Papstreise: Treffen mit Chiles Ureinwohner wird zur Gratwanderung

Seit langem kämpfen die Mapuche im Süden des landes um gesellschaftliche Anerkennung. Jetzt erwartet Chile eine Geste des Paptes, um den Konflikt zu entschärfen.

Beim Papstbesuch in Chile stehen auch die Probleme der indigenen Mapuche auf der Tagesordnung von Franziskus. Am 17. Januar reist er nach Temuco im Süden des Landes. Die Stadt liegt mitten im Mapuche-Land. Die dort lebenden Ureinwohner sind seit Jahren immer wieder in den Schlagzeilen: mit Hungerstreiks, Straßenblockaden, einzelnen gewalttätigen Aktionen - ihren verzweifelten Waffen gegen die Entrechtung. Waffen, gegen die die chilenischen Behörden in früheren Jahren immer noch schärfere bereithielten: die Anwendung von Gesetzen zur Terrorbekämpfung; Verhaftungen ohne Begründung, Zulassung anonymer Zeugenaussagen, Aburteilung durch Militärgerichte. Die Extreme einer seit 150 Jahren anhaltenden Unterdrückung und Diskriminierung. Chiles linke Staatspräsidentin Michelle Bachelet hat sich zwar erst vor kurzem für das historische Unrecht entschuldigt, das den Mapuche in der jüngsten Geschichte widerfahren sei. Doch ein gesellschaftlicher Dialog darüber kommt nicht in Gang - und erst recht keine rechtlichen Maßnahmen, die Unrecht wiedergutmachen würden.

Sozial zählen die Mapuche in Chile zum ärmsten und am wenigsten gebildeten Teil der Bevölkerung. Schätzungen zufolge gibt es noch rund 600 000 Mapuche im Süden Chiles. Hunderttausende weitere leben größtenteils kulturell entwurzelt in der Hauptstadt Santiago. Nur noch 10 bis 15 Prozent sprechen aktiv ihre traditionelle Sprache.

In einer Umfrage vor dem Papstbesuch befürchtete eine Mehrheit, dass die Visite von Franziskus den Konflikt sogar noch verschärfen könnte. Chile erwartet eine Geste und vielleicht auch einen Ratschlag des Papstes, um aus der verfahrenen Situation herauszukommen.

DT/KAP

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