Zum Glück gibt es jemanden, der selbst aus dem Schlechten noch Gutes entstehen lassen kann – das wusste schon der heilige Augustinus.
Leihmutterschaft ist und bleibt ein Übel: Erwachsene stellen ihren Kinderwunsch über das Recht und die Sehnsucht eines Kindes, bei seiner Mutter aufzuwachsen. Das Kind wird von Anfang an mit dem Ziel gezeugt, direkt nach der Geburt der Frau entrissen zu werden, die es neun Monate lang getragen hat, um die Bestelleltern glücklich zu machen. Darüber dürfen auch die Happy-End-Fotos von Jens Spahn und Ehemann Daniel Funke mit Kinderwagen nicht hinwegtäuschen.
Jetzt kommen die „Wish for a baby“-Messen ins Visier
Dennoch kann man dankbar sein, dass Spahn – anders als Hendrik Streeck – offen ausgesprochen hat, wie sie ihr Kind „erworben“ haben. Endlich richtet sich der öffentliche Blick auf das dreckige Geschäft der Leihmutterschaft. Manche Medien berichten nun endlich auch darüber, dass in Deutschland neben der Leihmutterschaft selbst auch deren Anbahnung und Vermittlung verboten ist, aber dennoch stattfindet: auf den sogenannten Kinderwunschmessen, die jährlich in Berlin und Köln veranstaltet werden.
Wer eine solche Messe besucht hat, weiß: Sie unterscheidet sich mitnichten von anderen kommerziellen Messen, auf denen Motoren oder Roboter beworben und durch Vertragsabschluss verkauft werden. Nur das Produkt ist ein anderes. Auf einer „Wish for a baby“-Messe können Interessierte Werbeflyer von Leihmutterschaftsagenturen erhalten und auf Anfrage auch Preislisten – oder sogar Verträge. All das ist, wie gesagt, rechtswidrig, wird bislang aber kaum kontrolliert und sanktioniert.
Jens Spahn ist infolge des innerparteilichen und gesellschaftlichen Drucks von seinem Amt zurückgetreten. Es bleibt zu hoffen, dass das Geschäft mit dem Kinderwunsch medial nicht gleich wieder in der Versenkung verschwindet und sich der Druck nun nicht nur gegen die illegale Anbahnung richtet, sondern auch gegen die gesetzliche Möglichkeit, durch Leihmutterschaft im Ausland geborene Kinder in Deutschland anerkennen zu lassen.
Italien ist viel weiter
Italien ist hier viel weiter. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni bezeichnet Leihmutterschaft als „unmenschliche Praxis“ und hat die politischen Konsequenzen gezogen: Weit ab von jeglicher Verniedlichung wird die Inanspruchnahme einer Leihmutterschaft im Ausland seit 2024 rechtlich als „universelles Verbrechen“ eingestuft. Wunscheltern, die diesen Weg im Ausland wählen, drohen bei der Rückkehr nach Italien hohe Geldstrafen sowie Gefängnisstrafen von bis zu zwei Jahren. Wer dies für unverhältnismäßig hält, sollte sich damit auseinandersetzen, weshalb die UN-Sonderberichterstatterin für Gewalt gegen Frauen und Mädchen, Reem Alsalem, Leihmutterschaft als „System von Gewalt, Ausbeutung und Missbrauch gegen Frauen und Kinder“ bezeichnet.
Leihmutterschaft ist ein Übel für Leihmütter wie für die daraus entstandenen Kinder. Deshalb ist es zu begrüßen, dass die Debatte darüber nun neue Aufmerksamkeit erhält. Danke, Herr Spahn!
Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.






