Wer sich einmal erpressen lässt, wird immer erpresst. Das allein mag für die Europäer schon Grund genug sein, der ultimativen Aufforderung von US-Präsident Donald Trump zum Kriegseintritt im Persischen Golf ein klares Nein entgegenzuhalten. Trump hat den Krieg gegen den Iran begonnen, ohne seine Motive, Mittel und Ziele mit den europäischen Verbündeten abzustimmen. So kann er jetzt keine andere Reaktion erwarten als die Auskunft: „Das ist nicht unser Krieg!“
Anstelle einer Bitte um Unterstützung sprach er einen mit Drohungen garnierten Marschbefehl aus – und stieß die bisher pädagogisch geduldigen Partner zusätzlich vor den Kopf. Die stellten jetzt klar: Weder die NATO, die ein Verteidigungs- und kein Interventionsbündnis ist, noch ihre Mitgliedstaaten werden Trump aus dem persischen Schlamassel holen, in das er sich viel tiefer verstrickt hat, als er vorhersah. Ein verständliches, wohlbegründetes Nein, aber auch ein folgenreiches!
Über Interessen und „Deals“ hätte man mit Trump sprechen können
Die USA haben im Orient oft Krieg gebracht und Chaos gestiftet, ohne den langen Atem für den Aufbau einer halbwegs erträglichen Ordnung zu haben. Das war so im Irak ab 2003, und das droht sich nun im Iran zu wiederholen. Die Folgen verwunden den Orient, aber auch Europa. Denn die Blockade der Straße von Hormus und Teherans Attacken auf die Golfstaaten treffen die von Energieimporten abhängige Wirtschaft Europas noch härter als die USA. Auch die Migrationswellen, die ein iranischer Staatszerfall oder blutige Racheakte des Mullah-Regimes auslösen können, würden in Europa anlanden, nicht in Amerika. Vom kollabierenden Libanon, dem europäischsten Land der arabischen Welt, ganz zu schweigen!
Nicht die NATO, aber ihre europäischen Mitglieder hätten darum einige Gründe, mit Trump über seine und ihre Interessen in der Region ins Gespräch zu kommen. Das hätte den selbstherrlich agierenden US-Präsidenten dazu genötigt, seine Kriegs- und Friedensziele auf den Tisch zu legen, den Europäern einmal zuzuhören und Europa auch in die Ukraine-Verhandlungen einzubinden. Völkerrechtliche und idealistische Positionen versteht Trump ja offenbar nicht, aber über Interessen und „Deals“ hätte man mit ihm in diesem Zeitfenster seiner Not sprechen können.
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