Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Krisengeschüttelte Diözese in Südfrankreich

Bistum Toulon: Endlich wieder Priesterweihen

2022 setzte der Papst die Priesterweihen aus und stellte dem Ortsbischof einen Koadjutor an die Seite. Nun kehrt wieder etwas Normalität in das krisengeschüttelte Bistum in Südfrankreich ein.
Der Bischof von Fréjus-Toulon, Dominique Rey
Foto: IMAGO/Berzane Nasser/ABACA (www.imago-images.de) | Mindestens bis zum Ende des Jahres wohnt Bischof Rey in der Pfarrei Notre-Dame-des-Champs. Über alles Weitere entscheiden er und der Pariser Erzbischof Ulrich noch.

Ein Priester und drei Diakone wurden letzten Sonntag im Bistum Fréjus-Toulon an der Côte-d’Azur geweiht. Warum das eine Nachricht wert ist? Im Juni 2022 hatte Papst Franziskus die Priester- und Diakonatsweihen des Bistums auf unbestimmte Zeit aussetzen lassen. Das diesbezügliche Dekret des Vatikans hatte keine Erklärung des Schritts enthalten.

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Vorausgegangen war eine apostolische Visitation, deren Ergebnis bis heute unbekannt ist. Seitdem warteten vier junge Männer auf ihre Diakonatsweihe und sechs auf ihre Priesterweihe. Für die Neugeweihten ebenso wir für das Bistum geht mit der Wiederaufnahme der Weihen eine Phase des monatelangen Wartens und Bangens zu Ende. 

Zu große Offenheit in Richtung traditioneller Gemeinschaften?

Der Ortsbischof Dominique Rey, der selbst zu persönlichen Gesprächen mit dem Dikasterium für die Bischöfe nach Rom gereist war, mutmaßte damals, Grund für die Entscheidung des Papstes sei die „Herkunft der Berufungen und die Vielfalt der Ausbildungswege“, die „Vielfalt innerhalb der Priesterschaft des Bistums“ und die „Präsenz vieler verschiedener geistlicher Gemeinschaften“, die das Bistum nur mit Mühe begleiten und integrieren könne.

Eine zu große Offenheit des Ortsbischofs in Richtung traditioneller Gemeinschaften könnte der Grund für diesen Vorgang sein, vermuten französische Medien. Auch die Ausbildung im Priesterseminar mit angeblich zu großer Nähe zur außerordentlichen Form der Messfeier schien in den Fokus des Vatikans geraten zu sein. Tatsächlich ist Bischof Rey seit Jahren dafür bekannt, sowohl charismatische Gemeinschaften, als auch Gemeinschaften, die der „Alten Messe“ nahestehen, in seinem Bistum aufzunehmen.

Nach dem Seminar der Communauté de Saint-Martin ist das Seminar von Toulon mit über 50 Seminaristen das zahlenmäßig zweigrößte in Frankreich. Über fünfzig geistliche Gemeinschaften sind auf der Website des Bistums gelistet. In einem Interview mit der französischen Tageszeitung „Le Figaro“ Ende 2023 blickte Bischof Rey selbstkritisch auf sein Wirken: „In meinen 23 Jahren als Bischof kann ich nicht behaupten, dass mir alles gelungen ist. Gleichzeitig gilt: Wer nichts tut, riskiert nichts.“ Er habe sein Bistum auf den Weg der missionarischen Umkehr gebracht, indem er zahlreiche Gemeinschaften aufgenommen habe.

Nötige Sorgfalt fehlte

Dabei hat es in Bezug auf die Aufnahme einzelner Personen immer wieder auch an der nötigen Sorgfalt gefehlt. Im Fokus stand zum Beispiel die Gemeinschaft Eucharistein, dessen Gründer Nicolas Buttet nun wegen Machtmissbrauchs die Gemeinschaft verlassen hat.

Im vergangenen November hat Papst Franziskus schließlich einen Koadjutor-Bischof für das Bistum Fréjus-Toulon an der Côte d’Azur ernannt, den ehemaligen Bischof von Châlons-en-Champagne, François Touvet. Dieser leitet neben dem Diözesanbischof Dominique Rey das Bistum bis zu dessen altersbedingtem Rücktritt und wird dann seine Nachfolge übernehmen, voraussichtlich im Herbst 2027. Papst Franziskus übertrug Bischof Touvet unter anderem die Ausbildung der Seminaristen und die Leitung des Klerus.

Bei seinem Amtsantritt erklärte Touvet, die Wiederaufnahme der Weihen zu seiner Priorität zu machen. Bischof Touvet stand den Priester- und Diakonatsweihen am vergangenen Sonntag als Hauptzelebrant vor, während Bischof Rey die Predigt hielt.  DT/fha 

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