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Papst Leo: Kardinalswahl trotz OP

Wichtige Vatikan-Personalien fielen mit der Krebsdiagnose zusammen. Und bei der Wahl des philippinischen Kardinals Luis Antonio Tagle hat der Papst ein wenig nachgeholfen.
Kardinal Luis Antonio Tagle
Foto: Imago/Stefano Costantino | Genießt das Wohlwollen des Papstes: Kardinal Luis Antonio Tagle.

Es waren zwei wichtige vatikanische Personalien, die mit den dramatischen Tagen verbunden sind, in denen Leo XIV. sich in der römischen Gemelli-Klinik aufhielt, wo der untere Lungenlappen der rechten Lunge mit einem bösartigen Tumor entfernt wurde: die Bestätigung der Wahl des neuen Dekans des Kardinalskollegiums und die Ernennung des neuen Erzpriesters der Petersbasilika. Beides sind Ämter, die in der Zeit einer Sedisvakanz eine wichtige Rolle spielen. Der eine bereitet das Konklave vor und – wenn er nicht älter als 80 Jahre ist – leitet auch die Papstwahl. Der andere bereitet die Vatikanbasilika auf das Requiem für den verstorbenen Papst und die Inthronisation eines Nachfolgers vor. Das legt die Vermutung nahe, dass Papst Leo, der von Hause aus Kanonist und Mathematiker ist, die vatikanischen Institutionen trotz des beruhigenden Ausgangs seiner Krankheit auf alle Eventualitäten vorbereiten wollte.

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Wie üblich gibt es hierzu keine offizielle Stellungnahme, doch der Zeitpunkt legt diese Hypothese nahe. Am Freitag, dem 9. Oktober, wurde die Ernennung von Kardinal Luis Antonio Tagle, dem Pro-Präfekten des Dikasteriums für Evangelisierung, zum Dekan des Kardinalskollegiums bekannt gegeben. Sein Vorgänger, Kardinal Giovanni Battista Re, ist zwar mittlerweile über 90 Jahre alt, doch ist er noch in bester Verfassung, und bis Anfang Oktober gab es keine Anzeichen, die auf einen Wechsel hindeuteten. Zudem wurde gleichzeitig kein Vizedekan ernannt, was normalerweise der Fall ist – ein Amt, das also nach wie vor der argentinische Kardinal Leonardo Sandri innehat, der ebenfalls 83 Jahre alt ist.

Ein Wahlkriterium: Nicht älter als 80 Jahre

Am Samstag, dem 10. Oktober, wurde dann die Ernennung von Bischof Vittorio Francesco Viola zum neuen Erzpriester der Vatikanbasilika veröffentlicht, der damit Nachfolger von Kardinal Mauro Gambetti wird, einem Franziskaner-Konventualen, der eine Woche zuvor an die Spitze der Diözese Chieti-Vasto versetzt worden war. Der Franziskaner-Minorit Viola ist Bischof und war bisher Sekretär des Dikasteriums für die Liturgie. Die Ernennung wurde ohne die übliche begleitende Biografie veröffentlicht, was auf eine gewisse Eile hindeutet. Am Sonntag darauf, dem 11. Oktober, gab Papst Leo schließlich seine Einlieferung in die Gemelli-Klinik bekannt.

Kardinal Viola
Foto: Imago/Alessa/Giuliani | Neuer Erzpriester des Petersdoms: Bischof Vittorio Francesco Viola.

Dass der philippinische Kardinal beim gegenwärtigen Papst in der Gunst steht, war schon zu Beginn des Pontifikats klar geworden, als Leo ihn zum Kardinalbischof mit dem Titel der suburbikarischen Diözese Albano ernannt hatte. Diesen Titel hatte Papst Franziskus in den letzten Monaten seines Pontifikats Kardinal Robert Prevost verliehen. Denn in den ersten Monaten des Jahres 2025 hatte Franziskus überraschend Kardinal Re im Amt des Dekans bestätigt und damit verhindert, dass sich die Kardinäle versammelten, um einen neuen Dekan zu wählen. Diese Entscheidung wurde als Schachzug interpretiert, um die Wahl von Kardinal Parolin zu verhindern, der somit in dieser Funktion ins Konklave eingezogen wäre. Und nicht nur das. Papst Franziskus verlieh Prevost den prestigeträchtigen Titel der suburbikarischen Diözese Ostia, obwohl der Kardinal, der diesen Titel zuvor innegehabt hatte, Angelo Sodano war, emeritierter Staatssekretär und Dekan des Kardinalskollegiums von 2005 bis 2019.

Der „Fall“ Gambetti: eine Demütigung

Kardinal Parolin war einer der einflussreichsten Kandidaten im Konklave, das Leo XIV. wählte. Bei dieser Gelegenheit musste er auch unter einer starken antiitalienischen Voreingenommenheit leiden, die bereits im vorangegangenen Konklave gereift war. Unter Papst Franziskus hat die Zahl der italienischen Kardinäle einen historischen Tiefstand erreicht. Nun bleibt abzuwarten, wie sich Leo XIV. bei seiner ersten Ernennung von Kardinälen verhalten wird. In der Zwischenzeit hat Leo XIV. einen Italiener, Erzbischof Paolo Rudelli, in die heikle und wichtige Rolle des Substituten im Staatssekretariat berufen. Doch der Vatikandiplomat, der zuvor Nuntius in Kolumbien war, hat eine prestigeträchtige Funktion verloren, die mit diesem Amt verbunden war. Bis zu seinem Vorgänger Edgar Peña Parra war es so, dass der Substitut die Beglaubigungsschreiben der beim Heiligen Stuhl akkreditierten Botschafter entgegennahm, die anschließend eine Audienz beim Papst hatten. Als Peña Parra an die Nuntiatur in Italien versetzt wurde, wurde diese Aufgabe von Erzbischof Paul Richard Gallagher, dem Leiter der für die Beziehungen zu den Staaten verantwortlichen Sektion im Staatssekretariat, wahrgenommen. Als Rudelli jedoch zum Substituten ernannt worden war, versuchte er, diese Funktion wieder aufzunehmen, doch der Papst lehnte dies ab.

Schließlich ist da noch der „Fall“ von Kardinal Gambetti. Seine Ernennung zum Erzbischof von Chieti-Vasto hat den Beigeschmack einer Demütigung im Stil von Papst Franziskus, der in seiner Vorgehensweise jedoch rabiater war. Benedikt XVI. ging eleganter vor: Er entzog Kardinal Crescenzio Sepe zwar das prestigeträchtige Amt des Präfekten der Propaganda Fide, entsandte ihn jedoch an die Spitze der bedeutenden Diözese Neapel. Chieti-Vasto hingegen hatte bereits Erzbischöfe, die später zu Kardinälen ernannt wurden, aber es gab dort noch nie einen tatsächlich ansässigen Kardinal. Gambetti, der ein Schützling von Papst Franziskus war, muss nun als Nachfolger von Bruno Forte in der kleinen Diözese, die auch für Manoppello, den Ort des „Volto santo“, zuständig ist, vor allem für eine Finanzverwaltung büßen, die von den vatikanischen Kontrollinstanzen als unbefriedigend eingestuft wurde.


Der Autor ist Vatikanberichterstatter und lebt in Rom.

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