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Licht und Schatten des Donald Trump

Nach 100 Tagen im Amt kann man Trump für einiges loben. Doch davon sollte man sich nicht blenden lassen. Er schafft Verunsicherung auf Gebieten, die auch Christen nicht kaltlassen können.
US-Präsident Donald Trump 100 Tage im Amt
Foto: IMAGO/Francis Chung (www.imago-images.de) | Nicht alle, aber viele Themenfelder, auf denen der Republikaner gerade wildert, können auch Christen nicht kaltlassen oder von ihnen mit einem Schulterzucken quittiert werden.

Nach den ersten 100 Tagen eines US-Präsidenten Bilanz zu ziehen, schien schon immer ein ziemlich willkürliches Unterfangen zu sein. Es handelt sich um nichts anderes als einen von einer hübschen runden Zahl definierten Zeitraum. Der aber hat weder Auswirkungen auf das Urteil des Volkes hat, noch gilt er der amtierenden Regierung selbst als Marke für die Bewertung ihres Erfolgs. Schon gar nicht, wenn der Regierungschef Donald Trump heißt – und seine ganz eigenen Maßstäbe anlegt.

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Will man Trump ein erstes Zwischenzeugnis ausstellen, so muss man erst einmal die Geschwindigkeit anerkennen, mit der seine Regierung in den vergangenen drei Monate quasi alle Bereiche – von der Innen- über die Wirtschafts- bis zur Außenpolitik – umgekrempelt hat. „Flood the zone with shit“, nannte Trumps Ex-Berater Steve Bannon diese Strategie. Etwas höflicher ausgedrückt: So viele Pflöcke einschlagen, bis man irgendwann den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Und die wirklich dicken, folgenschweren Bretter im ganzen Gestrüpp der Regierungspolitik medial manchmal gar nicht mehr wahrgenommen werden.

Gesellschaftspolitisch zum gesunden Menschenverstand zurückgekehrt

Doch damit ist noch nichts über die inhaltliche Qualität von Trumps Direktiven gesagt. Dazu lässt sich festhalten: Eine Bilanz der ersten 100 Stunden von Trumps zweiter Amtszeit würde deutlich positiver ausfallen als jene der ersten 100 Tage. Denn in den ersten Tagen erließ der 78-Jährige bereits Dutzende Dekrete und begrub die Politik seines Vorgängers Joe Biden mit wenigen Federstrichen.

Vieles davon kann man loben: So stoppte er die Förderung und Finanzierung von Transgender-Operationen Minderjähriger, schrieb fest, künftig nur noch zwei Geschlechter anzuerkennen und schränkte zudem die staatliche Finanzierung von Abtreibungen massiv ein. Man erkennt: Es ist hauptsächlich die gesellschaftspolitische Bühne, auf der Trump aus konservativer Sicht endlich wieder zu einer Politik des gesunden Menschenverstandes zurückkehrte und schwerwiegende Fehlausrichtungen unter der Ära Biden korrigierte.

Nur ein selektiv christliches Menschenbild

Gleichzeitig hat Trump auf zahlreichen Gebieten, wie etwa der Migrations-, Zoll- oder Außenpolitik, einen Kurs eingeschlagen hat, der oft mit dem Wort „erratisch“ beschrieben wird. Besser zusammenfassen lässt er sich aber als „kalkuliertes Stiften von Verwirrung“. Das Ziel: neue Wege einzuschlagen, um einfach mal zu sehen, wohin sie führen. Damit stellt Trump jedoch die nach dem Zweiten Weltkrieg gewachsene westliche Wertegemeinschaft in Frage und sorgt für massive Verunsicherung: bei den langjährigen transatlantischen Partnern, der Ukraine, bei Einwanderern mit unsicherem Aufenthaltsstatus und auch bei nationalen wie internationalen Märkten. Die Liste ließe sich weiter fortsetzen. Welchen Schaden er damit anrichtet, wird man wohl erst mit etwas Abstand sehen.

Nicht alle, aber viele Themenfelder, auf denen der Republikaner gerade wildert, können auch Christen nicht kaltlassen oder von ihnen mit einem Schulterzucken quittiert werden. Denn unterm Strich zeigt Trump, dass er trotz lobenswerter gesellschaftspolitischer Weichenstellungen und teils frommer Rhetorik bestenfalls nur selektiv einem christlichen Menschenbild anhängt, zumindest wenn man darunter die bedingungslose Würde aller versteht. An „America first“ muss per se nichts falsch sein. Allzu oft scheint für Trump aber „America only“ zu gelten. Auch Christen sollten sich davon nicht blenden lassen.

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