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Prüfstein für Macron

Im Kampf Frankreichs gegen den radikalen Islam existieren zwei Fronten. Präsident Macron droht sich zu verkämpfen.
Große Moschee in Paris
Foto: Benjamin Mengelle via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Gläubige Moslems in der Großen Moschee in Paris beim Freitagsgebet: Macron spürt das Unbehagen im Volk, mithin der Wählerschaft. Er wird etwas tun und entscheiden müssen gegen den "Islamismus in der Luft".

Frankreichs Geschichte mit dem Islam ist fast so alt wie der Islam selbst. Jedes französische Schulkind weiß mit der Zahl 732 bei Tours und Poitiers etwas anzufangen. Man hielt sich den Islam vom Leib und nutzte die Muslime für geopolitische Ziele. Zum internen Problem ist der Islam erst geworden seit der Unabhängigkeit der ehemaligen Kolonien. Heute liegt in Frankreich, wie der Orientalist Gilles Kepel sagt, „Islamismus in der Luft“. Sieben Millionen Muslime sind es, darunter viele radikale. 57 Prozent der muslimischen Jugendlichen räumen der Scharia Vorrang vor den Werten und Gesetzen der Republik ein. 

Drei Verbände verweigern sich – eine Kampfansage

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Das ist für jede Regierung eine Herausforderung. Macron und sein Innenminister Darmanin kämpfen hier an zwei Fronten. Da ist zum einen der Islam selbst. Mit einer Charta des Islam in Frankreich will man die acht Verbände verpflichten, den Primat der Republik (Gleichheit aller Menschen, auch von Mann und Frau, keine Gewalt, keine Einmischung von außen, Trennung von Politik und Religion, etc.) anzuerkennen. Drei Verbände verweigern sich – eine Kampfansage. Zwar repräsentieren diese drei nur 15 Prozent der Muslime, aber es sind eben die radikaleren. Ihre Imame kommen überwiegend aus der Türkei und werden auch von Ankara gelenkt.

Die zweite Front ist ein Gesetz zur Stärkung der Prinzipien der Republik“. Es wird seit Montag in der Nationalversammlung diskutiert und angesichts der rund 2600 Änderungsanträge dürfte es deutlich anders aus den Beratungen im Palais Bourbon und aus dem Senat herauskommen, als es dort vorliegt. Auch die Kirchen laufen Sturm dagegen. Denn es droht zu einem Kontroll-und Polizeigesetz zu werden, wie der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz warnt. Macron spürt das Unbehagen im Volk, mithin der Wählerschaft. Er wird etwas tun und entscheiden müssen gegen den „Islamismus in der Luft“. Hier kommt er mit seiner Linie des „sowohl als auch“ nicht weiter. Zwei Fronten – Macron droht sich zu verkämpfen.

Weitere Hintergründe zu Frankreichs Kampf gegen den radikalen Islam erfahren Sie in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

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Jürgen Liminski

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