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L'Express: In Schweden grassiert die Clan-Kriminalität

Seit Jahren beherrschen Bandenkriege den Alltag der Bewohner Schwedens, berichtet das französische Magazin L'Express. Zum ersten Mal nehme die Regierung davon Kenntnis und suche nach Lösungen.
Kriminalität in Schweden
Foto: Imago Images | Zum ersten Mal nun habe die politische Klasse das Thema Banden-Kriminalität angesprochen, so L'Express, unter Beteiligung aller im Parlament vertretenen Parteien.

Wie das französische Nachrichtenmagazin L’Express in einem Beitrag mit dem Titel „Schweden in Zeiten der Vendetten“ berichtet, hat sich seit Jahren insbesondere in den Großstädten eine Clan-Kriminalität breitgemacht. Lange Zeit von den herrschenden Sozialdemokraten und Grünen heruntergespielt und nicht zur Kenntnis genommen, „scheint das Land nicht imstande zu sein, den Kreislauf der Selbstjustiz zwischen rivalisierenden Banden zu stoppen“, wie die Zeitschrift notiert. 

Unschuldiges Opfer des Bandenkriegs

Vor wenigen Wochen forderte der Bandenkrieg erneut ein unschuldiges Opfer. Ein zwölfjähriges Mädchen wurde während eines Spaziergangs mit seinem Hund in Botkyrka, einem Außenbezirk von Stockholm, von einem Querschläger getroffen und getötet. Was die Schweden zutiefst erschüttert hatte, sei jedoch nur einer dieser Vorfälle, bei denen Banden das Recht selbst in die Hand nehmen und unter sich Krieg führen. Die jungen Kriminellen forderten sich gegenseitig mit Maschinenwaffen, Granaten und Sprengstoffattentaten heraus.

Die Hauptstadt Stockholm ist regelmäßiger Schauplatz dieser „Vendetta“, von der weder die schönen Stadtviertel noch kleinere Städte verschont blieben, so L‘Express. Zwischen 2014 und 2018 habe sich die Anzahl der durch Kugeln getöteten Männer zwischen 20 und 29 Jahren in dem etwas mehr als 10 Millionen zählenden skandinavischen Land verdreifacht. Allein im Jahr 2019 seien 17 infolge von Bandenkriegen ermordete Personen registriert worden. In Malmö, der drittgrößten Stadt des Landes, in der es früher so ruhig zuging, sei diese Anzahl seit 2011 auf 47 Tote gestiegen. 

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Christdemokraten fordern Handeln der Regierung

Zum ersten Mal widme sich Schweden diesem Problem, wie L’Express schreibt. Zum ersten Mal nun habe die politische Klasse das Thema angesprochen, unter Beteiligung aller im Parlament vertretenen Parteien. „Worauf warten Sie, um zu handeln?“, fragte die Parteivorsitzende der Christdemokraten, Ebba Busch, die rot-grüne Regierung im Parlament. Der Liberale Johan Pehrson schlug Alarm: „Die Gangs töten unsere Töchter und machen das Lebenspotenzial unserer Söhne zunichte“.

Bis Juni hätten Polizei-, Steuer- und Zollbehörden sieben Monate lang ihre Kontrollen verstärkt, so L’Express. Dabei lag der Fokus besonders auf Malmö, das sich durch die Nähe zu Dänemark, mit dem es über eine Brücke verbunden ist, von einer südländisch anmutenden Stadt zu einem Eingangstor für den Handel von Drogen und Waffen gewandelt habe. Auch das kriminelle Bandenprofil habe sich verändert: „Zu Beginn der Neunzigerjahre stritten sich Mitglieder der Hells Angels und der Bandidos am Rand einer friedlichen Gesellschaft um die Kontrolle über den Handel mit Drogen und Waffen aus den Balkanländern“, erinnert sich das Magazin. Obwohl diese schwedischstämmigen Motorradfahrer im Hintergrund immer noch aktiv seien, wurden sie „von den wenig strukturierten Banden überholt, die sich aus jungen Migranten der zweiten Generation oder von im Ausland geborenen Einwanderern zusammensetzen“. Kommissar Glen Sjögren, der die heutigen Bandenführer hat aufwachsen sehen, wird zitiert: „Die Lederjacken sind Familienväter geworden, die entsetzt über ihre arabischen Nachfolger sind, bei denen der Colt locker sitzt“.

Schweden ist – L’Express zufolge - das Land der Europäischen Union, das im Verhältnis zu seiner Bevölkerung die höchste Anzahl von Asylbewerbern aufgenommen hat. DT/ks

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