München

Scharfe Kritik an Kardinal Marx

Ein Mitglied im Unabhängigen Betroffenenbeirat in der Erzdiözese München und Freising wirft Marx eklatantes Versagen im Missbrauchsskandal vor.
Münchner Kardinal Reinhard Marx in der Kritik
Foto: Sven Hoppe (dpa POOL) | Kardinal Reinhard Marx gibt nach der Vorstellung eines Gutachtens zu Fällen von sexuellem Missbrauch im katholischen Erzbistum München und Freising ein Pressestatement.

Richard Kick, Mitglied im Unabhängigen Betroffenenbeirat in der Erzdiözese München und Freising und selbst Missbrauchsbetroffener, geht in einem offenen Brief an den Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx mit diesem hart ins Gericht. 

Glauben und Vertrauen in die Institution Kirche zerstört

„Nach unserem ersten, persönlichen Gespräch 2010 – über den jahrelangen sexuellen Missbrauch durch einen Priester in Ihrer Diözese – haben Sie meinen Glauben und das Vertrauen in die Institution Kirche durch Ihre fehlende Hirtensorge, Ihre nicht nur moralischen Versäumnisse und Ihrer Untätigkeit völlig zerstört“, schreibt Kick an den Münchner Oberhirten.

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Durch Marx‘ „verantwortungsloses ‚Nicht‘-Handeln“ sei ein des Missbrauchs überführter Priester nicht bestraft worden, sondern habe vielmehr „weiterhin seinen Weg gehen“ und 2019 „in allen Ehren als unbescholtener Priester beerdigt“ werden können.

Das am vergangenen Donnerstag veröffentlichte Gutachten zum innerkirchlichen sexuellen Missbrauch im Erzbistum München und Freising habe „zweifelsfrei bewiesen, dass systemische Ursachen und größte Verantwortungslosigkeit“ zu „unglaublichem Leid der Betroffenen und deren Familien“ geführt hätten.

Kick fordert Marx dazu auf, nunmehr seine bischöfliche Hirtenaufgabe wahrzunehmen: „Fassen Sie Ihren Mut, öffnen Sie ihr Herz und gehen Sie gehen Sie mit weit geöffneten Armen auf uns Betroffene zu.“ Und er ergänzt: „Hören Sie auf, die Verantwortung für die Schuld an den abscheulichen Verbrechen an dieser großen Zahl von Kindern, Jugendlichen und Erwachsener Schutzbefohlener anderen anzulasten.“  DT/sta

 

Lesen Sie ausführliche Hintergründe zum Münchner Missbrauchsgutachten in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

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