Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Erzbistum Toulouse

Sexualstraftäter wird doch nicht in Kirchenamt befördert

Erzbischof Guy de Kerimel gibt nach: Ein ehemaliger Missbrauchstäter soll nun kein Kanzler mehr werden. Seine frühere Entscheidung verteidigt er dennoch.
Guy de Kerimel
Foto: IMAGO/Barange Nathan/ABACA (www.imago-images.de) | Er sieht es offenbar nach wie vor anders, wollte aber keine Spaltung provozieren: der Erzbischof von Toulose, Guy de Kerimel, bei einer Heiligen Messe.

Kehrtwende in Frankreich: Der Priester Dominique Spina ist nicht länger als Kanzler der Erzdiözese Toulouse vorgesehen. Spina habe das Amt auf seine Bitte hin in „echter Herzensoffenheit“ niedergelegt, heißt es in einer Mitteilung des Erzbischofs Guy de Kerimel vom vergangenen Samstag. Eigentlich hätte Spina, der verurteilter Vergewaltiger ist, das Amt zum 1. September aufnehmen sollen. Nun ist dafür Pater Léopold Biyoki vorgesehen.

Lesen Sie auch:

Aufgrund von Spinas Vergangenheit – 2005 war Spina für die Vergewaltigung eines Schülers im Jahr 1993, dessen geistlicher Begleiter er damals war, verurteilt worden – hatte die Ernennung für erheblichen Unmut im französischen Bischofskollegium gesorgt. De Kerimel hatte angesichts öffentlicher Kritik auf Papst Franziskus und dessen Diktum, der Name Gottes sei Barmherzigkeit, verwiesen. Wenn es keine Barmherzigkeit gebe, sei das Heil für niemanden erreichbar. Man könne von Spina sagen, dass dieser über jeden Verdacht erhaben sei, weil der Glaube und die Menschlichkeit sagten, dass Umkehr möglich sei. Außerdem sei der Kanzler ein „Mann im Schatten“, der keinen Kontakt zu jungen Menschen habe.

Jesus und die Rehabilitierung von Sündern

In einer weiteren Mitteilung, ebenfalls vom vergangenen Samstag, erläutert de Kerimel sein Vorgehen: Er habe entschlossen, seine Entscheidung zu revidieren, um keine Spaltung unter den Bischöfen zu verursachen. Da seine Entscheidung von vielen als „Affront gegenüber den Opfern sexuellen Missbrauchs“ interpretiert worden sei, bitte er um Verzeihung – dies sei nicht seine Absicht gewesen. Andere hätten jedoch in seiner Ernennung auch „ein Zeichen der Hoffnung für Täter, die ihre Strafe verbüßt haben“ erkannt. Jesus, so der Erzbischof weiter, sei in seiner „Rehabilitierung von Sündern und Schuldigen“ sehr weit gegangen: „Er berief Männer wie Matthäus, den Zöllner, Petrus, den Verräter, Paulus, den Verbrecher, Maria Magdalena, die Prostituierte, und viele andere in verantwortungsvolle Positionen.“ Diejenigen, die die Aufgabe hätten, das Evangelium zu bezeugen, könnten die „Barmherzigkeit nicht ignorieren, die Jesus immer gezeigt hat“.

Das Leitungsgremium der französischen Bischofskonferenz hatte de Kerimel bereits vor rund einer Woche gebeten, seine Ernennung zu überdenken. Man habe gelernt, die Ereignisse aus Sicht der Opfer zu sehen und wolle diesen „Weg der Umkehr“ fortsetzen. (DT/jra)

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Erzbischöfe Erzbistum Hamburg Maria Magdalena Papst Franziskus

Weitere Artikel

Bewährte Spitze: Salzburgs Erzbischof Franz Lackner bleibt Vorsitzender der österreichischen Bischöfe, der Linzer Bischof Manfred Scheuer bleibt sein Stellvertreter.
09.06.2026, 13 Uhr
Meldung
... und die katholische Kirche ist trotzdem nicht frauenfeindlich! Annemarie Nied erklärt ihren Glauben auf Instagram, um Christus zu verkünden. Entschieden, gebildet und betend.
16.03.2026, 07 Uhr
Elisabeth Hüffer

Kirche

Was zeichnet den neuen Pontifex aus? Welche Akzente setzten Leos Vorgänger mit ihren jeweils ersten Lehrschreiben? Es zeigt sich die Kontinuität.
28.06.2026, 11 Uhr
Christoph Münch
In würdigem Rahmen und bei magerer Kost ein letztes Gespräch, bevor sich die Wege trennen.
28.06.2026, 05 Uhr
Mario Monte
Intrigen, Verleumdungen und Grabenkämpfe begleiteten das Panorthodoxe Konzil, das vor zehn Jahren auf Kreta stattfand.
27.06.2026, 11 Uhr
Stephan Baier