Der Verein ELIJAH unterstützt seit 2012 Roma-Familien im rumänischen Siebenbürgen. Gegründet von Ruth Zenkert und Pater Georg Sporschill SJ, setzt er sich für die Ärmsten ein und kämpft gegen soziale Ungerechtigkeit. Unser Sozialarbeiter Florin stellt uns immer wieder vor neue Herausforderungen, er kämpft für die Kinder. Dieser Bibelimpuls erscheint im Rahmen einer Medienkooperation zwischen der Hilfsorganisation ELIJAH und der Tagespost.
Die Männer wandten sich ab von dort und gingen auf Sodom zu. Abraham aber stand noch immer vor dem HERRN. Abraham trat näher und sagte: Willst du auch den Gerechten mit den Ruchlosen wegraffen?
Gen 18,22–23
Am Sonntagmorgen strömen viele Kinder in unseren Hof. Sie freuen sich auf die Messe, die Gemeinschaft beim Gebet und natürlich auf ein gutes Frühstück. Sogar aus den Nachbardörfern kommen sie am Sonntag zu uns. Wenn sie das Hoftor aufmachen, springen ihnen die Hunde entgegen und lassen sich streicheln. Eine fröhliche Bande füllt den Hof. Ihr Anführer ist Florin, der selber einmal ein Straßenkind war. Er genießt in den verwahrlosten Roma-Siedlungen das größte Vertrauen. Florin ist sehr eigenwillig, aber vielleicht hier doch der wirkungsvollste Sozialarbeiter.
Aus der Horde kommt ein großer, dicker Bub auf mich zu und begrüßt mich: „Kennsu misch? Isch bin David.“ Klingt hessisch, dann aber setzt er auf Rumänisch fort. Er war zwei Jahre alt, als er mit seiner Mutter und dem Bruder aus Rumänien nach Deutschland ging. Der Vater blieb hier, er saß im Rollstuhl und ist inzwischen gestorben. Die Mutter hatte Probleme in Deutschland, deshalb seien sie zurückgekommen. Aber vor einigen Tagen ist die Mutter wieder weggefahren, ohne die Kinder.
Die sind beim Onkel Zabar geblieben. Aber der hat in seiner Hütte weder Platz noch Geld, um sie zu versorgen. David irrt von einem Haus zum anderen. Die Mutter wird nicht mehr kommen, klagt er. Er weiß nicht, wo sie ist. „Warst du in Deutschland in der Schule, wie gut kannst du Deutsch?“, frage ich ihn. Insgesamt war er zwei Jahre in der Schule, aber er habe keine Zeugnisse. Deutsch kann er nur ein paar Brocken. Da mischt sich Florin ein. Er legt die Hand auf die Schulter seines neuen Schützlings und befiehlt fast herrisch: „Wir müssen unserem Freund David helfen.“ Er habe nichts anzuziehen, nicht einmal anständige Schuhe. Florin hat ihm seine eigenen gegeben. Und er ließ ihn bei sich duschen und schenkte ihm ein sauberes Hemd.
Aber wie machen wir weiter? David hat nichts zu essen, keinen Platz, wo er bleiben kann. Er muss unbedingt in die Schule gehen. Florin kommt mit Forderungen und Ideen. Pater Georg soll ihm Schuhe geben, die beiden haben dieselbe Größe. Und vielleicht Socken dazu. Schließlich könne David nichts dafür, dass er keine Eltern mehr hat. Florin bietet an, ihn jeden Tag ins Sozialzentrum zu bringen, damit er dort etwas zu essen bekommt und die Schulaufgaben machen kann.
Miteinander werden wir eine Familie suchen, die unseren neuen Schützling aufnimmt. Die Kosten für den Unterhalt müssen wir übernehmen.
Wie so oft hat mir Florin eine neue Aufgabe gegeben. Ihn interessiert nicht, ob wir überfordert sind oder nicht. Er kämpft für die Kinder, bei Gott und den Menschen. Seine Intensität lässt mich an Abraham denken. Im Blick auf Not und auf die kommende Gefahr ließ er sich nicht abschütteln, er „stand noch immer vor dem HERRN. Abraham trat näher und sagte: Willst du auch den Gerechten mit den Ruchlosen wegraffen?“ Auf ähnliche Weise kämpft Florin dieses Mal für den unschuldigen David. Dass er so dick sei, hänge mit seinem Unglück zusammen. „Kummerspeck“, erklärt der Freund.
Für wen stehst du auf? Wer ist der Schützling, für den du dich einsetzt?
BIMAILs sind Bibelworte für unsere Zeit: keine Predigten, sondern Anleitungen zum Weiterdenken. Das Team um Pater Georg Sporschill SJ greift für jede Woche im Jahr einen Satz aus der Bibel heraus. Das Wort wird erklärt und durch Erfahrung veranschaulicht, beispielweise durch Einblicke in die Sozialarbeit des Vereins ELIJAH, mit dem Ruth Zenkert und Pater Georg Sporschill SJ seit 2012 verwahrloste Roma-Kinder und ihre Familien im rumänischen Siebenbürgen unterstützen. Den Namen hat der Verein vom Propheten Elijah erhalten, er setzte sich für die Ärmsten ein und trat gegen Ungerechtigkeit auf.
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