Die Muttergottes wird mit vielen Namen angerufen. Sicher kennst du schon mehrere. Manche Namen weisen auf den Ort hin, wo Maria erschienen ist, zum Beispiel „Unsere Liebe Frau von Lourdes“. Andere zeigen, wie Maria uns helfen möchte, wie „Unsere Liebe Frau vom guten Rat“ oder „Die Knotenlöserin“. Wenn Krieg oder Streit herrscht beten wir zur „Königin des Friedens“. Das Fest Maria vom Berge Karmel ist nicht sehr bekannt und doch ist Maria in Lourdes ausgerechnet an diesem Festtag, dem 16. Juli, zum letzten Mal erschienen. Und bei der letzten Marienerscheinung in Fatima sah die Seherin Lúcia sie in einer Gestalt „ähnlich Unserer Lieben Frau vom Karmel“. Was bedeutet das?
Um es dir zu erklären, müssen wir eine lange Reise machen und dich in das Land Jesu mitnehmen, ins Heilige Land. Dort gibt es ein Gebirge, das sich am Mittelmeer auf etwa 30 Kilometer erstreckt. Es ist der Berg Karmel, wo der Prophet Elija gelebt hat. Die Landschaft ist sehr schön und du kannst von oben auf das Meer schauen. Auch findet man viele Höhlen. Vielleicht denkst du: „Ich würde gerne mit meinen Freunden in einer Höhle spielen und nach einem Schatz suchen, nach Gold oder alten Münzen!“ Ja, dieser Ort zog viele Menschen an, insbesondere europäische Kreuzfahrer, die sich dort im zwölften Jahrhundert als Einsiedler in den Höhlen niederließen. Einsiedler ziehen sich bewusst in die Einsamkeit zurück. Auch sie suchten nach einem Schatz, aber einem Schatz anderer Art: Sie suchten Gott, den man am besten in der Stille findet. Ihr Vorbild war der Prophet Elija, der im Gebet darauf wartete, Gottes Stimme zu hören.
In der Not hilft Maria immer
Diese Einsiedler bauten eine Kirche zur Ehre der Mutter Gottes und nannten sie die Kirche von Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel. Sie selber nannten sich die Brüder der seligsten Jungfrau Maria vom Berge Karmel.
Nun geht unsere Reise weiter. Wir reisen nicht nur in ein anderes Land, sondern auch durch die Zeit. Wir sind jetzt im 13. Jahrhundert. Muslime erobern das Heilige Land und die Brüder müssen nach Europa fliehen. Wir reisen mit dem Schiff zum Oberen der Brüder, zu Simon Stock, nach England. Zu dieser Zeit gab es keine Flugzeuge und die Reise dauerte mehrere Wochen! Simon hat große Sorgen: Wird sein Orden bestehen? Die Brüder sind nur wenige und dazu unerwünscht. „Warum?“, fragst du dich vielleicht. „Haben sie etwas Böses gemacht?“ Nein, gar nicht, aber zur gleichen Zeit sind zwei andere Orden entstanden: Die Franziskaner und die Dominikaner. Daher war die Befürchtung von Simon Stock: Braucht die Kirche den Karmelorden denn überhaupt noch? In dieser Not wendet er sich an seine Mutter im Himmel und betet: „Maria, ich bitte dich, schütze uns, die wir dir geweiht sind und dir dienen wollen.“ Da hilft Maria – sie lässt ihre Kinder nie im Stich. Die Tradition erzählt uns, dass Maria dem heiligen Simon Stock erscheint: Sie ist von Engeln begleitet und hält in der Hand ein Geschenk: ein Skapulier. Was ist das? Das Wort hast du vielleicht noch nie gehört! Schau dir das Bild an. Maria hat ein Stück braunen Stoff in der Hand. Eigentlich sind es zwei Stoffstücke, die durch zwei Bänder miteinander verbunden sind, sodass man es sich umhängen kann. Meistens ist auf dem einen Stück die Muttergottes mit ihrem Kind abgebildet, auf dem andern das Herz Jesu. Maria sagt Simon: „Das ist mein Geschenk für dich und deine Brüder. Wer in diesem Gewand stirbt, wird gerettet werden.“ Du kannst dir denken, dass Simon voll Freude das Geschenk annimmt. Es soll am 16. Juli 1251 geschehen sein.
Was bedeutet das Skapulier?
Das Skapulier ist klein, aber fein … Nicht nur die Mönche über ihrem Ordensgewand tragen es, denn die Muttergottes möchte es allen Gläubigen schenken. Viele Katholiken tragen es unter der Kleidung oder ersetzen es durch eine Medaille.
Die Muttergottes nimmt uns mit großer Liebe unter ihren Mantel – so wie eine Mama ihr Kind – und schützt uns vor aller Gefahr. Sie bedeckt uns mit ihrer Reinheit und Schönheit und leitet uns auf dem Weg zur Heiligkeit. Mit dem Skapulier verspricht uns Maria auch, dass wir nach dem Tod in den Himmel kommen. Wir brauchen aber nicht zu denken, dass wir uns nun nicht mehr zu bemühen brauchen! Das Skapulier hat mit Zauberei nichts zu tun. Es ist ein konkretes Zeichen unseres Vertrauens. Wir empfangen dieses Geschenk im Glauben, wie ein Kind, das der Muttergottes angehören will. Wer das Skapulier trägt, zeigt dadurch, dass er sein Leben nach dem Vorbild Marias gestalten möchte. Er will offen sein für Gott, für seinen Willen. Er weiß, dass er nicht allein auf dem Weg ist; eine liebevolle Mutter geht mit ihm und führt ihn zu Jesus. Maria ist die Pforte des Himmels.
Das Skapulier ist wirklich für alle, für die Kleinen wie für die Großen. So erklärte 2001 der heilige Papst Johannes Paulus II.: „Ich trage seit langem das Skapulier des Karmel auf meinem Herzen und erfahre ständig den Schutz der himmlischen Mutter.“ In manchen Pfarreien wie in Lahm bei Kronach wird jedes Jahr das Skapulierfest gefeiert: Erwachsene wie Jugendliche empfangen das Skapulier. Eine junge Frau, Agnes, 22 Jahre alt, die 2024 an einem Marienfestival in unserer Gemeinschaft teilgenommen hat, erzählt uns: „Ich wollte das Skapulier empfangen, um die Gegenwart Mariens in meinem Alltag zu spüren. Wenn ich zweifle, wende ich mich spontan an sie und finde Ruhe unter ihrem Mantel. Sie hat mir viel Frieden und Hoffnung geschenkt!“
Und du? Auch ohne Skapulier kannst du dich heute unter den Schutz Marias stellen. Wir haben dafür einen konkreten Vorschlag. Das Ausmalbild stellt die Muttergottes dar, die auf ihre Kinder wartet. Ihr Mantel ist sehr breit, da ist Platz genug, um dich und deine Familie oder deine Freunde drauf zu malen. Wenn du nicht so gerne malst, kannst du einfach ein Foto draufkleben oder auch deinen Namen und die deiner Lieben auf den Mantel schreiben. Nimm doch das Bild mit in die Sommerferien! Wenn du und deine Familie am Abend betet, könnt ihr es in die Gebetsecke stellen, ein „Gegrüßet seist du Maria“ beten oder das Lied „Maria, breit den Mantel aus“ singen, das wunderbar passt (GL 534). Maria freut sich über euer Gebet, sie breitet ihren Mantel über euch aus und beschützt euch zu jeder Zeit.
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