Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Politik

Hillary Clinton und Laura Bush kritisieren Familientrennungen

Wer die Bibel selektiv benutze, um zu rechtfertigen, dass Kinder an der Grenze grausam von ihren Eltern getrennt würden, ignoriere einen zentralen Grundsatz des Christentums, so die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Clinton.
Widerstand gegen Trumps Einwanderungspolitik
Foto: Jim West (ZUMA Wire) | 14.06.2018, USA, Detroit: Eine Demonstrantin trägt ein Schild mit der Aufschrift «Stop takin' the kids» bei einer Demonstration gegen Trumps Einwanderungspolitik vor der Haftanstalt der Einwanderungs- und Zollbehörde.

Hillary Clinton hat die Trennung von Kindern und Eltern bei illegalen Einwandererfamilien an der US-Südgrenze scharf angegriffen. Die Behauptung von US-Präsident Donald Trump, dieses Vorgehen gehe auf ein von der Obama-Regierung verabschiedetes Gesetz zurück, sei „eine glatte Lüge“, sagte die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten von 2016 im TV-Kanal NBC-News.

In den vergangenen Wochen haben Beamte der Heimatschutzbehörde ICE laut Regierungsangaben mehr als 2 000 Kinder von ihren Eltern getrennt, die an der Südgrenze der USA Asyl beantragten. Während Väter und Mütter in Haft genommen werden, landen ihre Kinder in Übergangslagern. Inzwischen sind die Behörden nicht mehr in jedem Fall in der Lage, den Aufenthaltsort aller Kinder zu benennen.

„Diejenigen, die selektiv die Bibel benutzen, um diese Grausamkeit zu rechtfertigen, ignorieren einen zentralen Grundsatz des Christentums“, so Clinton. Jesus habe nicht gesagt: „Lasst die Kinder leiden.“
Die frühere First Lady Laura Bush kritisierte die Praxis der Familientrennungen ebenfalls scharf. In einem Meinungsbeitrag für die „Washington Post“ schreibt Bush, es sei brutal und unmoralisch, Familien zu trennen. „Das bricht mir das Herz“.

Auch der UN-Menschenrechtskommissar Zeid Raad al-Hussein prangerte die Praxis an. Vor dem Un-Menschenrechtsrat am Montag in Genf sagte er, schon der Gedanke, dass ein Staat versuche, Eltern abzuschrecken, indem er ihre Kinder einem solchen „Missbrauch“ aussetze, sei „skrupellos“. Das Vorgehen der US-Regierung komme „behördlich genehmigten Kindesmissbrauch“ gleich, erklärte Al-Hussein.

Ebenso hatte sich Melania Trump gegen den Umgang mit Asylsuchenden an der Grenze zu Mexiko ausgesprochen. „Frau Trump hasst es zu sehen, wie Kinder von ihrer Familie getrennt werden“, zitierte ihre Sprecherin Stephanie Grisham die First Lady im Fernsehsender CNN. Sie hoffe, dass sich die beiden Lager im Kongress nun endlich auf eine erfolgreiche Einwanderungsreform einigen können. Diese Position hatte auch Trump bezogen, der versucht, den Demokraten die Schuld für die Zwangstrennung zuzuweisen.

Derzeit haben die Republikaner die Mehrheiten in beiden Häusern des US-Kongresses. Zudem gibt es kein Gesetz, das eine Zwangstrennung vorschreibt. Die Praxis ist das Ergebnis der „Null-Toleranz-Politik“ gegenüber illegalen Einwanderern, die Justizminister Jeff Sessions Anfang Mai offiziell verkündete.

DT/KNA

 

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Themen & Autoren
Bibel Donald Trump Hillary Clinton Jeff Sessions Kindesmissbrauch Kongress der Vereinigten Staaten US-Regierung

Weitere Artikel

Nicht ganz: Die niederländische Gesundheitsministerin Mirjam Sterk beklagt, dass die Kirchen in den Niederlanden selbst wenig zu einer fürsorglichen Gesellschaft beizutragen hätten.
18.09.2026, 13 Uhr
Meüs van der Poel
Kann es für Christen ein „Zuviel“ an Mitgefühl geben? Um die politische Verwertung des Empathiebegriffs tobt in den USA und zunehmend auch in Deutschland eine Debatte.
28.02.2026, 09 Uhr
Jakob Ranke

Kirche

Die Schönstätter Marienschwestern feiern 100-jähriges Bestehen: Die Generaloberin Schwester Joanna M. Buckley erläutert die Ziele ihrer marianisch geprägten Pädagogik.
04.10.2026, 15 Uhr
Regina Einig
Erntedank: Warum wir nicht nur einmal im Jahr für volle Erntekörbe danken sollten, sondern täglich auch für das, was anders kommt als geplant.
04.10.2026, 08 Uhr
Dorothea Schmidt
Sie besucht einen Monat lang die Bistümer Augsburg, Freiburg und Limburg: Die Reliquienreise der heiligen Bernadette steht fest. Auf der Liste stehen 18 Klöster und Kirchen.
01.10.2026, 18 Uhr
Meldung
Wir können uns nicht immer zum Richter über alles aufschwingen. In einem freien Akt der Anerkennung von etwas Größerem wird das Gute für uns sichtbar.
04.10.2026, 19 Uhr
Engelbert Recktenwald