„Meine Tochter – Figlia mia“

Ein Sommer, der alles ändert: In Laura Bispuris Film „Meine Tochter – Figlia mia“ steht ein kleines Mädchen zwischen der Zieh- und der leiblichen Mutter.

Garcias Filmtipp

Die 10-jährige Vittoria (Sara Casu) wächst auf der italienischen Insel Sardinien behütet auf. Insbesondere zu ihrer liebevollen Mutter Tina (Valeria Golino) hat sie ein sehr enges Verhältnis. Am Anfang des Sommers, nach dem nichts mehr sein wird, wie es war, trifft die schüchterne, intelligente Vittoria auf das stadtbekannte Partygirl Angelica (Alba Rohrwacher). Bald folgen andere Begegnungen, und das kleine Mädchen beginnt zu ahnen, dass Angelica ihre wirkliche Mutter sein könnte. Aus finanziellen Gründen will Angelica weg von Sardinien, möchte aber vorher Vittoria treffen. Tina stimmt dem Treffen zu, denn sie hofft, dass die junge Frau für immer aus Vittorias Leben verschwindet. Aber dann verbringen Vittoria und Angelica immer mehr Zeit miteinander – sehr zu Tinas Missfallen.

Der bosnische Kameramann Vladan Radovic fängt nicht nur die flirrende Sommerhitze auf der sonnendurchfluteten Insel ein. Vor allem am Anfang folgt er Angelica mit einer Handkamera, die er nah auf ihren Nacken hält. Dieses, insbesondere aus den Filmen der Dardenne-Brüder bekannte Stilmittel verursacht ein klaustrophobisches Gefühl, das die Lebensverhältnisse Angelicas widerspiegelt. Sie bewegt sich stets zwischen einem hochverschuldeten Hof, der verrauchten und verrufenen Bar und einer Fischfabrik, wo sie sich gelegentlich etwas dazu verdient, und wo Tina und ihr Mann Umberto (Michele Carboni) arbeiten.

Den Trailer zum Film sehen Sie hier:
https://www.youtube.com/watch?v=Wj6iX1L5_Bg

Nebenbei schildern Regisseurin Laura Bispuri und ihre Mit-Autorin Francesca Manieri das eintönige Inselleben. In der Haupthandlung geht es aber ihr um ein Mädchen, das zwischen der Zieh- und der echten Mutter hin- und hergerissen ist, sowie um die Konfrontation der zwei Frauen – auch wenn dabei die beiden Figuren teilweise etwas klischeehaft gezeichnet werden: Tina als fürsorgliche, ordentliche Frau, Angelica als das wilde Leben lebende, unverantwortliche, buchstäblich zerzauste Angelica. Valeria Golino und Alba Rohrbacher lassen ihre Rollen jedoch nicht holzschnittartig werden. Darüber hinaus überzeugt die erst 10-jährige Sara Casu ihrer ersten Rolle durch eine für ihr Alter ungewöhnliche Reife.

DT/José García