Kölner Generalvikar: Beichte ist Chance für Aufarbeitung von Missbrauchsfällen

Der Kölner Generalvikar Markus Hofmann ermutigt zu einer Versachlichung der Debatte über sexuelle Missbrauchsfälle.

Missbrauch in der katholischen Kirche
Peter van Briel nimmt mit einer umfangreichen Abhandlung zum Thema aus priesterlicher Sicht Stellung zur Missbrauchskrise. Foto: Harald Tittel (dpa)

Der Kölner Generalvikar Markus Hofmann hat zu einer Versachlichung der Debatte über sexuelle Missbrauchsfälle ermutigt. Im Gespräch mit dieser Zeitung erklärte er, es seien einige Themenfelder aufgemacht worden, die auch schon vorher mit und ohne Bezug auf Missbrauch in der Kirche diskutiert worden seien: Zölibat, Sexualmoral, Homosexualität, Bußsakrament und Beichtgeheimnis.

Nicht auf Kosten einer seriösen Diskussion vorschnell handeln

„Diese Themen scheinen jetzt von manchen auf der Empörungswelle benutzt zu werden, um ihre Interessen voranzubringen. Die Empörung kann ich zwar sehr gut nachvollziehen und teile sie, aber ich halte nichts davon, nun auf Kosten einer seriösen Diskussion vorschnell zu handeln. Angefragt wird zum Beispiel das Beichtgeheimnis. Schon der gesunde Menschenverstand sagt aber, dass eine Aufhebung des Beichtgeheimnisses zur Folge hätte, dass dann niemand mehr käme, um sich zu offenbaren. Bisher sind aber Personen gekommen und haben Missbrauchsvergehen als Sünde bekannt. Der Beichtvater kann ihnen raten.“ erklärte der Generalvikar.

Bußsakrament Chance für die Aufarbeitung von Missbrauch

Mit Nachdruck unterstrich Hofmann die Chance, die das Bußsakrament für die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen darstelle. Aus der von den Bischöfen am Dienstag vorgestellten MHG-Studie gehe auch hervor, dass im Vergleich zu anderen Missbrauchstätern, bei denen die Selbstanzeigequote bei Null liege, zehn Prozent der beschuldigen Priester, Diakone und Ordensgeistlichen sich selbst angezeigt hätten. Wörtlich erklärte der Kölner Generalvikar: “Hier ist die Chance, die im geschützten Bereich der Beichte liegt, erkennbar.“

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DT