Mehrere Missbrauchsvorwürfe gegen Kardinal Pell zurückgezogen

Die Staatsanwaltschaft in Melbourne will mehrere Anklagepunkte im Missbrauchsprozess um Kurienkardinal George Pell am Dienstag zurückziehen. Grund sei, dass einer der Zeugen aus "medizinischen Gründen" nicht aussagen könne, berichteten australische Medien (Freitag).

Kardinal George Pell vor Gericht
Der australische Kurienkardinal George Pell verlässt am 06.10.2017 in Melbourne, Australien, eskortiert von Polizisten das Gericht, den Melbourne Magistrates Court. Wegen Missbrauchsvorwürfen soll sich Pell vor Gericht verantworten. Dem bisherigen Vatikan-Finanzchef wird vorgewor... Foto: Stefan Postles (AAP)

Weder die Zahl der Kläger noch die Inhalte der Klagen wurden bislang veröffentlicht. Im laufenden Verfahren geht es um die Anhörung von rund 50 Zeugen. Am Ende der Anhörung wird Richterin Belinda Wallington entscheiden, ob die Zeugenaussagen und Beweise für die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen den 76-jährigen Pell ausreichen.

Zu Wochenbeginn bekam der "Fall Pell" eine weitere Facette, als ein Zeuge bei der Polizei neue Vorwürfe gegen den Finanzchef des Vatikan erhob. Der Inhalt der Vorwürfe wurde auch nicht öffentlich. Zudem ist noch unklar, ob sie in das laufende Verfahren einbezogen werden können oder ob ein weiteres Verfahren eröffnet werden muss.

Bei dem Sitzungstermin am Freitag sagte eine Frau per Videoschaltung aus, ihr Bruder habe ihr eines Tages unter Tränen gestanden, von Pell sexuell missbraucht worden zu sein. Dieses Geständnis habe der Bruder 16 Jahre nach dem angeblichen Vorfall gemacht. Die Staatsanwaltschaft machte geltend, sie und ihr Bruder seien zum Zeitpunkt des Geständnisses betrunken gewesen. Dies wies die Zeugin zurück.

Die Anhörung zur Entscheidung über die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen Pell begann Anfang März. Nur wenige Tage zuvor hatte die Staatsanwaltschaft nach dem Krebstod eines Hauptzeugen eine der Klagen zurückgezogen. Weitere Anklagepunkte betreffen die Anschuldigung, Pell sei als Priester im Bistum Ballarat an der Vertuschung entsprechender Fälle beteiligt gewesen sein.

KNA / jbj