Nicht nur in Europa stieß Donald Trump mit seinen Annexionsplänen gegenüber Grönland viele vor den Kopf. Auch weiter südlich lösen sie böse Vorahnungen aus. Selbst wenn in afrikanischen Ländern die Lage nahe dem Nordpol zunächst als eine europäisch-amerikanische oder globale geopolitische Krise wahrgenommen wird, fragen sich die Regierenden mancherorts zwischen Kairo und Kapstadt, ob der US-Präsident seine Gebietsansprüche demnächst auch auf ihr Land richtet, denn auch Afrikas Länder bergen viele begehrte Rohstoffe und befinden sich in geopolitisch wichtiger Lage zwischen dem amerikanischen Doppelkontinent und Asien.
So werden Trumps Pläne in afrikanischen Medien als Teil einer schwer berechenbaren US-Außenpolitik wahrgenommen. Manche denken auch an Trumps Militärschlag gegen IS-Kämpfer in Nord-Nigeria an Weihnachten. Ebenso wurden die Befürchtungen beim Besuch von Außenminister Johann Wadephul in Kenia und Äthiopien vor wenigen Tagen spürbar. Trumps Politik verfolgte Wadephul in Ostafrika, und parallel dazu kam es beim Weltwirtschaftsforum in Davos zum großen Showdown im Grönland-Streit.
Es geht um Macht und wirtschaftliche Interessen
Auch mit einem anderen Vorstoß löste Trump einen Schock aus, der in Afrika die Sorge vor Zugriffen aus Washington befeuerte. Somalia, so Trump in seiner Rede in Davos, sei ein gescheiterter Staat: „Kein Staat, keine Regierung, keine Polizei, kein Militär, gar nichts.“ Einwanderern aus Somalia in den USA wirft er räuberische Energie und Hinterlist vor – als Begründung, Visaverfahren für 23 afrikanische Länder in den USA auf Eis zu legen. Dabei ist Trumps Sicht auf Afrika geprägt von einer guten Portion Hinterlist. Einerseits sieht er mit großer Abfälligkeit auf viele der 54 Länder des Kontinents. Somalia ist da nur ein Beispiel. Als „Drecksloch-Länder“ hatte der US-Präsident 2018 afrikanische Staaten bezeichnet und den Kontinent während seiner ersten Amtszeit weithin ignoriert. Doch das ändert sich derzeit, denn die US-Regierung hat erkannt, welche Bedeutung in den Ressourcen liegt, die in afrikanischen Böden ruhen. Sie kommen ihr gerade recht für neue Deals, mit denen Trump seine „America-first“-Politik im Ausland umsetzt. Dabei gilt es stets, maximalen Vorteil herauszuholen.
Deshalb umgarnt Trump seit Neustem einzelne Staatschefs in Afrika, etwa im Rahmen seines Deals im Herzen des Kontinents. Im Dezember 2025 wurden die „Washington Accords“ zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Ruanda unterzeichnet. Nach außen gab sich Trump als Friedensstifter im jahrzehntelangen Konflikt zwischen Kigali und Kinshasa im Osten Kongos, verbunden mit einem Schielen auf den Friedensnobelpreis. Unabhängig davon, dass die Gewalt im Ostkongo nicht wirklich gestoppt werden konnte, ging es vor allem um Macht, Einfluss und wirtschaftliche Interessen. So sollen die Abkommen, vermittelt von den USA, amerikanischen Firmen bevorzugten Zugang zu wichtigen Mineralien im Ostkongo verschaffen und die Region durch Infrastrukturprojekte, wie die Entwicklung eines Transportkorridors, an westliche Märkte anbinden. Damit will Trump auch den Einfluss seines mächtigen Rivalen China in Afrika eindämmen.
Die Führung in Nairobi bewertet die Vereinten Nationen hoch
Frieden durch gesicherte Handelsstrukturen, das mag irgendwie gelingen, auch wenn Frieden nicht mehr Selbstzweck, sondern nur noch Mittel zum Zweck ist. Was aber kaum funktionieren dürfte, ist Trumps selbst gebaute Weltordnung mit ihm und seinem Friedensrat an der Spitze. Aus Afrika sind nur Marokko und Ägypten beigetreten, das dürfte nicht nur am hohen Eintrittspreis von einer Milliarde US-Dollar liegen, sondern am Konstrukt selbst. Trumps Friedensrat vermittelt früheres koloniales Denken mit der Ausübung von Herrschaft durch den Stärkeren und der Durchsetzung von Macht durch den Reicheren. Kein Wunder, dass solche Ansätze in Afrika, wo für Freiheit und Selbstbestimmung große Opfer gebracht wurden, nicht gut ankommen. Einen ähnlichen Geist atmet Amerikas neue Nationale Sicherheitsstrategie. Sie stellt den „America-first"-Ansatz in den Mittelpunkt der Außenpolitik. Nicht nur in Europa, sondern auch in Afrika ist man – bei aller Kritik an den Vereinten Nationen – alarmiert, da die Zukunft der Weltordnung in bisheriger Form infrage gestellt wird.
Eine Ordnung, von der der Kontinent durchaus profitiert hat. So konnte die Kindersterblichkeit durch internationale Entwicklungszusammenarbeit massiv zurückgedrängt werden. Hinzu kommt, dass manche afrikanische Länder eng eingebunden sind in die Architektur der Vereinten Nationen, deren Befürworter Trumps Friedensrat als Frontalangriff betrachten. Mit seinem klaren Bekenntnis zu den Vereinten Nationen und gegen den Friedensrat rannte Wadephul in Kenia offene Türen ein. Das Land ist ein führender Akteur bei der Gestaltung und Durchführung von UN-Missionen, insbesondere in Krisengebieten wie Haiti. Die Führung in Nairobi bewertet die Vereinten Nationen dementsprechend hoch. Dass Trump, abgesehen von Ägypten und Marokko, keine afrikanischen Länder in seinen Friedensrat eingeladen hat, wurde daher in Kenia, einem wichtigen Land für die wirtschaftliche Entwicklung und die Stabilität in Ostafrika, durchaus registriert. Bei aller Notwendigkeit grundlegender Reformen im Gefüge der Vereinten Nationen hob der kenianische Außenminister Mudavadi die Bedeutung der Organisation zur Konfliktlösung hervor: „Aus kenianischer Sicht ist es wichtig, Institutionen wie die Vereinten Nationen zu stärken, da die gesamte globale Friedensarchitektur auf dem UN-Rahmenwerk basiert. Wir sind überzeugt, dass Multilateralismus der richtige Weg ist.“
Kenia: Gebeutelt vom Stopp der US-Entwicklungszusammenarbeit
Wie viele andere Staaten Afrikas ist Kenia arg gebeutelt vom Stopp der US-Entwicklungszusammenarbeit, deren Organisation USAID von Trump aufgelöst wurde. Auch das Thema Zölle stößt bei vielen Afrikanern übel auf. Ab August 2025 verhängte Trump neue Zölle auf Importe aus vielen afrikanischen Ländern, wobei Südafrika mit 30 Prozent auf Waren wie Stahl, Aluminium und Autos besonders hart getroffen wird. Ähnlich wie in Nairobi wird es auch bei der Afrikanischen Union (AU) in Addis Abeba, in Pretoria, der Hauptstadt des starken Südafrika, oder in Abuja, der Kapitale des bevölkerungsreichsten Staates des Kontinents, Nigeria, gesehen. Dennoch ist es nicht ausgeschlossen, dass Trumps Friedensrat und seine Politik der nationalen Alleingänge Fuß fassen in Afrika.
Rohstoffreiche Länder, die bisher nicht sehr beachtet wurden, könnten das Zünglein an der Waage sein: Sambia, Mosambik oder Angola. Auch nutzen viele afrikanische Staaten das heute deutlich reichhaltigere Angebot, strategische Partnerschaften einzugehen. Der Westen steht hier längst nicht mehr allein: China ist schon länger da, ebenso Russland (vor allem für die Staaten des Sahel), die Vereinigten Arabischen Emirate oder die Türkei. Ihre Angebotspalette ist bunt. Wer wollte es den Ländern Afrikas mit Blick auf die Geschichte übel nehmen, dass sie frei wählen? Ob immer die richtigen Entscheidungen getroffen werden, steht auf einem anderen Blatt.
Der Autor ist Journalist und Afrika-Experte.
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