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Joints und Spiele: Der Maskenminister und die Betäubung der Massen

Manipulation und Ruhigstellung statt Mündigkeit und Bildung? Über den Zusammenhang von legalisiertem Cannabis-Konsum und Fremdbestimmung.
Kabinett - Cannabis-Legalisierung
Foto: Fabian Sommer (dpa) | In der gesundheitsbewussten Postmoderne wird das Weißbrot als Zuckerlieferant durch den sehr viel grüneren Joint ersetzt - und Bildung und Schöpferkraft durch Fremdbestimmung, Nihilismus und Resignation.

Endlich ist es soweit! Die Generation der Lauterbachs erfüllt sich ihren Jugendtraum des freien Cannabis-Konsums. Die große Gras-Liberalisierung, die sich die laut Gesundheitsministerium rund 4,5 Millionen Hasch-Konsumenten in Deutschland wünschten, bleibt jedoch aus. Stattdessen schlägt der Maskenminister ein Modell vor, das deutscher nicht sein könnte: Die erlaubten Hanfmengen gibt es nach gut deutscher Manier in staatlich anerkannten Vereinen. Vielleicht ein Versuch, den Millennials das piefig verschriene Vereinswesen in Deutschland näher zu bringen? In jedem Fall wird die Entkriminalisierung des Cannabisanbaus und -konsums ohne Zweifel zu einer erhöhten Präsenz des streng riechenden Rauchs in deutschen Städten führen.

Eine Droge der Angst und Resignation

Bei einer gesellschaftlichen Stimmung, die Tabakkonsum als eine der letzten Sünden der Postmoderne verbannt, stellt sich die Frage, warum ausgerechnet der Konsum von Cannabis so gnädig bewertet wird, insbesondere, da auch das Passivrauchen von Joints für die Mitraucher schädlicher ist als das von Zigaretten. Bemerkenswert scheint besonders der Aspekt, dass es sich bei Cannabis nicht um eine Aufputschdroge handelt, die etwa Konzentration oder Leistungsfähigkeit fördert. Ganz im Gegenteil zählt die Techniker-Krankenkasse als Wirkungen und Nebenwirkungen Angst- und Panikgefühle, Orientierungslosigkeit, verminderte Reaktionsfähigkeit, Erinnerungslücken, depressive Verstimmungen, Herzrasen, Übelkeit oder Schwindel und Halluzinationen auf.

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Eine Droge der Angst und Resignation. Vielleicht die perfekte Droge der Manipulation und Ruhigstellung im Kostüm eines unangepassten Woodstock-Hippies der Generation Lauterbach oder rebellischer Möchtegern-Gangster an der Bushaltestelle. Diese reglementierte Rebellion in Form staatlich erlaubter Mitgliedschaft in Kifferclubs ist ein übelriechender Weg in eine selbst verantwortete Unmündigkeit der Bürger. Eine solche Politik der Legalisierung eindämmernder Substanzen lässt an die „Brot und Spiele“-Politik der späten römischen Republik denken – wobei das Weißbrot als Zuckerlieferant in der gesundheitsbewussten Postmoderne durch den sehr viel grüneren Joint ersetzt wird.

Der Weg in die selbstgewählte Unmündigkeit

Nicht die freiheitliche Befähigung des Einzelnen zu Großem scheint Ziel einer solchen Maßnahme, sondern die Betäubung der Massen. So arrogant die heutige Gesellschaft sich über vorherige, „vormoderne“ Generationen erhebt, umso hässlicher zeigt sich der scheinbar freiwillige Weg in die selbstgewählte Unmündigkeit. Ein Grund für das Ertragen der Umdrehung des Freiheitsbegriffs und die freiwillige Unterordnung unter absurdeste Formen von Fremdbestimmung liegt heute ebenso wie zur Zeit Juvenals, Rousseaus oder Schillers im Verlust echter Bildung.

Wenn anstelle von Dante, Machiavelli oder Locke im Politikabitur Luisa Neubauer behandelt werden, verwundert das nicht. Wenn Bildung statt Befähigung, vor allem die Dekonstruktion der geschichtlichen und kulturellen Identität beinhaltet, unterstützt sie diese Entwicklung vielmehr. Statt Betäubung und Verwirrung braucht es die Ermutigung und Bestärkung der nächsten Generation, die schöpferische Kraft ihres Geistes zu entfalten. Der Rebell von heute ist weder ein 68er-Hippie mit Joint im Mundwinkel, noch der in digitalen Welten versunkene Zocker im verkifften Keller. Der Rebell von heute ist der Mensch mit Buch, der leise Denker, der Kämpfer gegen die eigene Trägheit. Das ist der beste Widerstand gegen die zerstörerische Macht von Fremdbestimmung, Nihilismus und Resignation.

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Reinhild Rössler

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