Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Berlin

Grünen-Politiker Nouripour kritisiert deutsche Rüstungsexporte

Das Hin und Her der Regierung in der Rüstungspolitik mache die deutsche Außenpolitik unglaubwürdig, so der Grünen-Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour. Die Exportzahlen seien zutiefst frustierend.
Kritik an deutschen Rüstungsexporten
Foto: Stefan Sauer (ZB) | Mecklenburg-Vorpommern, Mukran: Ein Küstenschutzboot für Saudi-Arabien wird im Hafen auf ein Transportschiff verladen.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour übt deutliche Kritik an den deutschen Rüstungsexporten. Die Zahlen, die die Regierung auf seine Anfrage hin bekanntgegeben habe, seien „zutiefst frustrierend“, so der 44-Jährige gegenüber der „Tagespost“. Seit anderthalb Jahren verspreche die Große Koalition immer wieder ein Ende der Lieferungen an die Kriegsallianz im Jemen, habe dieses Versprechen jedoch bis heute nicht eingelöst.

Rüstungsgüter im Wert von 200 Millionen Euro geliefert

Im ersten Halbjahr 2019 seien deutsche Rüstungsgüter im Wert von rund 200 Millionen Euro an die Vereinigten Arabischen Emirate geliefert worden, „den wichtigsten PartnerSaudi-Arabiens in dem Krieg, der fast hunderttausend Menschen das Leben gekostet und Millionen Kinder an den Rand des Verhungerns gebracht hat“.

"Mit den Ansagen aus Berlin kann niemand
rechnen, wenn die Bundesregierung ihre
eigenen Grundsätze regelmäßig missachtet"
Grünen-Bundestagsabgeordneter Omid Nouripour

So lange die Kriegsparteien von der internationalen Gemeinschaft keine Konsequenzen für ihr mörderisches Vorgehen erfahren würden, werde es für sie keinen Grund geben, aufzuhören, beklagt Nouripour. Darüber hinaus macht das Hin und Her die deutsche Außenpolitik nach Ansicht Nouripours unglaubwürdig. „Mit den Ansagen aus Berlin kann niemand rechnen, wenn die Bundesregierung ihre eigenen Grundsätze regelmäßig missachtet: keine Waffen mehr an Staaten, die in Kriege verwickelt sind oder großflächig Menschenrechte missachten.“

Die eigenen Werte nicht verleugnen

Gleichzeitig betont der Grünen-Politiker, dies bedeute nicht, dass Deutschland seine Zusammenarbeit mit Saudi-Arabien einstellen solle. Der derzeitige Kronprinz Mohammed bin Salman betreibe dort eine sehr ambivalente Erneuerungspolitik. „Einerseits öffnet er das Land wirtschaftlich und beschert den Menschen zahlreiche neue persönliche Freiheiten im Alltag, andererseits agiert er außenpolitisch höchst aggressiv und zieht im eigenen Land die Daumenschrauben auf ein ungekanntes Maß an.“ Aber Deutschland sei für ihn ein wichtiger Partner für viele Projekte. Darüber solle man mit ihm ins Gespräch kommen, „aber nicht um den jeden Preis. Verleugnen wir dauernd unsere eigenen Werte, verlieren wir jede Chance, Einfluss in dieser wichtigen Weltregion auszuüben“.

DT/mlu

Die Hintergründe zu diesem Thema finden Sie in der Wochenausgabe der Tagespost.

Themen & Autoren
Maximilian Lutz Mohammed bin Salman Omid Nouripour Rüstungspolitik

Weitere Artikel

Für Männer nichts im Angebot? Das wollen die Grünen ändern. In ihrem Blick auf die Geschichte könnten Sie allerdings von der Kirche noch etwas lernen.
09.07.2026, 15 Uhr
Benjamin Leven
Archäologische Funde am Arabischen Golf zeigen, dass christliche Gemeinden nicht sofort nach der Geburt des Islams verschwanden.
08.03.2026, 16 Uhr
Bodo Bost
Zwischen Wunschdenken und Hoffnung: Der Nahe Osten steht vor einem historischen Umbruch. Doch wie friedlich wird sich dieser vollziehen?
29.11.2025, 19 Uhr
Behrouz Khosrozadeh

Kirche

Nach 16 Jahren als Abt reicht Maximilian Heim den Staffelstab weiter. Die zurückliegende Visitation des Klosters mag belastend gewesen sein, die Ergebnisse waren es nicht.
26.08.2026, 10 Uhr
Stephan Baier
Mehr als 500 Menschen feiern in Treppeln den Baufortschritt am Bernhardshof. Die Zisterzienser von Neuzelle wollen hier im kommenden Jahr einziehen.
25.08.2026, 18 Uhr
Rocco Thiede
Kein Happy-End in der Basilika? Um die zeitgenössische Formensprache ist ein Konflikt entbrannt.
24.08.2026, 18 Uhr
Angela Hörnig
Gedanken über den Weg zur Berufung und auch zum Beruf. Wir brauchen keine erschöpften Erfolgsfunktionäre.
25.08.2026, 07 Uhr
Alexander Ertl