Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Der Fall Pell

Zweifel an Vorwürfen gegen Kardinal Pell

Australische Medien bezweifeln die Vorwürfe, die gegen Kardinal George Pell erhoben werden.
George Pell kommt zur Verhandlung im County Court in Melbourne
Foto: Erik Anderson (AAP)

Die Verurteilung von Kardinal George Pell wegen sexuellen Missbrauchs zweier Chorknaben in seiner Amtszeit als Erzbischof von Melbourne stößt in australischen Medien auch auf Kritik. Kommentatoren des Medienkonzerns News Corp kritisierten das Urteil wegen einer aus ihrer Sicht zu schwachen Beweislage.

Von Pells Unschuld überzeugt – vom Urteil überrascht

Miranda Devine vom "Daily Telegraph" und der Kolumnist der "Herald Sun", Andrew Bolt, erklärten Pell in ihren Meinungsstücken für "unschuldig" und zum "Sündenbock" für die "Sünden der Kirche". Sowohl Devine als auch Bolt haben wiederholt geschrieben, sie seien von Pells Unschuld überzeugt.

Auf Kritik stieß die Verurteilung aber auch bei dem Jesuiten und Rechtsanwalt Frank Brennan, der den Prozess streckenweise beobachtet hatte. "Mich hat das Urteil sehr überrascht", schreibt er. Seine Analyse wurde auch in eher pellkritischen katholischen Medien wie der französischen Zeitung "La Croix" und dem britischen "Tablet" veröffentlicht.

"Tatsächlich war ich am Boden zerstört. Meine einzige Schlussfolgerung ist die, dass die Jury viele der von Pells Anwalt vorgebrachten eindrucksvollen Kritiken der Aussagen des Klägers ignoriert haben." Den vom einzigen Zeugen vorgebrachten mutmaßlichen Tathergang nannte Brennan widersprüchlich.

Weitere australische Medien kritisieren die Verurteilung

Auch andere, als liberal geltende australische Medien kommentierten die Verurteilung des ehemaligen vatikanischen "Finanzministers" kritisch. Pell sei auf Basis "nicht belegter Aussagen eines einzigen Zeugen, ohne forensische Beweise, ohne bestimmte Verhaltensmuster oder ein Geständnis" schuldig gesprochen worden, schreibt die in Melbourne erscheinende Zeitung "The Age".

Die Zweifel der Medien an Pells Schuld beziehen sich in erster Linie auf den beschriebenen Tathergang. Demnach soll der Kardinal beim Auszug nach einem feierlichen Hochamt in der Kathedrale von Melbourne in die Sakristei abgebogen sein und bei geöffneter Sakristei-Tür in vollem Ornat die Chorknaben zum Oralsex gezwungen haben.

KAP /KNA / DT (jobo)

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Erzbischöfe George Pell Kardinäle Missbrauchskrise

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