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Viel Wind um einen fiktiven Ritus

Dass der Vatikan in Mexiko einen Maya-Ritus genehmigt hat, ist eine Ente. Fragen bleiben bei der Einführung indigener Elementen in den römischen Ritus dennoch.
Papst Franziskus und Kardinal Felipe Arizmendi Esquivel
Foto: Grzegorz Galazka via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Papst Franziskus weihte Felipe Arizmendi Esquivel, den emeritierten Bischof von San Cristobal de las Casas Chiapas, im November 2020 zum Kardinal.

Es kommt selten vor, dass eine nationale Bischofskonferenz einen Kardinal aus den eigenen Reihen öffentlich eines sachlichen Fehlers in einer zentralen Frage der Verkündigung überführt. Doch die Mexikanische Bischofskonferenz hat sich angesichts der Fülle der Falschmeldungen über die angebliche Vatikan-Genehmigung eines Maya-Ritus für indigene Völker offensichtlich nicht anders zu helfen gewusst.

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Dieser Tage stellten die Bischöfe des Lands klar, worum es sich bei dem Dekret aus dem Vatikan vom 8. November handelt: um die Genehmigung einzelner Elemente für indigene Sprachgruppen in der südmexikanischen Diözese San Cristóbal de las Casas für die Feier des römischen Ritus.

Keine spektakulären Neuerungen

Alle bedürfen der Genehmigung des Ortsbischofs, keine ist wirklich spektakulär: Der Zelebrant darf Laien als Vorbeter beauftragen und sie für die Inzens an den vom Missale Romanum vorgesehenen Stellen einsetzen. Unmissverständlich stellt die Bischofskonferenz klar, dass weder liturgische Tänze noch ein „Maya-Altar“ genehmigt worden sind oder ein Laie der liturgischen Feier vorstehen darf.

Die Ente vom „Maya-Ritus“ geht auf den emeritierten Erzbischof von San Cristóbal de las Casas, Kardinal Felipe Arizmendi Esquivel, zurück, dem geistigen Vater der Neuerungen. Er freute sich nach der guten Nachricht aus Rom öffentlich über den „rito maya“, klammerte aber die entscheidende Frage aus: Wie oft wird in den Pfarreien seiner Diözese überhaupt Eucharistie in den schönen, den meisten Mexikanern aber gänzlich unverständlichen Sprachen der Tzeltal, Tzotzil, Chol, Tojolabal und Zoque gefeiert? 

Das Bistum San Cristóbal de las Casas hat über 400 Ständige Diakone, doch nur wenige Priester. Kardinal Arizmendi Esquivel hat nach eigener Aussage in seiner Dienstzeit als Bischof die überschaubare Anzahl von fünfzehn indigenen Priestern geweiht. Dass er grünes Licht aus Rom für einen angeblichen „Maya-Ritus“ verkündete,  dürfte Teil der Selbstvermarkungsstrategie eines überaus medienaffinen Mitraträgers sein, dem Johannes Paul II. und Benedikt XVI. ob seiner umstrittenen Berufungspastoral 14 Jahre lang untersagt hatten, weitere Diakone zu weihen. Erst Papst Franziskus hob das Verbot seiner Vorgänger 2014 auf. 

Liturgie-Alarm ausgelöst

Gut 50 Jahre nach der Einführung des Messbuchs Pauls VI. lösen Vorgänge wie in Chiapas bei Beobachtern Liturgie-Alarm aus. Die Klerikalisierung des Novus ordo hat schier unerschöpflich viele Facetten. Geht es bei Neuerungen wie der Einführung indigener Elementen in den römischen Ritus überhaupt um die bessere Verständlichkeit der heiligen Handlung und um das tiefere Verständnis des Mysteriums? Lassen sich deswegen mehr Getaufte von der sonntäglichen Eucharistie stärken? Nach wie vor scheinen liturgische Neuerungen ein Desiderat ambitionierter Kleriker zu sein. Ob dies die Armen weiterbringt, sei dahingestellt.

Die Kirche kann Übersetzungen des Missale Romanum in indigene Sprachen approbieren, aber sie kann den einheimischen Klerus nicht aus dem Boden stampfen, den es dafür braucht. Sie kann die rituellen und sprachlichen Grenzen des Novus Ordo ausloten, aber damit gleicht sie das Katechesedefizit der indigenen Bevölkerung nicht aus. Sie kann Ortsbischöfen Genehmigungen für liturgische Sonderformen erteilen und schlichte Gemüter in den Kardinalsstand erheben – welcher Getaufte wächst dadurch in Glaube, Hoffnung und Liebe? 

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