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„Es gibt kein Menschenrecht auf Abtreibung“

Tausende Menschen gehen für den Lebensschutz auf die Wiener Straßen. Unterstützt wurde die Großdemo auch von zahlreichen politischen und kirchlichen Amtsträgern.
Marsch fürs Leben in Wien
Foto: Marsch fürs Leben | Das graue Oktoberwetter bildete einen starken Kontrast zu der heiteren Stimmung und dem farbenfrohen Erscheinungsbild der Marschierenden, hier zu sehen auf dem Stephansplatz vor dem Wiener Stephansdom.

Wie jedes Jahr im frühen Herbst versammelten sich auch am Samstag tausende Lebensschützer in der österreichischen Hauptstadt Wien, um gemeinsam unter dem Motto „Österreich ist fürs Leben!“ ein Zeichen für die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens zu setzen. Friedlich, ohne Zwischenfälle und in fröhlicher Stimmung zogen die Teilnehmer durch die Straßen der Wiener Innenstadt. Unterstützt wurde die österreichweit größte Lebensschutzveranstaltung von zahlreichen politischen und kirchlichen Amtsträgern, darunter der Wiener Weihbischof Stephan Turnovszky, der emeritierte Bischof von St. Pölten, Klaus Küng, die ÖVP-Nationalratsabgeordneten Gudrun Kugler und Norbert Sieber sowie Ricarda Berger, die Familiensprecherin der FPÖ.

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Eröffnet wurde der „Marsch fürs Leben“ mit einer heiligen Messe und einem überkonfessionellen Gebetstreffen an verschiedenen Standorten. Weihbischof Stephan Turnovszky, der dem Gottesdienst in der Karlskirche als Hauptzelebrant vorstand, betonte die Wichtigkeit, sich für die Schwächsten der Gesellschaft einzusetzen. Der Wiener Weihbischof verwies auf jene, die am Ende ihres Lebens stehen, die Alten und Kranken, wie auch auf die zukünftigen Generationen. Der „Marsch fürs Leben“ sei in erster Linie nicht ein Gegen, so Turnovszky, sondern ein Für: ein Einstehen für das Leben, für die Schwächsten, und für all jene, welche Hilfe anbieten, unabhängig von politischer Zugehörigkeit. Der Weihbischof fand an dieser Stelle auch warnende Worte gegen jede Form der Polarisierung oder politischen Instrumentalisierung dieses Einsatzes für das Leben. „Es gibt kein Menschenrecht auf Abtreibung“, stellte Turnovszky klar fest. „Es ist ein Widerspruch in sich.“

Ein Kind darf kein Problem oder Armutsrisiko darstellen

Bei der Kundgebung auf dem Platz vor der Karlskirche bekräftigte Ricarda Berger, Nationalratsabgeordnete und Familiensprecherin der FPÖ, einmal mehr: „Die Selbstbestimmung der Frau endet da, wo ein neues Leben beginnt.“ Menschenrechte stünden allen zu, deshalb auch den ungeborenen Kindern, betonte Berger. Ein Kind dürfe niemals ein Problem oder ein Armutsrisiko darstellen, so die österreichische Politikerin. Aufgabe der Politik sei es, echte Perspektiven und eine unabhängige Beratung zu ermöglichen. „Kinder kosten Zeit, Kraft und manchmal vielleicht auch die letzten Nerven, doch sie schenken auch unfassbar viel Liebe, Freude und Hoffnung“, so Berger.

Die Geburt ihrer eigenen Kinder bezeichnete die FPÖ-Familiensprecherin als die unvergesslichsten Momente ihres Lebens. Auch Petra Plonner von der Bürgerinitiative #fairändern wandte sich in ihrer Rede an die Politik: „Frauen treiben nicht aus Überzeugung ab, sondern aus Verzweiflung: Das muss sich fairändern.“ Frauen verdienten etwas Besseres, gab sich Plonner überzeugt. Sie forderte daher unterstützende politische Maßnahmen, um nicht nur ein „Überleben, sondern ein gutes Leben“ für diese Frauen zu gewährleisten.

Kaum Gegendemonstranten

Der Organisator des französischen „Marche pour la vie“, Guillaume de Thieulloy, fand Worte der Hoffnung. Er sehe Abtreibung nicht bloß als Zerstörung von unschuldigem Leben, sondern auch der Gesellschaft, doch am Ende würde der Lebensschutz siegen. Eine konkrete Hilfeleistung für Frauen in Konfliktschwangerschaften wurde von Barbara Seppi mit ihrem Projekt „Haus der guten Hoffnung“ vorgestellt. Bis zu einem Jahr können Frauen dort kostenlos aufgenommen und begleitet werden. Nach den Ansprachen zogen die laut Veranstalter mehr als 3.000 Teilnehmer durch die Wiener Innenstadt bis zum Stephansplatz.

Das graue Oktoberwetter bildete einen starken Kontrast zu der heiteren Stimmung und dem farbenfrohen Erscheinungsbild der Marschierenden. Auffällig war der hohe Anteil junger Menschen, zudem waren zahlreiche Vertreter kirchlicher Gemeinschaften anwesend. Bei der Messfeier wie bei der Kundgebung war auch Bischof Klaus Küng. Der „Marsch fürs Leben“ sei, so Küng, „ein Lebenszeichen, dass einige da sind, die für die Unantastbarkeit des Lebens einstehen“. Ein Lebenszeichen der Gegendemonstranten bekamen die diesjährigen Teilnehmer – anders als in den Vorjahren – allerdings kaum zu spüren: Erst nach dem Ende der Veranstaltung auf dem Stephansplatz ließ sich eine organisierte Gegendemonstration blicken. Doch auch dieser Versuch einer Gegenstimme schien im Wirbel der Großstadt eher unterzugehen.

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