Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Neues Vatikan-Dokument

Gestis verbisque: Kirche ist Magd, nicht Herrin der Sakramente

Eine neue Notiz des Glaubensdikasteriums pocht beim Spenden der Sakramente auf die Einhaltung vorgegebener Gesten und Worte und verurteilt "manipulativen Willen".
Papst Franziskus bei einer Taufe im Vatikan.
Foto: IMAGO/IPA/ABACA (www.imago-images.de) | Bei der Taufe kommt es auf jedes Wort an. Sonst droht die Ungültigkeit des Sakraments.

Das von Victor Manuel Fernández geleitete Dikasterium für die Glaubenslehre hat am vergangenen Samstag die Notiz "Gestis verbisque" (Durch Gesten und Worte) zur Gültigkeit der Sakramente veröffentlicht. Darin wird angemahnt, dass bei der Spendung der Sakramente die kirchlichen Vorgaben eingehalten werden müssen.

Warnung vor schädlicher Kreativität

Anlass für das Schreiben sind zahlreiche Fälle aus der jüngeren Vergangenheit, bei denen die Sakramente zum großen Schaden der Gläubigen nicht gültig gespendet worden sind. Als Beispiele führt die Notiz geänderte Taufformeln wie "Ich taufe dich im Namen des Schöpfers..." und "Im Namen deines Vaters und deiner Mutter... taufen wir dich" an.

Lesen Sie auch:

Das Schreiben, das bislang nur in italienischer Sprache vorliegt, betont, dass eine Änderung der Form oder des Inhalts eines Sakraments "immer ein schwerwiegender unerlaubter Akt" sei und "eine exemplarische Strafe" verdiene. Kreativität bei der Spendung der Sakramente zeuge von einem "manipulativen Willen". Die Kirche sei die "Magd" der Sakramente und nicht ihre Herrin.

Materie und Form der Sakramente müssen berücksichtigt werden

Das Dokument ruft zudem die beiden Bestandteile jedes Sakraments, seine Form und seine Materie, in Erinnerung. Unter der "Materie" wird das verwendete Element – Wasser, Brot, Wein, Öl – beziehungsweise eine bestimmte Geste – wie zum Beispiel Kreuzzeichen, Handauflegung oder Eintauchen – verstanden. Die "Form" hingegen ist das gesprochene Wort, das den Einsatz des Elements oder der Geste begleitet und dadurch der "Materie eine transzendente Bedeutung verleiht". "Materie und Form", so die Notiz weiter, "sind aufgrund ihrer Verwurzelung in der Heiligen Schrift und in der Überlieferung niemals vom Willen des Einzelnen oder der einzelnen Gemeinschaft abhängig gewesen und können es auch nicht sein."

Kritik kam vom italienischen Liturgiewissenschaftler Andrea Grillo, der in der italienischen Zeitschrift "Munera" den starken Bezug auf die scholastisch-thomistische Unterscheidung von Form und Materie bei der Sakramentenlehre kritisierte und stattdessen eine stärkere Berücksichtigung des "Kontextes" forderte.  DT/sost

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Kardinäle Sakramente

Weitere Artikel

Die Weihe der Lateranbasilika offenbart Christus als das Herz der Kirche – aus seinem geöffneten Leib fließt das Wasser des Lebens, das alles erneuert.
08.11.2025, 19 Uhr
Margarete Strauss
Eine Tagung über die christlichen Autoren Gertrud von le Fort, Reinhold Schneider, Graham Greene und Werner Bergengruen begibt sich auf eine literarische Spurensuche.
18.09.2025, 13 Uhr
Laetitia Mayr

Kirche

Nur eine geeinte Kirche kann ein „Licht“ für die Völker sein. Auf der Suche nach der verlorenen Einheit hat der Papst mit den Kardinälen angefangen. Und vor den Diplomaten spricht er Tacheles.
09.01.2026, 11 Uhr
Guido Horst
Bei der letzten Sitzung der Synodalversammlung in Stuttgart geht es um Bilanz, Reformperspektiven und den Übergang zur Synodalkonferenz. Ob Rom dem Gremium zustimmen wird, ist weiterhin offen.
09.01.2026, 14 Uhr
Meldung
Die Kardinalsversammlung in Rom ist ohne Ergebnisse oder neue Ideen zu Ende gegangen. Dem Papst ging es darum, das Band der Einheit zu stärken. Aber viele fehlten.
09.01.2026, 10 Uhr
Guido Horst
Mirko Cavar, früher Freikirchler, heute Katholik, lobt die Ökumene bei der MEHR-Konferenz. Er meint, die einzelnen Konfessionen könnten viel voneinander lernen.
08.01.2026, 13 Uhr
Elisabeth Hüffer
Der US-Bischof kritisiert den deutschen Sonderweg und plädiert für eine Synodalität, welche auf pastorale Praxis statt dauerhafte Grundsatzdiskussionen setzt.
09.01.2026, 10 Uhr
Meldung