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Ettal: Kloster mit Brautradition

Im Benediktinerkloster Ettal wird seit vierhundert Jahren die Brautradition gepflegt – Auch die „Geister“ werden geschätzt
Kloster Ettal - Beliebtes Reiseziel und bekannte Destillerie
| Blick auf das Kloster Ettal.

Es war im Jahr 1330, als Kaiser Ludwig IV. der Bayer, auf der Reise zurück in sein Reich, das Ettaler Kloster gründete. Als Grundstein verwendete er ein Marienbild, das er aus Pisa mitgebracht hatte. Kaisertreu, ghibellinisch, gesinnt war die italienische Stadt, die dem Kaiser zuvor als Rückzugs-Domizil während seines Streites mit Papst Johannes XXII. gedient hatte, der damals im französischen Avignon residierte. Im Kampf um die Macht hatte Johannes den Kaiser als Ketzer verurteilt, worauf Ludwig die Absetzung des Papstes verkündete.

Gründung des Klosters Ettal

Bei der Gründung des Klosters samt Ritterstift hatte der Kaiser nicht nur religiöse Motive im Sinn. Er wollte damit auf seinem Gebiet vor allem einen südlichen Stützpunkt errichten, um den Weg nach Italien zu kontrollieren und die Handelsstraße von Augsburg nach Verona sichern zu können. So ungewöhnlich wie der Gründungsvorgang ist die Gründung selbst: Denn nicht nur ein Benediktinerkloster wurde ins Leben gerufen, sondern auch ein „Stift mit kaiserlichen Statuten für verehelichte Ritter“.

Abt Johannes von Viktring schreibt über Ettal, dass es ein „monasterium nove consuetudinis et acentus inaudite“, ein „Kloster von neuer und unerhörlicher Art“ ist. Das Außergewöhnliche an dieser Gründung wird deutlich durch die bereits erwähnte „Ritterregel“, die in der Form einer Urkunde eine Lebensordnung für Ritter festlegt. Nach dieser Regel sollte neben den zwanzig Benediktinermönchen auch ein Ritterkonvent unter einem „Meister“ im Ettal seine Heimat finden. Es bestanden sozusagen drei Konvente nebeneinander: der Mönchskonvent unter dem Abt, der Ritterkonvent mit zwölf Rittern unter einem Meister und der Frauenkonvent – zwölf Rittersfrauen und sechs Witwen – unter einer Meisterin.

Für die Gründung des Mönchskonvents wurde der Abt des dem Kaiser nahestehenden Klosters Reichenbach in der Oberpfalz, Friedrich der Heinrichsreutter, beauftragt. Er war der Beichtvater Ludwig IV.

Die Ettaler Ritterregel

Im Zusammenhang mit den zahlreichen Ritterorden des Hochmittelalters ist auch die Ettaler Ritterregel zu sehen, die am ehesten eine Verwandtschaft zur Deutschherrenregel aufweist. Die Frage, ob der Kaiser mit dieser Doppelgründung von Mönchs- und Ritterkonvent die Idee einer „Burg des Heiligen Gral“ verwirklichen wollte, lässt sich wahrscheinlich nicht mehr klären.

Mit dem Tod des Kaisers im Jahre 1347 wurden dem Kloster und dem Ritterkonvent ein Teil der Dotationen durch den Herzog entzogen, und bald – der Zeitpunkt ist nicht bekannt – wurde der Ritterkonvent aufgelöst. Der noch bestehende Mönchskonvent erhielt erst 1368 die kirchliche Bestätigung.

Kloster Ettal heute: Beliebtes Reiseziel und bekannte Destillerie

Heute ist das Kloster Ettal eines der beliebtesten Reiseziele im oberbayerischen Voralpenland. Viele Besucher kommen allerdings nicht nur wegen der weitläufigen Klosteranlage, sondern auch wegen der Destillerie, deren Produkte weit über Bayern hinaus bekannt sind. Hier ist das Revier von Frater Vitalis Maria, der für die Herstellung der Liköre des Benediktinerklosters zuständig ist. Sechs verschiedene Sorten stellt der Frater her: vier Liköre, einen Magenbitter und den berühmten Ettaler Kloster-Geist.

Seit über hundert Jahren stellen die Benediktiner Liköre her und seit 1911 werden sie in ganz Europa vertrieben. Am beliebtesten sind der „Gelbe Liqueur“ mit den wichtigsten Bestandteilen Honig und Safran sowie der „Grüne Liqueur“.

Die neueste Erfindung von Frater Vitalis ist der Heulikör, der aus sechzig verschiedenen Kräutern besteht. Obwohl es den Heulikör erst seit wenigen Jahren gibt, ist er bereits der absolute Renner unter den erlesenen Angeboten. Der Heulikör ist des Ordensmannes ureigenste Erfindung, auf die er besonders stolz ist.

Doch die Mönche produzieren nicht nur edle Destillate zur inneren Anwendung, sondern auch Eau de Cologne, Kosmetika und Rasierwasser. Auf der Internet-Home-page des Klosters wird mitgeteilt, dass „wie zur alten Zeit der Klosterapotheke auch heute die Mönche im Benediktinerkloster Ettal ihre reiche Erfahrung mit Kräutern und Heilsubstanzen zur Herstellung von natürlichen Mitteln der Körperpflege nutzen“. So würden in der klostereigenen Destillerie aus ätherischen Ölen von Blüten und Hölzern auf der Grundlage der natürlichen Pflanzen- und Heilkunde wertvolle Kosmetika kreiert. Jeweils zwei Duftsorten für den Herrn sowie für die Dame, ein Eau de Cologne und auch ein After Shave werden angeboten.

Hervorragende Klosterbiere: Traditionelle Kunst des Bierbrauens

Im bayerischen Kalender ist das Jahr um eine fünfte Jahreszeit erweitert – die Starkbierzeit. Für die gleichbleibende Qualität der Klosterbiere sorgt die sorgfältige Überlieferung und der geradezu wissenschaftliche Ehrgeiz, den die Mönche dem Getränk angedeihen lassen.

So gab es schon in den Klosterarchiven Hinweise auf die medizinische Wirkung des Hopfens. Die Klosterbrauerei Ettal wurde bei internationalen Wettbewerben bereits mehrfach mit Gold ausgezeichnet.

Seit fast vierhundert Jahren wird inzwischen die traditionelle Kunst des Bierbrauens im Benediktinerkloster ausgeübt. Der wissenschaftliche Prüfungsleiter des Wettbewerbs der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), Professor Heinz Miedanner, ist denn auch des Lobes voll:

„Wenn eine so kleine Brauerei mit drei goldenen DLG-Preisen ausgezeichnet wird, so spricht dies für die hervorragende Qualität der Biere.“ Wer beim ältesten Biertest der Welt bestehe, dessen Bier könne zu den Spitzenerzeugnissen gezählt werden, so der Experte.

Im Jahr produziert die Ettaler Klosterbrauerei etwa fünfzehntausend Hektoliter, „Doppelbock“ und das dunkle Bier werden sogar bis nach Finnland exportiert. Zurzeit werden sechs Produkttypen angeboten. Zum ersten Mal in der jahrhundertelangen Tradition ist in der Brauerei ein Bier entstanden, das es noch nicht gab, nämlich ein Spezial-Bock „Curator“ mit einem Alkoholgehalt von neun Prozent – ein normales Bier hat zwischen fünf und sechs Prozent – und einer sehr hohen Stammwürze von 23 Prozent.

Dieses Bier wurde nicht für den deutschen Markt gebraut, sondern findet seine Abnehmer in den Vereinigten Staaten. In einem sehr aufwändigen Verfahren, das etwa das Doppelte der Zeit im Vergleich zu einem normalen Brauvorgang benötigt, entsteht unter der Aufsicht von Braumeister Johann Bechteler der dreifach vergorene und mit einer besonderen Hefe hergestellte „Super-Bock.“ Das relativ hochprozentige Getränk findet vor allem in Pennsylvania und New York seine trinkfesten Abnehmer.

Käse-Kreation mit Kräutermischungen

Im vergangenen Jahr stellte das Kloster seine Vielseitigkeit noch auf einem anderen Gebiet unter Beweis. Bei der Geburtstagsfeier der Schaukäserei in Ettal schnitt der Abt von Ettal eine neue Käse-Kreation an, das „Klostergeheimnis“, ein herzhafter Schnittkäse mit einer besonderen Kräuter-mischung. Frater Vitalis Sittenauer, der Kräuterexperte des Klosters, ließ sich nur so viel entlocken: zehn Kräuter aus dem Wiesmahd der Region bilden die herzhafte Mischung. Auch Hopfen aus der Holledau gehört zu den Ingredienzen.

Zweihundert Besucher strömten zur Geburtstagsfeier, wie das „Garmisch Partenkirchener tagblatt“ berichtete. Neben den Bürgermeistern des Ammertals und dem Käser Matias Taebling waren auch Genossenschaftsmitglieder gekommen, die „das Geld mitgebracht haben“, um die „Schaukäserei Ammergauer Alpen“ gründen zu können. Viele von ihnen halfen tatkräftig mit, sei es bei der Pflege des Käses oder im Brotzeitstüberl. Sie alle wurden von Abt Barnabas Bögle gelobt: „Ein Staat, der stabil sein will, braucht Bauern, die den Boden bewirtschaften, der das Staatsgut ausmacht.“ Die Käserei trage nun zu deren Unterhalt und zur Erhaltung der Landschaft bei. Damit liefere sie einen Beitrag zur Stabilität.

Weiter Informationen erhalten Sie unter:

Benediktinerabtei Ettal Kaiser-Ludwig-Platz 1
D-82488 Ettal https://www.kloster-ettal.de/

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