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Antidepressivum Weltkirche

Wenn in der Heimat alles den Bach runterzugehen scheint, lohnt sich der Blick ins Weite.
Zwei junge Ministranten in der Elfenbeinküstesoukro, roman catholic Basilica of Our Lady of Peace, two
Foto: IMAGO/Joerg Boethling (www.imago-images.de) | So kann Kirche auch aussehen: junge gutgelaunte Ministranten in Afrika (Elfenbeinküste).

Es war eine Nachricht, die leicht in all den Negativschlagzeilen hätte untergehen können, die die Politik mit wachsender Begeisterung zu produzieren scheint: Die katholische Kirche wächst! Und auch wer sie wahrgenommen hat, mag sich im ersten Moment fragen: „Na, und?“ Schließlich wird davon weder der milliardenschwere Schuldenberg kleiner, der den deutschen Bürgern gerade auf Jahrzehnte aufgebrummt wurde, noch das durch Inflation und Energiepreise ausgedünnte Portemonnaie dicker, noch die weltpolitische Lage in irgendeiner Weise optimistischer. Noch nicht einmal ist damit zu hoffen, dass junge Menschen sich nun automatisch weniger einsam in deutschsprachigen Gottesdiensten fühlen werden oder es sonst irgendwie bergauf mit der deprimierten, überalterten, gespaltenen Kirche in unseren Landen gehen wird.

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Trotzdem dürfte uns diese Nachricht einmal kurz in der – zugegeben berechtigten – Selbstbemitleidung innehalten lassen. Denn wo wächst denn die Kirche? Ausgerechnet überall dort, wo „Mitteleuropa“ immer noch für „das gelobte Land des Friedens und des Wohlstands“ steht: In Afrika, wo Christsein in manchen Ländern gleichbedeutend ist mit Todesgefahr, in Lateinamerika, wo immer wieder auch Christen gezielt Opfer von Korruption und Gewalt werden – gerade dieser Tage wurden in Nordmexiko acht katholische Jugendliche in einem Pfarrzentrum ermordet –, und in Asien, wo Christsein etwa in Indien oder China ebenfalls nicht vergnügungssteuerpflichtig ist.

Ein Hoffnungszeichen für die ganze Welt

Christentum hat viel mit Hoffnung zu tun. Wir hoffen auf eine Ewigkeit des Friedens und der Gerechtigkeit und glauben daran, dass Gott selbst sich geopfert hat, um uns zu erlösen. Von unserer eigenen Schuld, aber auch „von dem Bösen“, wie Christen auf der ganzen Welt im Vaterunser beten. Dabei wissen wir sehr genau, dass der wahre Friede und die wahre Gerechtigkeit nicht von dieser Welt sind und sich in dieser Welt nicht dauerhaft finden lassen. Und wir glauben trotzdem daran, dass jede Geste der Liebe, sei sie auch noch so klein, dazu beiträgt, diese Welt zum Guten zu wenden. Offensichtlich steckt dieser Glaube an – und zwar gerade da, wo es unbequem werden kann, sich zu ihm zu bekennen.

Vielleicht sollten wir uns von diesem Glauben hin und wieder eine Scheibe abschneiden und auch unseren Kindern reichlich davon mitgeben. Denn so wenig politische Ungeheuerlichkeiten, die den Bürgern als „alternativlos“ verkauft werden, im Tagesgeschäft relativiert werden dürfen, so sehr ist es für die Psyche des Einzelnen notwendig, immer wieder einen Schritt zurückzutreten und das „große Ganze“ zu sehen. Und das sagt uns: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alles zum Guten gereicht.“ (Röm 8,28)

Europäer neigen manchmal dazu, das Wachstum der Kirche in Afrika, Lateinamerika oder Asien der Armut und fehlenden Bildung der Betreffenden zuzuschreiben, nach dem Motto: Das sind halt Entwicklungsländer. Diese Haltung dürfte unter das fallen, was man heute wohl als neokolonialistisch bezeichnen dürfte. Nehmen wir es ruhig ernst, wenn der Kontinent, dessen Bevölkerung am schnellsten wächst und in der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts der einzige sein dürfte, der überhaupt noch wächst, auch zunehmend christlicher wird. Das ist ein Hoffnungszeichen für die ganze Welt.

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