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Nicaragua: Ortega-Regime lässt zwölf katholische Priester frei

Der Vatikan bestätigt, die abgeschobenen Priester zu empfangen. Bischof Rolando Álvarez befindet sich jedoch nicht unter ihnen.
Daniel Ortega, Machthaber Nicaraguas
Foto: IMAGO/Iranian Presidency (www.imago-images.de) | Die Spannungen zwischen der Kirche und der Regierung Daniel Ortegas entstanden im Jahr 2018, als katholische Kirchen Demonstranten beherbergten, die bei den Protesten gegen den Präsidenten verletzt worden waren.

Nach offiziellen Angaben der nicaraguanischen Regierung sind im Rahmen einer Vereinbarung mit „den katholischen Kirchenbehörden“ zwölf katholische Priester, die aus verschiedenen Gründen inhaftiert waren, aus der Haft entlassen und in den Vatikan abgeschoben worden. Der Vatikan hat bereits bestätigt, dass er die zwölf Priester empfangen wird.

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Matteo Bruni, Direktor des vatikanischen Presseamtes, sagte in einer Erklärung: „Ich kann bestätigen, dass der Heilige Stuhl gebeten wurde, zwölf kürzlich entlassene Priester aus Nicaragua aufzunehmen. Der Heilige Stuhl hat zugesagt. Sie werden von einem Beamten des Staatssekretariats empfangen und in einer Einrichtung der Diözese Rom untergebracht.“ 

Zu 26 Jahren und vier Monaten Haft verurteilt

Unter den Freigelassenen befindet sich jedoch nicht Bischöfe Rolando Álvarez von Matagalpa. Bischöfe Álvarez wurde am 10. Februar zu einer Gefängnisstrafe von 26 Jahren und vier Monaten verurteilt, nachdem er sich geweigert hatte, sich gemeinsam mit 221 anderen Dissidenten in die Vereinigten Staaten abschieben zu lassen. 

Die nicaraguanische Zeitung „La Prensa“ berichtet von einem Kommuniqué des Ortega-Regimes, in dem es heiße, die Freilassung der zwölf Priester sei „nach konstruktiven Gesprächen mit dem Heiligen Stuhl“ erfolgt. Die Freigelassenen seien auf dem Weg in den Vatikan. Weiterhin heißt es in der Mitteilung, dass diese Vereinbarung „auf die Fürsprache hoher Autoritäten der katholischen Kirche in Nicaragua und im Vatikan“ zustande gekommen sei. Es sei außerdem vereinbart worden, dass die zwölf Priester von Mitarbeitern des Staatssekretariats des Heiligen Stuhls empfangen werden.

Die meisten der freigelassenen Priester stammen aus dem Bistum Estelí, dessen Apostolischer Administrator Bischöfe Álvarez aus Matagalpa ist: Osman José Amador Guillén, Julio Ricardo Norori Jiménez, José Iván Centeno Tercero, Yessner Cipriano Pineda Meneses, Álvaro José Toledo Amador und Pastor Eugenio Rodríguez Benavidez. Die übrigen Geistlichen kommen aus verschiedenen Diözesen: Manuel Salvador García Rodríguez und José Leonardo Urbina Rodríguez aus dem Bistum Granada, Jaime Iván Montesinos Sauceda aus Matagalpa, Fernando Israel Zamora Silva aus Siuna, Cristóbal Reynaldo Gadea Velásquez aus Jinotega und Ramón Angulo Reyes aus der Diözese Bluefields.

Acht Priester in Foltergefängnis überführt

Am 15. Oktober wurden acht dieser Priester in das Foltergefängnis „El Chipote“ überführt. Einer von ihnen, der erwähnte Álvaro José Toledo Amador, hatte vor seiner Festnahme den Mangel an Priestern im Bistum Estelí betont. Er sagte: „Unsere Diözese leidet unter Priestermangel. Wir haben einfach nicht genug. Deshalb bitten wir den Guten Hirten darum, unserer Diözese viele Berufungen zu schenken und den Priestern die Kraft zu geben, in ihren Pfarreien zu dienen.“ Denn „ohne Priester ist ein Volk geistlich tot“.

Die Nachrichtenplattform ACI Prensa berichtet über eine Erklärung von Félix Madariaga, dem Präsidenten der „Stiftung für die Freiheit Nicaraguas“, in der der ehemalige politische Gefangene und Oppositionelle seine „tiefe Freude über die Freilassung der zu Unrecht inhaftierten Pfarrer“ zum Ausdruck bringt. Gleichzeitig forderte er „nachdrücklich die Freilassung von Bischöfe Rolando Álvarez von der Diözese Matagalpa und zahlreicher anderer politischer Gefangener, die sich noch in Haft befinden“, und die Berichten zufolge aus mehr als 80 Personen bestehen soll.

Spannungen reichen ins Jahr 2018 zurück

Die Spannungen zwischen der Kirche und der Regierung entstanden im Jahr 2018, als katholische Kirchen Demonstranten beherbergten, die bei den Protesten gegen den Präsidenten verletzt worden waren. Präsident Daniel Ortega bezeichnete die nicaraguanischen Bischöfe als „Terroristen“ und „Putschisten“. In den Jahren 2018 und 2019 versuchte die Kirche, einen Dialog zwischen der Regierung und der Opposition zu vermitteln, was jedoch erfolglos blieb. 

Die Kirche, Nichtregierungsorganisationen und unabhängige Medien kritisierten in den vergangenen Jahren immer wieder die Menschenrechtsverletzungen der linksgerichteten Regierung von Präsident Daniel Ortega und Vizepräsidentin Rosario Murillo, die inzwischen fast 4.000 Nichtregierungsorganisationen verbot. Sie ließ auch kirchliche Einrichtungen und Universitäten schließen. Ende August entzog die Diktatur in Nicaragua dem Jesuitenorden den Rechtsstatus als zivile Organisation.

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