Stilbildung auf "Catholisch"

"The Cathwalk" befasst sich mit Stilfragen und dem Thema Männer/Frauen - und liefert damit einen wichtigen Beitrag zum katholischen Lifestyle in Zeiten von Gender Von Peter Winnemöller

Der Name The Cathwalk ist ein Wortspiel aus der englischen Bezeichnung für Katholisch und dem Catwalk. Ein Catwalk ist der Laufsteg bei einer Modenschau. Katholisches und Ästhetik sind die Leitmotive für die Macher des Cathwalk. Entstanden war der Blog im Jahr 2015 als katholischer Lifestyle-Blog. Es war der Versuch, eine Opposition zu einer leibfeindlichen Prüderie zu bilden, die die Macher insbesondere im traditionellen Lager verorteten. Tatsächlich gab es in der Gründungszeit im Umfeld des Blogs die Diskussion, ob Minirock und Alte Messe zusammenpassen. Dem ist The Cathwalk längst entwachsen. Trotzdem kommt er immer wieder mal etwas boulevardesk daher. Das sichert Aufmerksamkeit. Das Blog hat nach eigenen Angaben 4 000 Abonnenten und über 30 000 Zugriffe pro Woche. Es verweist auf eine stolze Reihe von Gastautoren und Interviewpartnern.

MGTOW-Krise gut überstanden – Offen für Diskurs

Zwar spielen Fragen der Ästhetik nach wie vor eine Rolle, doch die Themenpalette ist im Laufe der Zeit immer breiter geworden. Vermehrt kommen dezidierte Glaubensthemen zu Wort. Auch einzelne Beiträge zu geistlichen Themen wie Fastenbetrachtungen finden ihren Platz. Ein Wechsel in der Leitung des Blogs im Jahr 2018 war die Folge eines Diskurses um eine Folge von Artikeln zum Thema MGTOW (Men Going Their Own Way). Die auf zwölf Folgen angelegte Reihe war nach sechs Folgen aufgrund massiver Proteste von Lesern des Blogs abgesetzt worden. Die Artikel des Journalisten André Thiele wurden als extrem frauenfeindlich angesehen. Das Portal hat die Krise unter Leitung des neuen Chefredakteurs Josef Jung gut überstanden.

Bei Theoradar spielen die Cathwalker immer vorne mit. Der Blog findet seine Leser und regt Debatten an. Rund um die umstrittene Aktion „Maria 2.0“ hatte sich die Redaktion von Cathwalk sehr eindeutig positioniert. Das Blog rief sogar zum Sühnerosenkranz wegen der als blasphemisch empfundenen Mariendarstellung auf einem Plakat der Fachschaft Theologie der Uni Freiburg auf. Hier zeigt sich eine Stärke von Cathwalk: Man schätzt die klare Ansage. Man schätzt aber auch den Diskurs. So gab man der Feministin Franziska Holzfurtner die Gelegenheit zu einer Replik auf den ersten Artikel der MGTOW-Reihe. Während die Artikel von Thiele gelöscht wurden, ist die Replik von Holzfurtner noch abrufbar.

Einen Schwerpunkt nehmen Berichte rund um die katholische Tradition ein. In ihrer Selbstbeschreibung betont die Redaktion: „Der Cathwalk sieht in der Alten Messe die katholische Ästhetik am besten bewahrt. Daher betont der Cathwalk die Bedeutung der Tradition für die katholische Kirche.“ Hierbei unterstrichen die Autoren oftmals den Zusammenhang von Jugend und Tradition. Zuweilen vermitteln die Autoren den Eindruck, die Tradition sei eine neue Avantgarde. Etwas provokativ sagt ein namentlich nicht gekennzeichneter Artikel, der Katholizismus alter weißer Liberaler sei so grau wie deren Haare.

Zum Beweis, dass die Tradition jung und agil ist, findet sich unter dem Satz ein Video von der Wallfahrt nach Chartres im Jahr 2016. In der Tat sind hier überwiegend junge Menschen zu sehen. Da ist es wieder, das Boulevard. Auch die Tradition und die Liturgie in der außerordentlichen Form wird von älteren Menschen und vom mittleren Alter besucht. Alles andere wäre denkbar ungesund.

Männer/Frauen- Thema dominiert

Auch nach der MGTOW-Affäre bleibt das Thema Männer/Frauen auf The Cathwalk präsent. Indem einfach Männer- und Frauenthemen von unterschiedlichen Autoren bearbeitet werden, wird auch die Frage nach Männlichkeit und Weiblichkeit immer wieder in den Diskurs eingebracht. Gerade Männer leiden in Zeiten von Gendermainstreaming und Feminismus oft genug unter Identitätskrisen. Aber auch die Frau sucht ihren Platz in der modernen Welt, wenn sie sich denn ihre Fraulichkeit bewahren will. Hier liegt ein großes Potenzial für das Blog, das noch nicht ausgeschöpft ist. The Cathwalk verstand vom Tag seiner Gründung an immer wieder, für Kontroversen zu sorgen. Den Traditionellen war es zu modernistisch, den Liberalen zu konservativ. Den Intellektuellen war es zu sehr Boulevard. Am Ende zählt auch auf dem Markt der Meinungen der Erfolg und diesen hat The Cathwalk unbestritten.