Mit Verständnis und Achtsamkeit Gräben überwinden

Christian Hartl, Hautgeschäftsführer von Renovabis, erklärt im Gespräch mit der „Tagespost“ vor welchen Herausforderung die Solidaritätsaktion in Mittel- und Osteuropa steht und wie sie bewältigt werden sollen.

Pfarrer Hartl besuchte jüngst Renovabis-Projekte in Albanien. Ausgegrenzte Menschen werden am Rand der nordalbanischen Stadt Shkodre von Schwestern der Spirituellen Weggemeinschaft betreut. Schwester Michaela gewährleistet die Logistik der klösterlichen Sozialaufgaben. Foto: Renovabis/Kleck

Vor 25 Jahren wurde Renovabis als „Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa“ ins Leben gerufen. Auch heute steht die Hilfsaktion noch vor großen Herausforderungen, erklärt Hauptgeschäftsführer Christian Hartl im Gespräch mit der „Tagespost“. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und dem Ende des Kalten Krieges habe es Hoffnungen gegeben, die sich so nicht erfüllt hätten, meint Hartl. Heute sei die Lage in den 29 Projektländern „von Land zu Land unterschiedlich“. Renovabis helfe im kirchlich-pastoralen, aber auch im sozialen Bereich sowie im Bildungssektor, um die Menschen in Ost- und Mitteleuropa zu unterstützen. Auch der Aufbau der Zivilgesellschaft zähle zu den Grundaufträgen von Renovabis. Dabei befinde man sich in einem permanenten Reflexiosprozess, so Hartl. „Manche Ortskirchen werden von Empfängern zu Mitarbeitern. So hat etwa die polnische Kirche bereits selbst eine eigene Hilfsorganisation gegründet.“ Bei anderen sei eine grundlegende Hilfe weiter notwendig, da es sich um sehr arme Kirchen handele.

Hauptgeschäftsführer Hartl betont zudem die Bedeutung der ökumenischen Dimension, etwa in der Ukraine, wo es drei katholische und drei orthodoxe Kirchen gebe. „Hier gilt es, immer wieder Verständnis für die andere Gemeinschaft einzuwerben.“ Im Hinblick auf politische und konfessionelle Gräben, die sich zuletzt auch zwischen Staaten innerhalb der EU aufgetan haben, weist Hartl darauf hin, dass nicht nur ein sozial-ethischer Blick sondern auch ein historisch-kultureller vonnöten sei. „Denn geschichtliche Erfahrungen prägen die Kultur des jeweiligen Landes.“ Hilfreich wäre es für Hartl darüber hinaus, wenn man sich mehr befragen würde, anstatt gegenseitig Vorwürfe zu machen. „Das würde die Achtsamkeit füreinander stärken.“

Das ausführliche Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 09. Mai.
DT