Kardinal Philippe Barbarin steht vor Gericht

Wegen des Vorwurfs der Vertuschung sexuellen Missbrauchs hat der Prozess gegen Erzbischof Philippe Kardinal Barbarin begonnen.

Prozess gegen Erzbischof von Lyon, Philippe Kardinal Barbarin
Der Prozess gegen Philippe Barbarin, Erzbischof von Lyon, hat begonnen. Foto: Laurent Cipriani (AP)

Am Montag hat vor der staatlichen Strafkammer Lyon der Prozess gegen den Erzbischof der südfranzösischen Stadt, Kardinal Philippe Barbarin, begonnen. Der Vorwurf: Vertuschung sexuellen Missbrauchs in mehreren Fällen, offiziell lautet die Anklage auf: „Nichtanzeige sexueller Aggressionen gegenüber Minderjährigen“. Dabei wird Barbarin vorgeworfen, insgesamt fünf Fälle von des Missbrauchs verdächtigten Priestern vertuscht sowie bei der Verwaltung drei weiterer Dossiers nachlässig gehandelt zu haben.

Vorwurf: "Nichtanzeige schwerer sexueller Aggressionen"

Die „Affäre Barbarin“ reicht bereits Jahre zurück. 2016 ließ der oberste Gerichtshof von Lyon die gegen Barbarin erhobenen Vorwürfe wegen „Nichtanzeige schwerer sexueller Aggressionen“ fallen. Unterstützt wurde der Kardinal unter anderem von drei seiner früheren engen Mitarbeiter, darunter zwei noch amtierende Bischöfe, die ihrem Mitbruder im Bischofsamt öffentlich Integrität bescheinigten.

Worum ging es, was soll vertuscht worden sein?

25 Jahre waren vergangen, nachdem Pater Bernard Preynat zwischen 1972 und 1991 Pfadfinder zwischen acht und zwölf Jahren sexuell missbraucht hatte. 65 bis 100 Opfer sollen es gewesen sein, wie die stellvertretende Chefredakteurin von „La Croix“, zudem ehemalige Pfadfinderin der Gruppe von Pater Preynat sowie Autorin von „Histoire d'un silence“ („Geschichte eines Schweigens“), Isabelle de Gaulmyn, vermutet. In einem Interview beklagt Gaulmyn ihr eigenes Schweigen. Sie sagte, sie habe sich persönlich schuldig gefühlt und hätte seit 2005 handeln können: „Alle waren über die Gerüchte im Bilde“, aber warum hat niemand etwas unternommen?

Was das egentliche Ziel des aktuellen Prozesses gegen Barbarin aus sich der Opfer ist und was die französische Tageszeitung "Le Figaro" zu dem in Europa einzigartigen Verfahren schreibt, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der "Tagespost" vom 10. Januar 2019. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

DT/reg (jobo)