Mehr Lautstärke der Kirche in der Öffentlichkeit wäre vermutlich das Letzte, das die Deutsche Bischofskonferenz derzeit auf ihre Hausaufgabenliste setzen würde. Doch reicht es, möglichst konfliktfrei auf dem politischen Parkett durchzukommen, um als Stimme der Kirche gehört zu werden? Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder hat im Kölner „domradio“ das Unzeitgemäße empfohlen: Die Kirche solle sich wieder deutlicher einbringen, „nicht nur im politischen, sondern auch im gesellschaftspolitischen Bereich“.
Dass „wir als Kirche vielleicht“ in jüngster Zeit „vielleicht zu ruhig“ gewesen sind, wie der CDU-Politiker meint, ist nicht zuletzt dem Trend innerhalb der Unionsparteien geschuldet, der klare Botschaften getaufter Unionspolitiker durchaus nicht fördert. Zudem gibt es keinen Konsens innerhalb der Union über die Rolle der Kirche auf dem gesellschaftspolitischen Parkett.
Kirche verhält sich wie NGO
Julia Klöckners Bedenken gegenüber einer Kirche, die sich wie eine Nichtregierungsorganisation verhält, spiegeln das Dilemma. Die Kirche steht gesellschaftspolitisch nicht immer auf der „richtigen“ Seite; aber nur als Kontrastmittel fällt sie letztlich auf und hebt sich im breiten Strom der Meinungen ab. Kirchliche Stellungnahmen zu profanen tagespolitischen Fragen wie zum Tempolimit gehen in der Öffentlichkeit regelmäßig unter.
Als Korrektiv zu politischen Fehlentwicklungen etwa im Lebensschutz finden sich Christen rasch auf der Verliererseite wieder. Genau das widerspricht diametral dem Selbstverständnis der Mehrheit der Bischöfe und Mitglieder des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, aber auch der meisten Unionspolitiker.
Menschen für das Leben überzeugend stärken
Aber wie kann die Kirche ihrer Stimme noch gesellschaftspolitisch Gehör verschaffen, ohne sich allgemeine Ächtung zuzuziehen? Punktuell sicher durch Zeremonien, denn es gibt in Europa keine Gedenkkultur, die konkurrenzfähig zur Liturgie wäre. Der Staat hat keinen Raum für Trost und würdige Abschiede, die Kirche fängt die Menschen im Zweifelsfall auf.
Betroffenheit ist allerdings selten nachhaltig, im Alltag verflüchtigen sich Gedanken an Transzendenz und Ewigkeit, die im Angesicht des Todes aufkommen, in der Regel rasch wieder. Wie kann die Kirche Menschen für das Leben überzeugend stärken? Ein traditioneller Weg ist seit den Zeiten der iroschottischen Missionare die Schule. Hier können Schüler über Jahre hinweg christliche Vorbilder erleben, die zu Hause fehlen.
Katholische Schulen sind gefragt
Dass einzelne Bistümer in der Schulbildung auf dem Gender-Holzweg sind, und katholische Schulträger keine Bewerberflut gläubiger Christen verzeichnen, diskreditiert katholische Schulen nicht als solche. Fünf überzeugte Christen im Lehrerkollegium könnten den Wind in die richtige Richtung lenken und ein Kollegium mitziehen, erklärte ein seelsorgeerfahrener Bischof kürzlich im Gespräch mit dieser Zeitung.
In einem polarisierten Land ist jeder Konsens zwischen Kirche und Gesellschaft wichtig. Und der lautet: Die Erziehung von Kindern und Jugendlichen gilt neben der Pflege derzeit als die anspruchsvollste gesellschaftliche Herausforderung. Immer weniger Eltern trauen sich die Erziehung des eigenen Nachwuchses zu und überlassen Dritten Aufgaben, die die Großelterngeneration noch selbstverständlich zu Hause leistete.
Die Nachfrage nach Plätzen in katholischen Schulen ist auch nach der Missbrauchskrise in der Kirche ungebrochen: Hier wollen auch Kirchenferne ihre Kinder sehen. Diesen strategischen Vorteil haben die wenigsten Pfarrgemeinden. Innerhalb der Kirche braucht es allerdings Selbstvergewisserung auf authentische christliche Pädagogik, Selbstevangelisierung und auch ein Upgrade für die Bildung.
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