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Kommentar um "5 vor 12": Aufklärung allein reicht nicht

Aber Macrons Kampfansage an den radikalen Islam geht in die richtige Richtung.
Frankreichs Präsident Macron
Foto: Francisco Seco (AP Pool) | Der Analyse des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron über den radikalen Islam in Frankreich liegt Realismus zugrunde.

Es gibt auch eine positive Seite kolonialer Erfahrungen. Frankreich hat sie mit dem Islam gemacht und das kommt dem Land nun zugute. Experten wie Gilles Kepel oder dessen Schüler Bernard Rougier zeichnen jenseits der Faszination dieser Religion, die man in Deutschland wie in Trance sieht, ein realistisches Bild über den Islam und den Krisenhalbmond zwischen Casablanca und Taschkent. Dieser Realismus liegt der Analyse des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron zugrunde, die er in einer Grundsatzrede über den radikalen Islam in Frankreich jetzt ausgebreitet hat.

Ganze Stadtviertel geistig und physisch besetzt

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Rougier hat zum Beispiel in seinem jüngsten Buch (Les territoires conquis de l’Islamisme), empirisch-wissenschaftlich belegt, wie der radikale Islam in Frankreich ganze Stadtviertel und Kommunen erst geistig erobert und dann auch physisch besetzt hat. Es sind Gettos entstanden, in die sich kaum ein Franzose mehr traut. Die Sicherheitsdienste haben mehr als 150 solcher „besetzten Gebiete“ ausgemacht. Es handele sich, so Rougier, um die „logische Verlängerung der salafistischen Revolution vom Vorderen Orient nach Europa“. Macron will diese Gebiete zurückerobern. 

Das geht vor allem mit Bildung. Denn totalitäre Ideologien kann man auf Dauer nur bekämpfen, indem man ihre absolutistischen Sackgassen offenlegt. Macron will einen „aufgeklärten Islam“ für Frankreich. Aber auch das ist problematisch. Denn der Islam ist ambivalent. Radikale und Moderate berufen sich gleichermaßen auf den Koran. Einen wahrhaft moderaten Islam kann es nur geben, wenn man die von Blut tropfenden Suren historisch einordnet. Das wiederum verbietet der Islam, weil er den Koran als authentisches Wort Allahs betrachtet. 

Macron von manchen Imamen gelobt

Macron ist von manchen Imamen für seine Rede und Reformbemühungen gelobt worden. Seine Kampfansage an den radikalen Islam ist zu begrüßen. Aber Aufklärung allein reicht nicht. Werner Bergengruen hat einmal gesagt, Religion sei etwas für die Klugen und die Kleinen, für die Mittelklasse habe man die Aufklärung erfunden. Mit anderen Worten: Bei Fragen des Geistes und des Glaubens zählt letztlich nur die Wahrheit. Und manchmal kommt man ihr eben nur in kleinen Schritten näher.

Weitere Hintergründe erfahren Sie in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

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Jürgen Liminski

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