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Weltweite Evangelische Allianz wählt erstmals arabischen Christen an die Spitze

Der israelisch-arabische Jurist Botrus Mansour wurde zum Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz gewählt. Er will die Einheit der Evangelikalen stärken.
Botrus Mansour
Foto: Facebook/Botrus Mansour | Mansour wird sein Amt offiziell auf der Generalversammlung der WEA in Seoul vom 27. bis 31. Oktober 2025 antreten – der ersten weltweiten Versammlung seit 2019.

Die Weltweite Evangelische Allianz (WEA) hat den Juristen Botrus Mansour zu ihrem neuen Generalsekretär und Geschäftsführer ernannt. Das gab das größte internationale Netzwerk  evangelikaler Christen auf seiner Homepage bekannt. Der globale Dachverband vernetzt nach eigenen Angaben mehr als 600 Millionen Evangelikale in über 148 Ländern. Wie das Onlineportal „Allarab News“ hervorhebt, steht damit erstmals ein arabisch-christlicher Bürger Israels an der Spitze der Organisation.

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Die Wahl durch den Internationalen Rat (IC) folgte auf ein sechsmonatiges, von Gebet begleitetes Auswahlverfahren. Von 25 Bewerbern wurden drei Finalisten bestimmt; am Ende stimmte der IC mehrheitlich für Mansour. Damit endet eine Übergangszeit, in der der Ratsvorsitzende Goodwill Shana kommissarisch die Leitung innehatte, nachdem Thomas Schirrmacher im April 2024 aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten war.

Anwalt, Vortragsredner, Publizist

Mansour wurde 1965 in Nazareth geboren und wuchs in Jerusalem, Oxford und Nazareth auf. Nach dem Jurastudium an der Hebräischen Universität Jerusalem (Abschluss 1991) wurde er in die israelische Anwaltskammer aufgenommen und praktizierte in Haifa und Nazareth. Parallel half er beim Aufbau der Baptistengemeinde in Nazareth, 2001 wurde er als Ältester ordiniert. Seit 2004 leitet er die traditionsreiche Nazareth Baptist School.

Darüber hinaus engagierte sich Mansour in zahlreichen kirchlichen und gesellschaftlichen Gremien, darunter als Vorsitzender der Convention of Evangelical Churches in Israel, als Mitglied im Exekutivkomitee der christlichen Schulen in Israel, im Global Council of Advocates International und als Ko-Vorsitzender der Lausanne-Initiative für Versöhnung zwischen Israel und Palästina. International trat er als Vortragsredner und Publizist hervor; seine Beiträge erschienen etwa in „Haaretz“ und „Christianity Today“. Mansour ist verheiratet und Vater dreier erwachsener Kinder.

In seiner ersten Stellungnahme zeigte sich Mansour „zutiefst dankbar“ für das Vertrauen des Rates. Seine Hauptaufgabe sieht er in der Förderung der Einheit: „Mit Gottes Gnade werde ich unermüdlich daran arbeiten, alle Hindernisse zu beseitigen, die unsere Einheit beeinträchtigen könnten.“ Zugleich betonte er: „Unser Erlöser Jesus Christus ist es wert, dass wir ihn verherrlichen. Sein Evangelium des Friedens, der Gerechtigkeit und der Rechtschaffenheit ist die wahre Lösung für unsere leidende Welt.“

Veränderte Wahrnehmung evangelikaler Araber in Israel

Mansour betonte laut „Allarab News“ auch die veränderte Wahrnehmung evangelikaler Araber in Israel. Sie seien lange mit Misstrauen betrachtet und von anderen christlichen Gruppen ausgegrenzt worden. Heute gebe es mehr Offenheit: „Christen in Israel kämpfen als Minderheit generell mit Schwierigkeiten. Daher finden es viele inzwischen unsinnig, Gruppen gegeneinander abzugrenzen – wir sollten lernen, zusammenzuleben. Katholiken und Orthodoxen kennen uns, was die Situation ein wenig verändert hat.“

Der Ratsvorsitzende Shana lobte den Auswahlprozess als „sorgfältig und transparent“ und nannte Mansour einen Leiter mit „dienender Haltung“. Er traue ihm zu, die WEA „mit Weisheit und Mut“ in die nächste Phase ihrer Mission zu führen.

Mansour wird sein Amt offiziell auf der Generalversammlung der WEA in Seoul vom 27. bis 31. Oktober 2025 antreten – der ersten weltweiten Versammlung seit 2019. Inhaltlich verweist er auf die unterschiedlichen Herausforderungen in den Regionen: religiöse Verfolgung, gesellschaftliche Säkularisierung, technologische Umbrüche oder kriegerische Konflikte. Die Antwort sieht er nicht in zentralistischer Steuerung, sondern in Stärkung der Netzwerke: Starke Allianzen sollen schwächere unterstützen; regionale Gremien spezifische Bedarfe identifizieren und Hilfe bündeln.  DT/jg

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