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Iranische Machtspiele

Amerikas arabische Freunde im Orient brauchen Frieden und Stabilität, doch der Iran dreht selbstsicher an der Eskalationsschraube
Gedenkfeier für Ali Khamenei
Foto: IMAGO/Fatemeh Bahrami (www.imago-images.de) | Die Führungsriege des Iran sieht sich als Sieger: Sie hat bewiesen, dass ihr politisches System stabiler und – trotz der gezielten Tötungen ihres Revolutionsführers Ali Khamenei sowie zahlreicher Generäle und ...

Der Krieg ist zurück im Persischen Golf. Das Memorandum von Juni, das in einen stabilen Frieden münden sollte, hat – wenig überraschend – nicht gehalten. Warum, so fragt man sich nicht nur in Washington, haben die Iraner einen für sie so vorteilhaften Deal mit Donald Trump mutwillig aufs Spiel gesetzt und einen neuen militärischen Schlagabtausch mit der führenden Weltmacht riskiert?

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Doch die Führungsriege des Iran sieht sich als Sieger: Sie hat bewiesen, dass ihr politisches System stabiler und – trotz der gezielten Tötungen ihres Revolutionsführers sowie zahlreicher Generäle und Politiker – resilienter ist, als der Rest der Welt dachte, dass auch massive israelisch-amerikanische Attacken ihre militärische Zweitschlagskapazität nicht brechen können, dass sie mit der Straße von Hormus ein Nadelöhr der Weltwirtschaft kontrolliert und schließlich, dass die USA nicht in der Lage sind, ihre arabischen Verbündeten im Orient zu schützen.

Das Regime im Iran hat sich konsolidiert

Gezeigt hat sich weiter, dass trotz der jämmerlichen Wirtschaftslage und der Aufrufe seitens US-Präsident Trump und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu im Iran die Massen nicht – wie zuletzt noch zu Jahresbeginn – gegen das verhasste Mullah-Regime auf die Straße gingen. Im Gegenteil: Nicht einmal die grundsätzlich separationsfreudigen ethnischen Minderheiten, allen voran die Kurden im Nordwesten des Iran, witterten angesichts des Krieges ihre Chance zum Aufstand.

Washington variierte seine deklarierten Kriegsziele, ließ den zunächst zum Hoffnungsträger stilisierten Sohn des letzten Schahs, Prinz Reza Pahlavi, ins Leere laufen und distanzierte sich immer klarer von Netanjahus Kriegskurs. Wider die wirtschaftliche Misere des Landes und alle Unzufriedenheit im Volk hat sich das Regime durch den Krieg konsolidiert und nach Einschätzung vieler Experten auch radikalisiert. Die aktuelle Neuauflage der militärischen Schläge und Gegenschläge wird die Macht der Revolutionsgarden im Iran und ihre Bedeutung für die Region eher festigen, so kalkuliert man in Teheran. Auch das Überleben der schiitischen Hisbollah-Miliz im Libanon verdankt sich dem iranischen Geschick, zugleich Krieg zu führen und zu verhandeln.

Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf, der nun als einer der starken Männer im Iran gilt, droht mit weiteren Attacken auf US-Stützpunkte in der Region: Diese Botschaft richtet sich weniger an Washington als an die arabischen Freunde der USA, die für amerikanischen Schutz schon bisher einen hohen Preis zahlen – und nun die Grenzen der amerikanischen Gestaltungsmacht in Nahost demonstriert bekommen. Die Anrainerstaaten des Persischen Golfs (Bahrain, Katar, Kuwait, Oman, die Emirate und Saudi-Arabien) wissen spätestens jetzt, dass sie sich mit den ungeliebten Schiiten in Teheran arrangieren müssen; der Irak ist (ebenfalls aufgrund einer US-Intervention, nämlich jener von 2003) ohnedies weithin iranisches Hinterland.

Die USA haben durch den Kriegsverlauf an Gewicht verloren

Selbst für Amerikas engsten Verbündeten in der arabischen Welt, den sunnitischen Erdölgiganten Saudi-Arabien, haben die USA durch den Kriegsverlauf an Gewicht verloren: Riad konkurrierte mit Teheran um die Führungsrolle in der islamischen Welt; man trug Stellvertreterkriege in Syrien und im Jemen aus. Nun aber sind die USA als Ordnungsmacht im Orient abgemeldet, das Mullah-Regime ist weder kollabiert noch entwaffnet worden und die arabischen Konkurrenten Teherans müssen ihre Sicherheitsfragen neu beantworten.

Schwierig wird das für das prowestliche Haschemitische Königreich Jordanien, bisher eine Insel des Friedens und der Stabilität in einem Sandmeer des Krieges, des Terrors und des Extremismus. Im Gegensatz zu anderen Staaten der Region kann König Abdullah II. nicht parallel zu seinen Beziehungen zu Europa und den USA mit Moskau oder Peking flirten. Jordanien und die Golfstaaten wissen heute, dass sie durch diesen und jeden weiteren Krieg nur verlieren können – in Israel und im Iran sehen das die Regierenden ganz anders.

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