegs „klug“ genug seien, um nicht zuzulassen, dass die Kirche in Deutschland in ein Schisma gerät.

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