Angola – reich an Bodenschätzen und fruchtbaren Böden, zugleich aber mit einer Hälfte der Bevölkerung an der Armutsgrenze: die dritte Station des Papstes auf seiner Afrikareise. Leo XIV. ist gestern in der ehemaligen portugiesischen Kolonie eingetroffen, die heute – wie Kamerun – ein weitgehend christliches Land ist, etwa 40 Prozent der Bevölkerung gehören der katholischen Kirche an.
Die erste Messe auf Angolas Boden feierte Papst Leo am Sonntag am südlich von der Hauptstadt Luanda gelegenen Strand von Kilamba, wo ihn Hunderttausende klatschend und tanzend erwarteten. War das gläserne Papamobil in Kamerun – wohl aus Sicherheitsgründen – geschlossen gewesen, so fuhr der Papst heute in einem offenen Gefährt durch die Reihen – begleitet von den rhythmischen Klängen eines Frauenchors.
Ausgehend vom Sonntagsevangelium von den beiden Emmaus-Jüngern sprach Leo XIV. in seiner Predigt über die Hoffnung. In der Erzählung von den beiden Jüngern „mit ihren verwundeten und traurigen Herzen“ spiegele sich auch ein wenig die Geschichte Angolas wider, so der Papst, „dieses wunderschönen und doch so verwundeten Landes, das nach Hoffnung, Frieden und Geschwisterlichkeit hungert und dürstet“. Das Leid der Emmaus-Jünger erinnere „an das Leid, das euer Land gezeichnet hat: einen langen Bürgerkrieg mit seinen Nachwirkungen in Form von Zwietracht und Spaltung, Verschwendung von Ressourcen und Armut“.
Die traditionelle Religiosität kann schaden
Doch wie für die beiden Jünger aus dem Evangelium sei auch für Angola ein Neuanfang vorgezeichnet: „Die Frohe Botschaft des Herrn ist auch heute für uns genau diese: Er lebt, er ist auferstanden und geht an unserer Seite, während wir den Weg des Leidens und der Bitterkeit beschreiten; dabei öffnet er uns die Augen, damit wir sein Wirken erkennen können, und schenkt uns die Gnade, neu anzufangen und wieder an der Zukunft zu arbeiten.“
Dafür sei es aber wichtig, fuhr Papst Leo fort, die Beziehung zu Jesus Christus zu pflegen, im Gebet und vor allem in der Feier der Eucharistie. Dort begegne man Gott, sagte der Papst und warnte zugleich: „Deshalb gilt es stets, jene Formen traditioneller Religiosität wachsam im Auge zu behalten, die zwar zweifellos zu den Wurzeln eurer Kultur gehören, aber gleichzeitig die Gefahr bergen, magische und abergläubische Elemente zu vermischen, die dem geistlichen Weg nicht förderlich sind. Bleibt den Lehren der Kirche treu, vertraut euren Hirten und richtet euren Blick fest auf Jesus, der sich insbesondere im Wort und in der Eucharistie offenbart.“
Eine Kirche mit Menschen, die sich verschenken
Aber auch an die Verantwortlichen der Ortskirche richtete Leo XIV. eine Bitte: „Die Geschichte eures Landes, die noch immer schweren Folgen, die ihr ertragen müsst, die sozialen und wirtschaftlichen Probleme sowie die verschiedenen Formen der Armut verlangen nach einer Kirche, die es versteht, euch auf eurem Weg zu begleiten und auf den Schrei ihrer Kinder zu hören. Eine Kirche, die im Licht des Wortes und durch die Nahrung der Eucharistie die verlorene Hoffnung wiederbeleben kann. Eine Kirche, die aus Menschen wie euch besteht, die sich verschenken, so wie Jesus das Brot für die beiden Jünger von Emmaus bricht. Angola braucht Bischöfe, Priester, Missionare, Ordensleute, Laien, die den Wunsch im Herzen tragen, ihr Leben zu teilen und einander zu schenken, sich in gegenseitiger Liebe und Vergebung zu engagieren, Räume der Geschwisterlichkeit und des Friedens zu schaffen und Taten der Barmherzigkeit und Solidarität gegenüber den Bedürftigsten zu vollbringen.“
Wie zu erwarten war, hatte Leo XIV. am Vorabend, nach seiner Ankunft aus Kamerun, vor Vertretern der Regierung, des diplomatischen Korps und der Zivilgesellschaft den Akzent auf die politischen Probleme Angolas gelegt. Afrika sei für die ganze Welt ein Reservoir der Freude und der Hoffnung, die er ohne zu zögern als „politische“ Tugenden bezeichnen würde, hatte der Papst gesagt. „Denn seine jungen Menschen und seine Armen träumen noch immer, hoffen noch immer, geben sich nicht mit dem Bestehenden zufrieden, wollen sich wieder aufrichten, sich auf große Verantwortung vorbereiten und sich persönlich engagieren. Die Weisheit eines Volkes lässt sich nämlich von keiner Ideologie auslöschen und tatsächlich ist der Wunsch nach Unendlichkeit, der im menschlichen Herzen wohnt, ein Prinzip des sozialen Wandels, das tiefer geht als jedes politische oder kulturelle Programm.“
Der vorherrschenden Logik der Ausbeutung widerstehen
Zu den materiellen Reichtümern sagte Papst Leo, dass sich nach ihnen „auch in Ihrem Land mächtige Interessen ausstrecken. Wie viel Leid, wie viele Tote, wie viele soziale und ökologische Katastrophen bringt diese ausbeuterische Logik mit sich! Wir sehen mittlerweile überall, wie sie ein Entwicklungsmodell nährt, das diskriminiert und ausgrenzt, aber dennoch vorgibt, sich als einzig mögliche Lösung durchzusetzen“.
Dem hielt der Papst Worte seines Vorgängers Franziskus aus dem Schreiben „Evangelii gaudium“ entgegen: „Wenn ein Konflikt entsteht, schauen einige nur zu und gehen ihrer Wege, als ob nichts passiert wäre. Andere gehen in einer Weise darauf ein, dass sie zu seinen Gefangenen werden, ihren Horizont einbüßen und auf die Institutionen ihre eigene Konfusion und Unzufriedenheit projizieren. Damit wird die Einheit unmöglich. Es gibt jedoch eine dritte Möglichkeit, und dies ist der beste Weg, dem Konflikt zu begegnen. Es ist die Bereitschaft, den Konflikt zu erleiden, ihn zu lösen und ihn zum Ausgangspunkt eines neuen Prozesses zu machen.“
Angola könne sich stark weiterentwickeln, fügte Papst Leo an, „wenn vor allem Sie, die Sie im Land Verantwortung tragen, an die Vielfältigkeit seines Reichtums glauben. Fürchten Sie sich nicht vor Meinungsverschiedenheiten, ersticken Sie nicht die Visionen der Jugend und die Träume der Älteren, seien Sie in der Lage, Konflikte zu bewältigen und sie in Wege der Erneuerung zu verwandeln. Stellen Sie das Gemeinwohl über das Partikularinteresse und verwechseln Sie niemals Ihren Teil mit dem Ganzen.“
„Ich debattiere hier nicht mit Trump“
Den Flug von Kamerun nach Angola am Samstagnachmittag hatte Papst Leo genutzt, über die mitfliegenden Journalisten eine Botschaft an die Medien der ganzen Welt zu richten: Es habe bei der bisherigen Berichterstattung über die Afrikareise „ein bestimmtes Narrativ“ gegeben, das manche Ansprachen von ihm als Antworten auf die Vorwürfe dargestellt habe, die der amerikanische Präsident Donald Trump gemacht habe. Dieses Narrativ sei „aufgrund der politischen Situation“ entstanden, wie Papst Leo sagte, „als der Präsident der Vereinigten Staaten am ersten Tag der Reise einige Bemerkungen über mich gemacht hat. Vieles von dem, was seitdem geschrieben wurde, war eher ein Kommentar zu einem Kommentar, mit dem versucht wurde, das Gesagte zu interpretieren.“
Papst Leo fügte ein kleines Beispiel an: „Die Ansprache, die ich vor ein paar Tagen beim Gebetstreffen für den Frieden gehalten habe, wurde bereits vor zwei Wochen vorbereitet, also deutlich bevor der Präsident sich überhaupt zu meiner Person und zu der Friedensbotschaft, für die ich eintrete, geäußert hat. Und doch wurde es so interpretiert, als würde ich versuchen, wieder mit dem Präsidenten zu debattieren, was überhaupt nicht in meinem Interesse liegt. Also setzen wir unsere Reise fort, wir verkünden weiterhin die Botschaft des Evangeliums und die Evangelientexte, die wir für die Liturgien verwendet haben, zeigen eine Reihe verschiedener, fantastischer, schöner Aspekte dessen, was es bedeutet, Christ zu sein, was es bedeutet, Christus nachzufolgen, was es bedeutet, Geschwisterlichkeit, Brüderlichkeit und das Vertrauen in den Herrn zu fördern, aber auch nach Wegen zu suchen, um Gerechtigkeit in unserer Welt zu fördern, Frieden in unserer Welt zu fördern.“
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